H5N8 besonders gefährlich Was man über die Vogelgrippe wissen sollte

Von Waltraud Messmann

Vogelgrippe tritt in Asien häufiger auf als in Europa: Unser Bild zeigt einen Markt in Shanghai. Foto:dpaVogelgrippe tritt in Asien häufiger auf als in Europa: Unser Bild zeigt einen Markt in Shanghai. Foto:dpa

Osnabrück. Nach Deutschland und den Niederlanden ist nun auch Großbritannien von einer neuen Vogelgrippeinfektion betroffen. Noch ist aber nicht geklärt, ob es sich bei der Variante auf einer Entenfarm in Nordengland ebenfalls um den in Mecklenburg-Vorpommern identifizierten hochpathogenen aviären Influenzavirus des Subtyps H5N8 handelt.

„Erkrankungen mit diesem Subtyp sind beim Menschen bisher nicht beobachtet worden, können aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden“, betonte die Pressesprecherin des Robert -Koch-Instituts Susanne Glasmacher im Gespräch mit unserer Redaktion. Er gelte als hochpathogen, weil das Geflügel meist an der Infektion sterbe.

Beim Einsatz adäquater Schutzmaßnahmen seien Übertragungen auf den Menschen jedoch unwahrscheinlich, sagte die Sprecherin. Auch im Zusammenhang mit bekannten Ausbrüchen beim Geflügel durch mit diesem Virus verwandte Geflügelpestviren in Südkorea, Japan oder China seien bisher keine humanen Erkrankungen berichtet worden. „Eine Pandemie kann aber nur ausgelöst werden durch Erreger, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden“, so Glasmacher..

. Der aus Asien stammende Erreger des Typs H5N8 ist nach Ansicht der Experten höchstwahrscheinlich über Wildvögel nach Europa gekommen. Hier einige Antworten auf Fragen zum Thema.

Was ist Vogelgrippe? „Vogelgrippe“ ist ein in der Umgangssprache gebräuchlicher Ausdruck

für Geflügelpest oder aviäre Influenza. Er bezeichnet eine Erkrankung von Vögeln durch Vogel-Influenza- bzw. Vogelgrippe-Viren.

Die Vogelgrippe wird durch verschiedene Grippeviren übertragen – derzeit durch den Subtyp H5N8. Er ist vor allem für Hühnervögel (z. B. Hühner, Puten, Fasane) gefährlich. Je nach Grippevirus-Typ kommt es bei den betroffenen Vögeln zu leichten,

schweren oder auch tödlichen Erkrankungen.

Was bedeuten „H“ und „N“ bei den Virusbezeichnungen?

Mit H und N werden die beiden wichtigsten Eiweiße der Virushülle (Hämagglutinin und Neuraminidase) abgekürzt. Im Tierreich, insbesondere bei Wasservögeln, existieren unterschiedliche Ausprägungen davon, die „durchnummeriert“ sind. Der besonders gefährliche Virus-Subtyp H5N8 kam bislang nur in Asien vor.

Können auch Menschen sich anstecken? Bei engem Kontakt zu erkrankten Tieren kann es in Einzelfällen zu einer Übertragung der

Krankheit auf andere Tierarten und auch auf Menschen kommen. Ansteckend sind vor allem die Ausscheidungen erkrankter

Vögel sowie mit Viren verunreinigter Staub in den Federn.

Wer ist gefährdet? Soweit bekannt, hatten alle bisher erkrankten Menschen engen Kontakt zu infiziertem bzw. erkranktem

Geflügel, wie er in vielen Privathaushalten Asiens oder Afrikas üblich ist. In Europa hingegen sind in erster Linie Geflügelhalter, Tierärzte

und Menschen anderer Berufsgruppen gefährdet, die häufigen und

direkten Kontakt zu lebenden oder toten Hühnervögeln haben.

.Welches Krankheitsbild hat Vogelgrippe bei Menschen?Bei einer Infektion treten die ersten Symptome in der Regel zwei bis fünf, eventuell bis zu 14 Tagen nach Infektion auf. Es wurden schwere grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber, Husten, Atemnot und Halsschmerzen beobachtet. Häufig kommt es auch zu Durchfall, seltener auch zu Bauchschmerzen und Erbrechen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung entwickelt sich meist eine Lungenentzündung, die zu Lungenversagen und Tod führen kann. Anfang 2014 kam es in China zu Erkrankungen durch H7N9. Die Patienten in China hatten plötzlich auftretendes hohes Fieber, Husten und weitere Symptome eines Atemwegsinfekts. In den darauffolgenden fünf bis sieben Tagen entwickelten sie eine schwere Lungenentzündung mit schwerer Atemwegsnot (respiratorische Insuffizienz).

Können Vogelgrippeviren auch von Mensch zu Mensch übertragen werden? Nach bisherigen Erfahrungen werden Vogelgrippeviren, wenn überhaupt, nicht effektiv von Mensch zu Mensch übertragen. Es gibt bei H5N1-Erkrankungen einzelne Fälle, bei denen ein sehr enger Kontakt zwischen einem später erkrankten Familienmitglied und dem primär Erkrankten bestand, z.B. durch häusliche Krankenpflege. Auch bei den H7N9-Fällen in China gibt es bislang einzelne Fälle, bei denen eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nicht ausgeschlossen werden kann. Bei einer H5N1-Häufung in Indonesien 2006, bei der acht Personen einer Familie erkrankten, kam es möglicherweise auch erstmals zu einer Weiterübertragung des Vogelgrippe-Virus an eine dritte Person (von einer 37 Jahre alten Frau zu ihrem Neffen und von dort an seinen Vater, den Bruder der Frau, siehe Nature, 13. Juli 2006). Generell gilt, dass der für das Anheften an die Zellen des Wirtes notwendige Anteil des Virus nicht gut an menschliche Zellen angepasst ist. (Quellen: Webseiten der Bundesärztekammer und des Robert-Koch-Instituts)

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WHO vermutet seltene menschliche Übertragung von H7N9-Virus