Kontaktloses Bezahlen in Deutschland Apple Pay ist Hoffnungsträger für Banken und Einzelhandel

Von Mark Otten


Osnabrück. Kontaktloses Bezahlen ist in Deutschland noch ein Randthema. Aber Banken und Einzelhandel sind sich einig: Apple soll es mit Apple Pay richten und dem Markt den entscheidenden Schub geben. Dabei ist der deutsche Marktstart noch völlig offen.

„Die Marktnachfrage nach kontaktlosem Bezahlen ist in Deutschland noch nicht so stark. Apple könnte das ändern,“ sagt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE) unserer Redaktion. Er ist zuständig für Zahlungssysteme. Nicht nur der Einzelhandel setzt beim entscheidenden Impuls für die Zukunft des Bezahlens auf Apple und seinen Bezahldienst Apple Pay , sondern auch die Banken. Dabei ist noch gar nicht klar, wann der Dienst nach Deutschland kommt oder welche Gebühren für Händler und Geldhäuser anfallen. Immerhin sagt Cornelia Schulz, Pressesprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft: „Wir sind über die Planungen von Apple informiert und haben eine eventuelle Vertiefung in unsere Überlegungen mit aufgenommen.“ Die Interessenvertretung der deutschen Kreditinstitute begrüße es, dass auch Apple Pay auf die Nahfeldtechnologie NFC setzt, die bereits im deutschen Markt im Rahmen von kontaktlosen Bezahlverfahren angeboten werde. „Insofern stehen wir einer Zusammenarbeit offen gegenüber und werden diese prüfen, wenn Apple den europäischen Markt ansteuert“, so Schulz. (Hier lesen Sie einen Test zum iPad Air 2)

Apple Pay als Hoffnungsträger

Apple Pay war Mitte Oktober in den USA gestartet und ist derzeit nur dort verfügbar. Noch gibt es keine offiziellen Zahlen von Apple, doch erste Meldungen lassen darauf schließen, dass das Interesse an dem Bezahldienst überaus groß ist. Und er hat in den USA dafür gesorgt, dass auch andere Bezahldienste, wie etwa Google Wallet oder Dienste lokaler Anbieter, häufiger genutzt werden. Auf diesen Effekt hoffen auch Banken und Einzelhändler hierzulande. Unbekannt ist bislang, was Händler und Banken für die Nutzung von Apple Pay zahlen müssten. Händler in Amerika berichten, dass Apple einen Anteil von 0,15 Prozent des Umsatzes bekomme, wenn Kunden mit Apple Pay zahlen. Doch die Gebühren für Banken, die vor allem für den Sicherheitsmachanismus im iPhone bezahlen, sind bislang nicht an die Öffentlichkeit geraten. Auch Einzelhandelssprecher Binnebößel sagt: „Die Banken und Apple müssten die Konditionen klären.“

Apple Pay: Einfach – und sicher?

Der Vorteil von Apple Pay ist nach Nutzerberichten der Bedienkomfort. Apple-Nutzer hinterlegen ihre Karten und Konten auf ihrem iPhone 6 oder iPhone 6 Plus (Hier geht es zum iPhone 6 Test) . Dabei kommt ein sogenanntes „Tokenization“-Verfahren zum Einsatz. Das heißt: Es werden statt Daten der Kreditkarte nur ein ihr zugewiesener Code auf dem Smartphone gespeichert. Das verhindert, dass für Hacker wichtige Informationen ausgelesen werden können. Zum Bezahlen halten Kunden das iPhone sehr nah einen NFC-Terminal und autorisieren die Zahlung mit ihrem Fingerabdruck. Dennoch hatte der Chaos Computer Club darauf hingewiesen, dass der Fingerabdrucksensor im iPhone ausgetrickst werden könne. Im kommenden Jahr soll auch die Apple Watch für Bezahlvorgänge in Geschäfte zum Einsatz kommen.

Und was ist mit dem Datenschutz?

Neben der sicheren Autorisierung ist der Datenschutz entscheidend für Erfolg oder Misserfolg eines Bezahldienstes. „Das kann natürlich ein problematisches Thema sein. Grundsätzlich müssen die Datenerhebungen für die Kundenbindung und den Zahlungsweg getrennt voneinander sein. Die Daten für die Kundenbindung müssen beim Handel bleiben, nicht beim Zahlungsanbieter“, sagt Ulrich Binneboessel vom HDE. Auch in diesem Bereich will Apple punkten. Bei der Vorstellung von Apple Pay im Sommer betonte Apple-Manager Eddy Cue, dass das Unternehmen nicht im „Geschäft des Datensammelns“ sei. Apple wisse nicht, was Kunden wo mit Apple Pay gekauft oder wie sie dafür bezahlt hätten. „Die Transaktion läuft zwischen Ihnen, dem Verkäufer und der Bank“, so Cue.

Mittlerweile soll Apple bereits einen Posten für die Einführung von Apple Pay in Europa geschaffen und besetzt haben. Einen möglichen Einführungszeitpunkt soll es jedoch noch nicht geben. Und abseits der Euphorie sagt Cornelia Schulz von der Deutschen Kreditwirtschaft: „Bei allen Innovationen muss man immer mit bedenken: eine ausreichende Masse an Kunden und an Händlern müssen mitmachen wollen. Das ist für jeden Anbieter eine Herausforderung.“ In Deutschland seien aber schon jetzt viele NFC-fähige Händlerterminals im Markt. Es fehlt also nur noch ein Zeichen Apples.