Studie aus den USA Körper versucht mit Tränen Erregung abzubauen

Von Dr. Jörg Zittlau

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Als Schauspielerin Charlize Theron in Hollywood einen Stern auf dem „Walk of Fame“ bekommt, kann sie ihre Freudentränen nicht verbergen. Foto: ImagoAls Schauspielerin Charlize Theron in Hollywood einen Stern auf dem „Walk of Fame“ bekommt, kann sie ihre Freudentränen nicht verbergen. Foto: Imago

Bremen. Wenn wir traurig sind weinen wir, wenn wir glücklich sind auch. Amerikanische Forscher haben nun herausgefunden, warum so gegensätzliche Emotion die gleiche Reaktion auslösen.

Wer im Gefühl der Trauer seinen Tränen freien Lauf lässt, fühlt sich danach meistens besser. Manchmal jedoch passen die Gefühlsäußerungen nicht wirklich zur Situation. Beispielsweise, wenn die Braut am Altar losheult, obwohl sie sich doch freut. Oder die Kollegen des Fußballteams dem Torschützen für seinen Treffer eine deftige Backpfeife verpassen oder ihm brutal ins Kreuz springen. Oriana Aragon von der Yale-Universität hat nun diese paradoxen Verhaltensweisen näher untersucht und herausgefunden, dass auch sie dem Stressabbau dienen.

Die amerikanische Psychologin ließ im Labor etwa zwei Dutzend Probanden an schönen Erlebnissen teilhaben, indem sie ihnen Filme von lachenden Babys vorspielte, oder auch Szenen von Menschen, die sich nach jahrelanger Trennung plötzlich wiedersehen. Dabei wurden nicht nur die unmittelbaren Reaktionen beobachtet, sondern auch, wie schnell sich die Probanden wieder beruhigten.

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Es zeigte sich, dass sich diejenigen, die beispielsweise mit Tränen oder auch mit dem Wunsch reagierten, die dargestellten Babys in die Wangen zu zwicken, wieder schneller von ihrem emotionalen Ausnahmezustand erholten und zur Tagesordnung übergehen konnten. In einer Online-Umfrage mit 650 Teilnehmern bestätigte sich dieser Trend. Demnach, so Aragon, „dienen offenbar die konträren Reaktionen dazu, die Erregung schneller auszugleichen und zu dämpfen“.

Es handelt sich also bei Freuden- und Trauertränen gleichermaßen um eine Form des Spannungsabbaus. Denn der Körper, so die Psychologin weiter, empfinde nicht nur negative, sondern auch extrem positive Emotionen als Stress. „Also versucht er, die Erregung so schnell wie möglich abzubauen“, resümiert Aragon. Und dabei helfen ihm heftige Aktionen wie etwa Schläge oder Heulattacken.

Was die Frage aufwirft, ob das Unterdrücken von Freudentränen genauso schädlich für den Organismus ist wie das Unterdrücken von Trauer. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Denn einerseits sind unterdrückte Gefühlsäußerungen generell schädlich, weil sie körperlichen Erregungen keine Gelegenheit geben, sich abzubauen. Andererseits werden natürlich bei einer positiven Reaktion andere Hormone ausgeschüttet als bei einer negativen. Oder anders ausgedrückt: Freude und Glück sind immer besser als Traurigkeit und Unglück – auch wenn wir sie nur klammheimlich empfinden.


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