Martinsumzüge 2014 Warum wird St. Martin eigentlich gefeiert?

Von Hermann Schnitzler


Osnabrück. Auch in diesem Jahr finden rund um den Martinstag am 11. November bei uns in der Region wieder zahlreiche Martinsumzüge statt. Doch die Martinsumzüge erfreuen sich nicht nur in Osnabrück und dem Emsland einer großen Tradition. Was feiern wir da überhaupt?

In weiten Teilen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und auch in Oberschlesien und Südtirol sind sie zum 11. November üblich: Martinsumzüge. Kinder ziehen mit selbst gebastelten Laternen zum Gedenken an Sankt Martin durch die Straßen und singen Martinslieder. Begleitet werden sie dabei in der Regel von einem Reiter auf einem Pferd. Die größten Martinsumzüge in Deutschland gibt es mit über 4000 Teilnehmern in Kempen am Niederrhein und in Bocholt. Doch auch in der Osnabrücker Region sind Martinszüge beliebt.

Gedenken an den heiligen Martin von Tours

Martin von Tours war der dritte Bischof von Tours und hat im 4. Jahrhundert nach Christus gelebt. Als einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche wird er unter anderem auch in der evangelischen und orthodoxen Kirche verehrt. Daher gibt es heutzutage auch ökumenische Martinsumzüge.

Der Legende nach begegnete der Soldat Martinus eines Tages am Stadttor von Amiens einem unbekleideten Bettler. Außer ein paar Waffen und seinem Mantel trug er jedoch nichts bei sich. Er teilte den Mantel mit seinem Schwert und gab dem Bettler eine Hälfte. In der darauffolgenden Nacht soll ihm im Traum Jesus Christus erschienen sein, bekleidet mit seinem Mantel. Dies soll zur Entscheidung geführt haben, den Militärdienst aufzugeben.

Er ließ sich taufen und wurde einige Jahre später - gegen seinen Willen - zum Bischof geweiht. Nach seinem Tod wurde der Leichnam von Martin von Tours am 11. November 397 in einer Lichterprozession mit einem Boot nach Tours gebracht. Diese Prozession wird heute mit dem „Martinsumzug“ oder „Martinszug“ zelebriert.

Lieder und Gänse

Vor oder nach dem Umzug findet das sogenannte Martinsspiel statt . Dabei wird die Szene der Mantelteilung nachgestellt. In einigen lutherisch geprägten Gemeinden Ostfrieslands findet am Tag vor dem Martinstag das „Martinisingen“ statt. Dazu gibt es häufig auch einen Laternenumzug. Gesungen werden, ähnlich wie beim im Rheinland verbreiteten Martinssingen einen Tag später, Lieder wie beispielsweise „Ich gehe mit meiner Laterne“ oder „Laterne, Laterne“. Diese Lieder werden auch während des Umzugs gesungen.

Die Martinsumzüge 2014 in Osnabrück auf einen Blick

In einigen Regionen wird am Tag des Umzugs auch eine Martinsgans verspeist. Woher der Brauch kommt, ist allerdings nicht gesichert. In Westfalen werden gelegentlich Stutenkerle verteilt, die sich jedoch auf Nikolaus von Myra beziehen.

Vom Martins- zum Lichterfest

In den letzten Jahren gab es auch vermehrt Kritik am herkömmlichen Martinsfest. Rüdiger Sagel, Landesvorsitzender der Partei „Die Linke“ in Nordrhein-Westfalen, forderte die Umbenennung des Martinsfestes in „Sonne, Mond und Sterne-Fest“, um auch nicht-christlichen Kindern einen Zugang zu gewähren. In einigen Dörfern und Gemeinden wurde der Umzug mittlerweile in „Laternenumzug“ oder „Lichterfest“ umbenannt. Auch wenn dies meist nur aus rein praktischen Gründen geschehen ist, waren Verfechter der Tradition eines rein christlichen Festes darüber alles andere als glücklich.