Vieles regelt die Schulordnung Handy-Ärger in der Schule: Was dürfen Lehrer?

Von Wolfgang Büser

Wird das Handy als Spickzettel genutzt, ist das ein Täuschungsversuch, und es gibt eine „6“. Foto: ImagoWird das Handy als Spickzettel genutzt, ist das ein Täuschungsversuch, und es gibt eine „6“. Foto: Imago

Kamen. Die meisten Jugendlichen haben heute ein Handy oder Smartphone – und treiben damit häufig Lehrer in den Wahnsinn. Wir erklären, was Pädagogen dürfen und was nicht.

Kamen. Es gibt kaum noch Kinder oder Jugendliche, die zwischen 10 und 18 Jahre alt sind und kein eigenes Smartphone oder Handy besitzen. Ist es am Kaffeetisch oder im Auto bereits nervig und geeignet, die Stimmung zu versauen, so kann es – in der Schule eingesetzt – richtig Ärger bringen.

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Klar ist der Sachverhalt, wenn das Handy während des Unterrichts klingelt und die Schulordnung vorschreibt, dass die Geräte in der Unterrichtszeit ausgeschaltet sein müssen: Der Lehrer (oder die Lehrerin) darf das Handy wegnehmen. Denn die Wegnahme von Gegenständen ist eine erzieherische Maßnahme und zulässig, wenn sie zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs nötig ist.

Nicht erlaubt ist es, das Telefon wegzunehmen, wenn ein Schüler zum Beispiel seine Hausaufgaben nicht gemacht hat oder verspätet zum Unterricht kommt.

Meist regelt die Schulordnung die Nutzung von Smartphone und Handy. Es gibt Schulen, an denen das Telefonieren auf dem Schulhof oder in dafür eingerichteten Zonen erlaubt ist. Der Freistaat Bayern hat für die Handynutzung gar einen Paragrafen ins Schulgesetz gebracht. Dort müssen Mobilfunktelefone auf dem gesamten Schulgelände ausgeschaltet sein. Das Gesetz lässt aber auch Ausnahmen zu. Die sind dann vom Lehrer zu bewerten.

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Zwar haben Schulen das Recht zu verlangen, dass die Geräte zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Bereichen ausgeschaltet werden. Nicht aber darf das Mitbringen generell verboten werden. Die Schule hat nicht das Recht, die Kommunikation der Schüler vor und nach dem Schulbesuch einzuschränken.

Wenn das Handy nicht mehr stören kann – spätestens zum Ende des Unterrichtstages –, muss es zurückgegeben werden. Alles andere ist ein Eingriff in die Eigentums- und Besitzrechte. Ob das eingezogene Handy an den Schüler oder an die Eltern ausgehändigt wird, ist von Fall zu Fall zu entscheiden, weil es sich um ein erzieherisches Mittel handelt. Auch eine feste Aufbewahrungszeit oder ein Bußgeld dürfen nicht in der Schulordnung festgeschrieben sein. Ebenso wenig abschreckende Formalitäten, wie zum Beispiel die Klausel, dass das Handy nur dann wieder herausgegeben wird, wenn die Eltern das schriftlich beantragen. Da hat die Schulleitung keinen Spieltraum.

Wird das Handy als Spickzettel genutzt, so ist das ein Täuschungsversuch. Die Prüfung (zumindest einen Teil davon) bewertet der Lehrer mit „6“ – wie früher, als die Lösungen noch auf dem Lineal oder in der Hand standen.