Einchecken mit Paypal Ausprobiert: Im Restaurant per Paypal bezahlen

Von Mark Otten


Seevetal. Wer sein Smartphone dabei hat, kann mittlerweile auch ohne Portemonnaie in der Tasche die Speisekarte rauf und runter bestellen. Denn seit Kurzem kann man in einigen Restaurants und Kaffees in Deutschland per Paypal bezahlen. Ist das die Zukunft? Unser Reporter Mark Otten hat es ausprobiert.

Ich sitze im Restaurant „Knightbar“, im niedersächsischen Hittfeld. Ein Portemonnaie habe ich gar nicht erst mitgenommen. Denn das „Knightbar“ ist eines von rund 100 Betrieben in Deutschland, in denen Kunden per Paypal bezahlen können. Dafür benötige ich dort:

  • Ein Smartphone oder Tablet
  • Eine Internetverbindung (egal, ob per Wlan oder Datentarif)
  • Die Paypal-App (kostenlos für iOS, Android und Windows Phone)
  • Ein Paypal-Konto mit hinterlegtem Bankkonto oder Kreditkarte und Foto

Kostenloses Wlan gibt es. „Ein allgemeiner Service für unsere Gäste, keine Vorgabe von Paypal“, sagt „Knightbar“-Geschäftsführer Matthias Kaufmann. Für den Gastronomen hat Paypal zwei Vorteile: Im ersten Jahr ist der Dienst für ihn kostenlos und selbst wenn im kommenden Jahr Gebühren anfallen, liegen sie unter denen der Kreditkarten. (Lesen Sie hier: Apple Pay ist der Hoffnungsträger von Banken und Einzelhandel)

So funktioniert es

Die Bestellung nimmt die Bedienung wie gewohnt auf. Spannend wird es erst, nachdem die leckere Currywurst aufgegessen ist. Auf mein: „Ich zahle per Paypal“, eilt der Kellner zurück zum Tresen und holt ein iPad. Ich bin wieder dran: Paypal-App öffnen, auf die Schaltfläche „Läden“ tippen, „Knightbar“ auswählen und über „Einchecken“ wischen. Auf dem iPad des Kellners wird nun mein Name angezeigt. Der Kellner tippt darauf und sieht mein Foto und meinen offnen Rechnungsbetrag. Der Kellner guckt das Foto an, dann zurück zu mir. „Yo, das passt“, sagt er und tippt auf den Bildschirm. Kurz darauf bekommen der Kellner und ich eine Bestätigung auf unsere Geräte – das war‘s. Trinkgeld muss ich aber bar zahlen, das geht nicht per Paypal-App.

Setzt sich das durch?

Bezahlen per Smartphone – das hat schon was. Und Millionen von Online-Nutzern haben mittlerweile ein Paypal-Konto. Der Abgleich des Fotos ist ein einfaches und effektives Sicherheitselement – aber auch ungewohnt. „Ja, das müssen wir einigen Gästen schon erklären. Aber dann finden die das gut“, sagt „Knightbar“-Geschäftsführer Kaufmann. Dessen Kassensystemanbieter Orderbird hatte ihn auf die Paypal-Option aufmerksam gemacht. Seit Ende August bietet er sie an. Die Resonanz der Gäste ist laut Kaufmann „noch verhalten“. Pro Woche hätten ein bis zwei Gäste diesen Zahlungsweg genutzt – Wiederholungstäter eingeschlossen. „Bis sich das durchsetzt, wird es noch eine Weile dauern“, sagt der 25-Jährige. Damit dürfte er recht haben.

Denn noch wissen nur wenige Leute von der neuen Bezahlart. Außerdem bietet der Vorgang für technikunerfahrene Nutzer noch zu viele Stolperschwellen. Außerdem gibt es momentan nur wenige Betriebe, die Paypal anbieten. Doch das sollte sich in den kommenden Monaten ändern – vor allem, wenn der Service die Unternehmer im ersten Jahr keine Gebühren kostet. (Lesen Sie hier: Bezahlen 2.0 – löst das Smartphone das Portenmonnaie ab?)


Paypal hatte die „Läden“-Funktion zunächst in einigen Geschäften in Berlin getestet und das Pilotprojekt im Juli beendet. Die App bietet neben der Foto-Autorisierung noch die Freigabekombination aus Code und Pin an. Die soll vor allem in Geschäften „mit viel Publikumsverkehr, in denen es sehr stark auf Geschwindigkeit ankommt“ zum Einsatz kommen. Außerdem können Gastronomen ihr Paypal-Angebot erweitern und beispielsweise innerhalb der App bestellen oder Gutscheine und Treuepunkte anbieten.