Die Sorge fährt stets mit Diebstähle in Zügen nehmen weiter zu

Von Eva Voß

Besonders im Gedränge schlagen Taschendiebe gerne zu. Foto: dpaBesonders im Gedränge schlagen Taschendiebe gerne zu. Foto: dpa

Osnabrück. Wer häufiger allein mit der Bahn unterwegs ist, kennt das Dilemma: Spätestens wenn die Blase drückt, stellt sich die Frage, wohin mit Laptop, Smartphone und anderen teuren Habseligkeiten. Alles mitnehmen in die winzige Bahntoilette? Andere Reisende bitten, auf die persönlichen Sachen zu achten?

Die Sorge ist durchaus berechtigt: Wie zahlen der Bundespolizei zeigen, steigt die Zahl der Diebstähle stetig an – im vergangenen Jahr sogar um 22 Prozent. Lag die Zahl der Diebstähle in Zügen der Deutschen Bahn 2010 noch bei 10171, waren es im vergangenen Jahr schon 14112 (2011: 11339; 2012: 11602).

Osnabrück ist bei Taschendieben offenbar beliebt

Zu typischen Vorfällen zählen laut Bundespolizei, dass ein Bahnreisender etwa kurz zur Toilette geht und seine Sachen unbeobachtet lässt, oder dass ein Handy im Gedränge beim Einsteigen aus der Jackentasche gestohlen wird. Manchmal werden aber sogar Koffer während der kurzen Haltezeit am Bahnhof geklaut, oder Laptops aus der Gepäckablage über dem Sitz. Warum die Zahl besonders im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen ist, kann sich die Bundespolizei

„Wir können da keinen eindeutigen Trend feststellen“, sagt dagegen Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes ProBahn. Auch Beschwerden von Reisenden würden beim Verband mit Blick auf Diebstähle bisher nicht zunehmen. Es habe immer Zugverbindungen gegeben, auf denen die Diebstahlgefahr höher war – Nachtzüge etwa seien bei Langfingern beliebt, weil die Opfer schlafen und den Diebstahl meist erst bemerken, wenn es schon zu spät ist.

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Für die Zunahme der Fallzahlen hat Naumann eine andere Erklärung: „Ich glaube eher, dass die Leute kritischer geworden sind und solche Vorfälle häufiger anzeigen als früher.“ Naumann empfiehlt Bahnkunden Wertsachen wie Handy, Laptop und Geldbörse möglichst nah bei sich zu haben. Die Schlaufe von Rucksäcken oder Handtaschen, in denen sich Wertgegenstände befinden, sollten sich Reisende am besten um die Hand wickeln, wenn sie schlafen möchten – und das Gepäckstück direkt auf den Schoß stellen. Wer zwischendurch auf die Toilette muss, sollte entweder alle wichtigen und wertvollen Dinge mitnehmen oder andere Reisende bitten, auf die Sachen Acht zu geben. Problem: In der Zugtoilette kann es mit Laptoptasche und Rucksack sehr eng werden. Und wer Mitreisende um Hilfe bitte, macht im schlimmsten Fall den Bock zum Gärtner. Alternative können Schließfächer sein, die es in manchen ICE-Modellen gibt.

Bei der Kofferablage im IC wird es allerdings schon schwieriger: Schließlich ist die direkt am Zugeingang und gegebenenfalls weit weg vom Besitzer. Kofferdieben wird es damit besonders leicht gemacht, Gepäck aus dem wartenden Zug zu klauen. Naumann: „Wer mit dem IC fährt, sollte besser keine Wertsachen im Koffer lassen, wenn er sein Gepäck nicht beaufsichtigen kann.“ In modernen ICEs sei die Kofferaufbewahrung besser regelt – dort befänden sich Abstellmöglichkeiten in der Mitte des Waggons.

Wer jetzt an eine Reisegepäckversicherung für den nächsten Bahntrip denkt, dem sei gesagt: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät von solchen Policen ab. Grund: Der Beitrag ist relativ hoch und bietet nur wenig Schutz, denn die Versicherung zahlt nur, wenn man so auf seinen Koffer achtet, als hätte man keine Versicherung. Ansonsten kann dem Versicherten eine Mitschuld angerechnet und eine Zahlung verweigert werden. Da hilft also nur: Augen auf beim Bahnfahren.