Notar empfiehlt Vermögensverzeichnis Richtig vorsorgen gegen Finanzkämpfe nach Scheidung

Mit einem Ehevertrag kann man nach einer Scheidung Streit ums Geld vermeiden. Foto: ImagoMit einem Ehevertrag kann man nach einer Scheidung Streit ums Geld vermeiden. Foto: Imago

Schondorf. Meins oder deins? Bei einer Scheidung löst die Aufteilung des Vermögens oft erbitterte Kämpfe zwischen einst Verliebten aus. Wer sich einmal trennen muss, hat besser schon während der Ehe vorgesorgt.

Zugewinnausgleich: Geht es um die Vermögensaufteilung bei einer Scheidung, erzählt Notar Herbert Grziwotz aus Regen gerne einen Witz: „Was macht das Ehepaar in der Hochzeitsnacht? Ein Vermögensverzeichnis aufstellen!“ Klingt nicht sehr romantisch, ist aber entscheidend. Denn in der klassischen Zugewinngemeinschaft wird bei der Scheidung das aufgeteilt, was während der Ehe an gemeinsamem Vermögen entstanden ist.

Um diesen Zugewinn zu berechnen, muss man wissen, was jeder besaß, als er „Ja“ gesagt hat. Denn gemeinsames Endvermögen minus Anfangsvermögen der beiden Partner ergibt den Zugewinn, der unter den Partnern halbiert wird. „Heben Sie deshalb die Bankauszüge vom Tag der Eheschließung auf“, rät Grziwotz – und ein formloses Verzeichnis, von beiden unterschrieben, was jeder in die Ehe mitgebracht hat. Sonst gilt alles als Zugewinn. Die Aufteilung des Vermögens bei einer Scheidung birgt Streitpotenzial. „Ein rationaler Blick beim Thema Vermögen lohnt sich deshalb“, rät Grziwotz auch für intakte Ehejahre. Das sind typische Fallstricke:

Schenkung: Erhält einer der Eheleute während der Ehe eine Schenkung oder Erbschaft über 100000 Euro und investiert dieses Geld in den gemeinsamen Hausbau, überträgt er dem Ehepartner damit automatisch die Hälfte der Summe. Bei einer Scheidung kann man dies grundsätzlich nicht mehr rückgängig machen. Über den Zugewinnausgleich erhält der freigiebige Ehegatte nur die Hälfte der Zuwendung zurück, im Beispielfall also nur 25000 Euro, rechnet Grziwotz vor. „Das kann man nur über einen Ehevertrag vermeiden“– und damit muss man zum Notar.

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Erbschaft: Erbschaften während der Ehe fließen zwar nicht in den Zugewinnausgleich. Gewinnt aber eine geerbte Immobilie während der Ehe auch inflationsbereinigt an Wert, so steht die Hälfte des Wertzuwachses dem Partner zu. Wer eine andere Regelung wünscht, muss auch hier zum Notar gehen und Rückforderungsansprüche über einen individuellen Vertrag festlegen. Übrigens: „Vermögenserwerbe wie Lottogewinne, Schmerzensgelder, Abfindungen aus Arbeitsverträgen und Ähnliches fallen vollständig dem Zugewinnausgleich zu“, betont Grziwotz.

Haushaltsgegenstände: Möglicherweise hat die Ehefrau sämtliche Haushaltsgegenstände in die Ehe eingebracht: die gesamten Elektrogeräte der Einbauküche, Waschmaschine und den Staubsauger. Während der Ehe gehen die Geräte kaputt und werden durch neue Geräte ersetzt. Damit gehören die neuen Geräte automatisch beiden Eheleuten gleichermaßen. „Es sei denn, aus dem Kaufvertrag geht eindeutig hervor, dass das Gerät nur der Ehefrau alleine gehört“, so Grziwotz. Das muss man wissen. Wer im Trennungsfall auf den Rosenkrieg um die Spülmaschine verzichten möchte, muss auf exakte Eigentumsverhältnisse während der Ehe achten.

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Schulden: Trotz Scheidung bleiben gemeinsame Schulden bestehen – so auch die Haftung für den Bankkredit: Überträgt einer der Ehepartner dem anderen die gemeinsame Immobilie, die noch über einen Kredit abbezahlt wird, bleibt er gegenüber der Bank trotzdem in der Schuldhaftung, warnt Grziwotz. „Er bleibt immer noch Mitschuldner.“ Das wird dann zum Problem, wenn er selbst einen neuen Kredit aufnehmen möchte. „Den wird er nicht bekommen, nicht mal einen Überziehungskredit.“ Wichtig ist deshalb bei einer Scheidung, aus der Schuldhaft auch im Verhältnis zum Kreditinstitut entlassen zu werden. Ein bisschen gegenseitige Zuneigung hilft da beim Verhandeln.

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