Sudden Infant Death Syndrome Was passiert beim plötzlichen Kindstod?

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Um dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen, sollte das Baby beim Schlafen auf dem Rücken liegen und nicht zu warm angezogen sein. Foto: ColourboxUm dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen, sollte das Baby beim Schlafen auf dem Rücken liegen und nicht zu warm angezogen sein. Foto: Colourbox

Osnabrück. Er ist der Horror aller Eltern: der plötzliche Kindstod. Unbemerkt und unerwartet verstirbt bei ihm das Kind im Schlaf – und bis heute weiß niemand seine genaue Ursache.

„Generell ist der plötzliche Kindstod ein Ereignis, das nur im ersten Lebensjahr stattfindet – und hier am häufigsten im dritten bis vierten Lebensmonat“, sagt Volkmar Kunde im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Doktor der Medizin ist Oberarzt am Christlichen Kinderhospital Osnabrück und betreut auf seiner Station vor allem Früh- und Neugeborene. „Zu diesem Zeitpunkt endet der Nestschutz der Mutter“ und zudem finden im Körper des Säuglings Umstellungsvorgänge statt. Doch das ist nur Spekulation, denn „die letztendliche Ursache ist weiterhin unklar, trotz vieler Jahrzehnte intensiver Forschung“.

Das liegt auch daran, dass die Diagnose „Plötzlicher Kindstod“ eine Art Ausschlussdiagnose ist: Sie wird dann getroffen, wenn alle weiteren Todesursachen ausgeschlossen werden können. Der plötzliche Kindstod ist also ein Sammelbegriff, wenn ein Säugling unerwartet und plötzlich stirbt.

Die Atmung stoppt

Was fest steht ist jedoch, dass die Kinder im Schlaf versterben, weil sie aufhören zu atmen – und dies anscheinend gar nicht merken. „,Normale‘ oder gesunde Kinder würden, wenn sie merken, dass sie nicht genug Luft kriegen, irgendeine Reaktion zeigen. Doch die vom plötzlichen Säuglingstod betroffenen Kinder haben eine gestörte Reaktion“, berichtet Kunde.

Die Kinder sind allerdings auch nicht wirklich krank, sagt Kunde: „Es ist zwar so, dass häufig banale Infekte wie Schnupfen festgestellt werden. Eine auslösende Ursache für den Tod sind diese jedoch nicht.“ Vorherige Warnzeichen, so Kunde, gibt es jedoch keine.

Raus mit Stofftieren und Nestchen

Jedoch gibt es Risikoumstände, die vermieden werden können: „Ende der 90er-Jahre gab es umfangreiche Studien, in denen die Umstände des plötzlichen Säuglingstodes analysiert wurden. Dabei hat sich rausgestellt, dass die Bauchlage des Kindes der wahrscheinlich größte Risikofaktor war. Dazu kamen Überwärmung, Überdeckung und viele Accessoires im Bett.“ Das Kind sollte beim Schlafen also auf dem Rücken liegen, nicht zu warm angezogen sein und in einem Bettchen ohne Kissen, Nestchen und Kuscheltiere liegen.

Die Mütter sollten zudem nicht rauchen und die Kinder nach der Geburt in rauchfreier Umgebung aufwachsen. Seit über all das in quasi jedem Geburtsvorbereitungskurs aufgeklärt wird, gibt es weitaus weniger Fälle von plötzliche Kindstod als noch vor wenigen Jahrzehnten. So stellt die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes seit 1998 einen Rückgang um 64 Prozent auf 215 Fälle im Jahr 2008 fest. Seitdem geht diese Kurve weiter nach unten: Im Jahr 2012 starben bundesweit 131 Säuglinge am plötzlichen Kindstod.

Anpusten statt Schütteln

Doch wie reagieren Eltern richtig, die ihr Kind leblos im Bettchen finden? „Versuchen Sie ihr Kind zu wecken, vielleicht indem Sie es streicheln oder etwas kneifen oder die Fußsohlen massieren. Oder Sie nehmen es auf den Arm und pusten es an.“ Heftiges Schütteln sollte jedoch - trotz Panik - unbedingt vermieden werden, denn dies kann ein lebensbedrohliches Schütteltrauma bei Kindern auslösen. Stirbt ein Kind an ungeklärter Ursache, wird in der Regel eine gerichtsmedizinische Obduktion veranlasst. „So kann zumindest Fremdverschulden immer sicher ausgeschlossen werden.“

Der plötzliche Kindstod ist übrigens kein Phänomen unserer Zeit. Laut Kunde gibt es historische Berichte, die zeigen, dass er schon bei den Griechen und bei den Römern ein bekanntes Phänomen war. „Wahrscheinlich hat es den plötzlichen Kindstod schon zu allen Zeiten der Menschheit gegeben.“


Die Diagnose „plötzlicher Kindstod“ ist eine Ausschlussdiagnose: Sie wird dann getroffen, wenn alle weiteren Todesursachen ausgeschlossen werden können. Er ist auch unter der aus dem Englischen hergeleiteten Abkürzung SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) bekannt.

Eine gute Nachricht ist, dass die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes seit 1998 einen Rückgang um 64 Prozent auf 215 Fälle im Jahr 2008 festgestellt hat. Seitdem geht diese Kurve weiter nach unten: Im Jahr 2012 starben bundesweit 131 Säuglinge am plötzlichen Kindstod.

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