Wer hat den Kick raus? FIFA 15 und Pro Evolution Soccer auf der PS4 im Vergleich

Von Sebastian Philipp


Osnabrück. Es ist das ewig junge Duell zweier prominenter Kontrahenten: Nach einem Jahr Pause schickt Konami sein Pro Evolution Soccer 15 gegen den scheinbar übermächtigen Gegner FIFA 15 von EA Sports auf den virtuellen Fußballplatz für die Playstation 4. Wer gewinnt das Duell im Konsolenfußball? Wir haben den Test gemacht.

Symbolik: Das erste Tor im Duell der Kontrahenten schießt eindeutig Konami. Kein Geringerer als WM-Held Mario Götze prangt in dynamischer Pose von der Plastikhülle. Bei EA soll es dagegen wieder einmal Lionel Messi richten. Götze gegen Messi, Deutschland gegen Argentinien, das Finale der Weltmeisterschaft am 13. Juli 2014: keine Frage, zieht man die Symbolik des Titelcovers in die Bewertung, dann legt Pro Evolution Soccer vor.

1:0 für PES

Umfang: Das ganz große Besteck holt EA auch in diesem Jahr wieder heraus. 35 Ligen, ein Turnier- und der beliebte Karrieremodus, dazu viele Möglichkeiten, sich seine Zeit online mit oder gegen andere Spieler zu vertreiben – über den Umfang der Spielmöglichkeiten kann sich wohl kaum ein EA-Nutzer beschweren.

Rein vom Umfang her kann PES nicht ganz mithalten, wobei auch hier sowohl klassische offline-Duelle als auch verschiedene online-Modi verfügbar sind. Doch gerade in den Details schlägt FIFA den Konkurrenten und nutzt, zum Beispiel beim „Match Day“ oder dem „Ultimate Team“, die Möglichkeiten der wieder einmal umfangreichen Originallizenzen aus. Eine Geschmacksfrage ist das Menu-Layout: Konami hat sich mit der Kacheloptik bei den Kollegen von EA etwas abgeschaut. Insgesamt sieht bei FIFA jedoch alles edler und durchdachter aus.

FIFA gleicht aus: 1:1

Weiterentwicklung: Wer seit Jahren treuer Nutzer der FIFA-Reihe ist, wird ein Lied von den meist eher in homöopathischen Dosen eingebrachten Weiterentwicklungen singen können. Als in der aktuellen Version angepriesene Neuerungen nennt EA vor allem „Next-Gen-Torhüter“, „Team-Tactics“ und eine verbesserte Spielerkontrolle. Doch wer genau hinschaut und die Vorgängerversionen kennt, merkt schnell, dass die Entwickler auch in diesem Jahr nach dem Grundsatz „Never change a winning team“ verfahren, was bei der Menuführung freilich für Kontinuität im positiven Sinne sorgt. Bei den angekündigten und auch umgesetzten Verbesserungen ist allein der grafische Detailreichtum und das punktuell realistischere Verhalten der Torhüter wirklich merkbar.

PES hat im Vergleich zum PS3-Vorgänger – die Serie verpasste im vergangenen Jahr den Sprung auf die Next-Gen-Konsolen – augenscheinlich Vieles auf Neuanfang gesetzt. Nach Ansicht vieler Gamer ist das auch schwer nötig, da das Spiel in den vorherigen Versionen nicht gerade frei von Bugs und anderen kleinen Ärgernissen war. Im Ergebnis haben die Entwickler bei Konami mehr Mut bewiesen als ihre Kollegen und das Spielerlebnis noch realistischer gemacht.

PES macht den größeren Schritt: 2:1

Lizenzen: Wenn es eine Kategorie gibt, in der sich einer der beiden Titel deutlich vom anderen absetzen kann, dann wohl in der Frage der eingekauften Originallizenzen. Während EA Sports wieder einmal den quasi Rundumschlag wagt – immerhin sind 35 Ligen mit rund 6000 Kickern enthalten – muss sich der PES-Spieler in dieser Kategorie in Verzicht üben. Lediglich drei deutsche Vereine – der FC Bayern, Bayer Leverkusen und Schalke 04 – sind mit Originallizenzen dabei. Darüber hinaus besitzt Konami unter anderem die Rechte für die Champions League – kurioserweise aber wiederum nicht für alle Mannschaften, Borussia Dortmund fehlt zum Beispiel. Ein Hoffnungsschimmer ist aber wie so oft im Internet zu finden: Dank ausgeprägter Modding-Kultur werden von Usern in mühevoller Kleinarbeit erstellte Spieler und Mannschaften sicher schon bald auf entsprechenden Communityseiten zum Download bereitstehen.

Konkurrent FIFA wartet mit einer Fülle von Originallizenzen auf. Die englische Premier League ist sogar mit allen Stadien dabei. Und bei den europäischen Top-Ligen findet sich zum Großteil der jeweilige Unterbau wieder, in Deutschland die Zweite Bundesliga. Zwischenzeitlich geisterten vor dem Release in der Gamer-Szene Gerüchte umher, in Zukunft sei auch die 3. Liga Bestandteil der Lizenz . Vor allem für Fans unterklassiger Vereine schade: die Gerüchte blieben selbige. Doppelt schade ist hierbei, dass die Entwickler zumindest für die Next-Gen-Konsolen wieder auf das bewährte Creation Centre verzichten, mit dem es in der Vergangenheit möglich war, eigene Mannschaften wie den VfL Osnabrück oder den SV Meppen in das Spiel einzubinden.

Überzahlspiel für FIFA, Ausgleich zum 2:2

Gameplay: Wer beide Spiele miteinander vergleicht, muss wissen, dass FIFA und PES im Grunde ganz unterschiedliche Spielertypen ansprechen. Zugespitzt: Für Liebhaber actionlastiger Fußballschlachten wird FIFA immer Tabellenführer bleiben. PES setzt dagegen ganz bewusst auf eine nuanciertere Steuerung. Im Gameplay-Vergleich ist PES daher ungleich schwerer zu spielen, ist aber dafür auch viel realistischer. Ein Beispiel: Auch nur halbwegs talentierte Nutzer können auch im Profimodus bei FIFA vom Anstoß hinweg durch die Reihen der Gegner marschieren und zum Torabschluss kommen – beim Konkurrenten undenkbar. Gerade für Neu- oder Wiedereinsteiger hält PES am Anfang sogar ein gewisses Maß an Frustrationspotenzial bereit. Hier gilt: Übung macht den Meister.

Ein enges Ding, doch am Ende ist PES besser: 3:2 in der Nachspielzeit.

Fazit: PES oder FIFA? Für beide Spiele gibt es ebenso viele gute Gründe dafür wie dagegen. Jeweils eingefleischte Fans werden auch angesichts der aktuellen Version nicht die Farben wechseln. Daher: Wer auf Action steht und ohne umfangreiche Originallizenzen nicht zocken will, findet seine sportliche Heimat sicher bei FIFA. Spieler mit Hang zu mehr Realismus und Atmosphäre bleiben auch im Jahr 2015 bei PES.

FIFA 15 ist bereits seit Wochen im Handel erhältlich, PES 2015 erscheint am 13. November. Getestet wurden beide Spiele auf der Playstation 4.