Kerzenbild ein mieser Trick? Kettenbrief bei WhatsApp könnte Abmahnung nach sich ziehen

Von Waltraud Messmann

Kettenbrief- Alarm bei WhatsApp. Foto:dpaKettenbrief- Alarm bei WhatsApp. Foto:dpa

Osnabrück. Kaum hat sich die Aufregung über die neuen blauen Häkchen bei WhatsApp ein wenig gelegt,empört ein mysteriöser Kettenbrief die Nutzer. Um angeblich krebskranken Menschen zu helfen, sollen sie ihr Profilbild bei WhatsApp ändern und stattdessen das Bild einer brennenden Kerzen verwenden. Doch das ist möglicherweise nur ein mieser Trick, um die Nutzer zu einer Urheberrechtsverletzung zu verleiten.

Die Botschaft, die derzeit bei dem Messenger- Dienst kursiert, besteht aus einem Bild, das eine brennende Kerze zeigt, und folgender Nachricht: „Bitte ersetze dein Profilbild durch diese Kerze der Hoffnung für 24 Std. Lass uns ein Zeichen aus Solidarität der krebskranken Menschen setzen. Nimm dir nur eine Minute Zeit & danke Gott dass du Gesund bist! Schicke die Kerzen an alle deine Freunde weiter, von denen du denkst, sie haben ein Herz. Morgen sehen wir, wie viele Kerzen wir anzünden konnten…“. Das berichtet der Kölner It-Rechtsexperte Christian Solmecke.

Er warnt die Nutzer dringend zur Vorsicht: „Wer dieser Aufforderung nachkommt und das Kerzenbild als Profilbild nutzt, setzt sich der Gefahr einer Abmahnung aus, denn das Bild ist urheberrechtlich geschützt!“

Es kursierten Gerüchte nach denen der Absender des Kettenbriefs das geschützte Bild absichtlich versendet habe, um hinterher über eine bildrechtliche Abmahnung von unzähligen WhatsApp Nutzern hohe Schadensersatzforderungen geltend zu machen, erläutert Solmecke. Er fügt aber hinzu, dass noch nicht abschließend geklärt sei, ob dieses Gerücht der Wahrheit entspreche. „Fest steht aber, dass jedes Bild urheberrechtlich geschützt ist und die Gefahr einer Abmahnung bei der Nutzung eines fremden Bildes grundsätzlich besteht“, betont der Experte.

Für den Fall, dassdie Gerüchte stimmten, seien später vom Absender des Kettenbriefs verschickte Abmahnungen „ aber unter jedem Gesichtspunkt rechtsmissbräuchlich“, meint Solmecke. „Wer als Urheber ein Bild in Kettenbriefen zum Weiterverbreiten verschickt, erteilt dadurch eine Lizenz für die Nutzung des Bildes zum beschriebenen Zweck.“

Sollte der ursprüngliche Absender des Kettenbriefs das Bild selbst urheberrechtswidrig genutzt haben, habe der eigentliche Urheber jedoch das Recht die rechtswidrige Nutzung seines Bildes abzumahnen, betont der Experte. Allerdings sei zweifelhaft, ob durch das Einsetzen des Kerzenbildes als Profilbild überhaupt eine öffentliche Zugänglichmachung im Sinne des Urheberrechts bestehe. Schließlich sei das Profilbild bei WhatsApp nur für diejenigen sichtbar, die die entsprechende Mobilfunknummer kennen.

Nach Ansicht von Solmecke kommt es für eine Bewertung des Falles auf die Größe dieses Personenkreises an. „Auch beim Teilen eines Bildes auf Facebook kann ab einem großen Freundeskreis von einer öffentlichen Zugänglichmachung ausgegangen werden“, betont der Jurist.