Bewegung im Bild NOZ-Fotoblog: Tipps für das perfekte Sportfoto

Von Michael Gründel


Osnabrück. Sport zu fotografieren ist eine besondere Herausforderung. Schach und ähnliche Sportarten, bei denen es eher darum geht die Gehirnmuckis zu beanspruchen, lassen wir in dieser kurzen Abhandlung, bei allem Respekt, außen vor. Denn was das Motiv „Sport“ von anderen unterscheidet, ist an erster Stelle das Tempo. Hier einige Tipps für gelungene Sportfotos.

Liebe Fotofreunde,

wer einmal versucht hat, umher rennende Kinder (das ist ja gewissermaßen auch eine sportliche Betätigung) auf einer Straße zu fotografieren, wird bemerkt haben: So einfach ist das nicht. Es sei denn, man hat die gesamte Umgebung gleich mit eingefangen. War das dann auch ein gutes Sportfoto? Wohl kaum.

Bei der Sportfotografie heißt es, vielleicht mehr als bei anderen Themen: Übung macht den Meister. Klar: Die Technik der Kamera muss beherrscht werden. Und: Den Actionfilm, der gerade vor einem abläuft sollte man schon einmal gesehen haben. Zumindest aber ähnliche. Ballsportarten haben zum Beispiel immer eine Parallele im Drehbuch: Den Ball. Und dieser sollte mit aufs Bild.

Das Wichtigste beim Fotografieren ist das Erkennen von Situationen, die ein gutes Foto ergeben könnten. Und zwar am besten schon einen Bruchteil vorher. Wenn ein Ball mit 80 km/h ins Bild fliegt, ist er genau so schnell auch wieder draußen. Emotionen sind mindestens genauso wichtig wie Action-Sequenzen. Die Enttäuschung des Verlierers nach Spielende ist oft aussagekräftiger als eine Szene während der Spielzeit.

Das Equipment:

„Entscheidend ist nicht die Kamera, sondern das Auge dahinter“. Dieser Spruch gilt bei der Sportfotografie nicht ganz. Zwei Beispiele: Ein Fußballfeld ist 120 Meter lang und 90 Meter breit. Blöd, wenn ich mit meinem Weitwinkelobjektiv an der Seitenlinie stehe, die knochenbrechenden Zweikämpfe und schädelklatschenden Kopfballduelle sich aber zehn oder gar fünfzig Meter entfernt abspielen. Ein Teleobjektiv mit 200mm Brennweite erlaubt es einem tiefer aufs Spielfeld zu blicken. Gerät aber bei besagtem Fußballfeld auch schon an seine Grenzen. Wir von der NOZ fotografieren hin und wieder mit einem 400mm Objektiv. Das Teil ist allerdings so klobig, dass man auf ein Einbein-Stativ angewiesen ist. Situationen in fünf Meter Entfernung sind dann außerdem schon meistens zu nah. Man kann nicht alles haben – oder man hat eine zweite Kamera mit kurzer Brennweite im Anschlag.

Bei sich schnell bewegenden Motiven ist es von Vorteil, wenn die Kamera das Tempo „mitgehen“ kann. Das Betätigen des Auslösers sollte sofort das Belichten des Sensors hervorrufen (Man erinnere sich an den Ball, der durchs Bild fliegt) - Stichwort Auslöseverzögerung. Spiegelreflexkameras sind hier spitze. Bridgekameras, die sich zwar mit langer Brennweite für weit entfernte Szenen eignen würden, lösen leider viel zu verzögert aus. Eine Profi-Spiegelreflex kann nicht nur direkt auslösen, sie kann es auch oft. Bis zu 12 Bilder pro Sekunde ohne Qualitätsverlust (die Auflösung des Sensors wird voll genutzt) schafft eine Canon EOS 1-D X. Damit kann man auch mal drauf los feuern und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, den richtigen Moment erwischt zu haben. Bei der daraus entstehenden Masse an Fotos rät es sich freilich in JPEG zu fotografieren um die Datenmenge gering zu halten.

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Einstellungen:

Die Belichtungszeit ist die wichtigste Einstellung. In den meisten Fällen ist aufgrund schneller Bewegungen eine sehr kurze Belichtungszeit erforderlich. Mit einer 1/500 Sekunde lassen sich die meisten Bewegungen einfrieren. Reicht das noch nicht aus, verkürzt man eben die Verschlusszeit bis Skifahrer oder Tennisball ohne Bewegungsunschärfe abgebildet werden. Das Einstellen der Blende kann die Kamera automatisch vornehmen. Fotografiert man mit offener Blende (Blendenzahl 2.8 zum Beispiel) ergibt sich ein geringer Schärferaum, der bewirkt, dass die Protagonisten freigestellt werden und sich von Vorder- und Hintergrund schön abheben. Allerdings besteht natürlich die Gefahr, dass sich das Motiv schnell aus dem fokussierten Bereich heraus bewegt. Um dies zu vermeiden, kann man entweder abblenden, dann ist der scharfgestellte Bereich schlicht nach vorne und hinten erweitert, oder man behilft sich mittels ständiger Fokussierung. Bei vielen Kameras lässt sich der Autofokus so einstellen, dass beim Antippen des Auslösers, also Scharfstellen, ständig fokussiert wird. Der Sprinter, der in Richtung des Fotografen rennt, wird so kontinuierlich fokussiert. Diese Einstellung heißt meistens „AF-C“ oder „AF-Servo“. Moderne Kameras besitzen spezielle Autofokus-Sportmodi bei dem die sich bewegenden Objekte quasi gespeichert werden.

Besonderheiten:

Hallensport: Es gibt gut und weniger gut ausgeleuchtete Sporthallen. In jedem Fall hat man in der Halle weniger Licht als am hellen Tag draußen. Da man nicht auf die kurze Belichtungszeit verzichten möchte, muss man sich mit erhöhter ISO-Zahl (ISO 3200 zum Beispiel) und einem lichtstarken Objektiv behelfen.

Standort beim Fußball:

Hat man die Möglichkeit, sich rund um das gesamte Spielfeld zu bewegen muss man sich überlegen, an welcher Stelle man die besten Szenen einfangen kann. Von der Mitte aus kann man sich nach links und rechts drehen, hat allerdings die Tore sehr weit entfernt. Dafür kann man auf Kopfballduelle nach Torabschlag hoffen. Will man eine Mannschaft etwas herausheben, fängt man deren Offensivbemühungen ein. Dazu positioniert man sich eher auf der Seite des anderen Teams. In einer Spielszene darf der Ball im Bild nicht fehlen und sollte möglichst dicht am Spieler sein.

In der Bildergalerie finden Sie Beispielfotos, anhand derer sich weitere Besonderheiten erklären lassen.

Gut Licht!

Michael Gründel

Weitere Tipps zur Fotografie finden Sie im NOZ-Fotoblog unter  www.noz.de/fotografieren