Wer sein Profil kennt, kommt weiter Wie bewerbe ich mich richtig?

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Wer sein Profil kennt, kommt weiter. Foto: dpaWer sein Profil kennt, kommt weiter. Foto: dpa

Osnabrück. Der Schritt in einen neuen Job ist oft riesengroß. Und davor steht die Bewerbung. Wie schafft man es, von einem Durchschnittskandidaten zu einem Bewerber zu werden, den das Unternehmen unbedingt haben möchte? „Gar nicht“, sagt der Osnabrücker Personalberater Ulrich Thoben. Doch das sei auch nicht das Wichtigste.

Es komme vielmehr darauf an, was das Unternehmen wolle: den besten Kandidaten oder den am besten geeigneten? „Wenn ich einen Topkandidaten brauche, hat ein Durchschnittskandidat keine Chance. Wenn ich aber den am besten geeigneten suche und der Durchschnittskandidat rüberbringt, was gesucht wird, ist er am erfolgversprechendsten“, erklärt Thoben.

Was bringt man mit?

Genau hier aber liege das Problem vieler Jobsuchender: Es gelingt ihnen nicht zu vermitteln, was sie mitbringen. Genau das aber müssen sie schaffen – sowohl bei der schriftlichen Bewerbung als auch im Vorstellungsgespräch.

Das hat auch Sabine Najib, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Osnabrück , schon häufig erlebt. „Die meisten wissen nicht, was ihr Profil ist. Dann wird die Bewerbung nur durchschnittlich.“ Wenn sich jemand auf eine Stelle bewirbt, auf die er passt, sei er der Top-Kandidat.

Formen einhalten

Die Bewerbung gilt als Eintrittskarte zum Gespräch und sollte bestimmten Formanforderungen genügen, wie Thoben betont. DIN-Vorgaben beispielsweise bei der Breite der Ränder müsse man dazu aber nicht kennen. Stattdessen sollte ein einheitliches Erscheinungsbild im Vordergrund stehen. „Das macht eine Menge aus.“ Auch eine gewisse Struktur muss sein. Die sieht laut Thoben so aus: Das Anschreiben hat maximal eine Seite, der Lebenslauf maximal zwei Seiten. Dazu sollten die wichtigsten Zeugnisse geheftet werden. Außerdem empfiehlt Thoben Bewerbern, ein Deckblatt mit Foto und den persönlichen Daten in die Bewerbung zu legen. So könne Platz im Lebenslauf gespart werden. Ob die Mappe per Post oder über das Internet auf den Weg gebracht wird, sollte der Bewerber vom Wunsch des Arbeitgebers abhängig machen. Auf das Aussehen wirke sich das nicht aus.

Authentizität wichtig

Überhaupt: Bloß nicht die Wünsche unterschätzen, die das Unternehmen in der Stellenbeschreibung an die Kandidaten stellt. Denn „je größer die Schnittmenge zwischen der ausgeschriebenen Position und dem Kandidaten ist, umso erfolgversprechender ist die Bewerbung“, sagt Thoben. Allerdings schere das viele Leute nicht, und sie schickten ihre Bewerbung, auch wenn das Profil nicht passe.

Die Anforderungen sollten in der Bewerbung zu finden sein – aber nicht wortwörtlich aufgeschrieben. Und was in der Bewerbung steht, muss sich später auch mit dem decken, was der Kandidat im Vorstellungsgespräch sagt. Authentizität sei das Stichwort, so Thoben. Wer die nicht rüberbringe, für den sei spätestens das Gespräch die Endstation.

Stärken beschreiben, nicht übertreiben

Neben fachlichen Kompetenzen müssen unbedingt auch persönliche und überfachliche Kompetenzen in der Bewerbung stehen. Beim Benennen der Stärken sollte man das Sprichwort „Eigenlob stinkt“ beherzigen – und beschreibend bleiben. Defizite können derweil mit geschickten Formulierungen gut dargestellt werden: Wer Englisch studiert hat, die Sprache aber lange nicht gesprochen hat, sollte von „guten, ausbaufähigen Kenntnissen“ sprechen.

Sabine Najib hat festgestellt, dass Bewerber häufig ihr Licht unter den Scheffel stellen. Andere erwähnen alles, was sie für erwähnenswert halten – beides keine guten Ansätze. Ebenso kontraproduktiv: „Null-Aussagen“, sagt Najib. Die passieren, wenn Floskeln aus Bewerbungsvorlagen benutzt würden, die nicht mit Beispielen untermauert werden. Die Leere dahinter entdeckten Personalleiter spätestens im Vorstellungsgespräch, so Najib.

Im Lebenslauf sollten die Tätigkeiten rückwärts aufgeführt, die letzte als erste genannt werden. „Firmen interessiert am meisten, was derjenige jetzt macht“, erklärt Thoben. Auch Erfolge und Projekte sollten aufgeschrieben werden, Hobbys und Interessen nur, wenn es um eine Bewerbung für einen Ausbildungsplatz geht, nicht bei höheren Stellen.

Was brauche ich für den Job?

Danach sollten Schwerpunkte gesetzt werden.

Auch für das Vorstellungsgespräch hat der Personalberater Tipps parat. Wie früher gilt auch heute noch: pünktlich sein. Doch auch wer mehr als zehn Minuten zu früh kommt, gilt als unpünktlich. Wichtig sei, sich seine Stärken bewusst zu machen und diese anhand von Beispielen erklären zu können – das Gleiche gilt für Schwächen. „Jeder Mensch hat Schwächen.“ Wird man danach gefragt, sollte man sie nennen. Das zeige, wie selbstkritisch man ist. Positiv werden Schwächen, wenn der Bewerber erklärt, wie er an ihnen arbeitet.

Stärken ließen sich im Vorstellungsgespräch auch einbinden, wenn man seinen beruflichen Werdegang beschreiben soll. Dabei sollte man bei einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit anfangen und beim Jetzt enden. So bleibe die Erzählung spannend. Auch einzelne Aufgaben könnten dabei beschrieben werden. Die eigene Entwicklung sollte dabei erkennbar sein. Falsch wäre es, einfach alle Fähigkeiten aneinander zu reihen. „Das wirkt oft hölzern und teilweise unglaubwürdig. Besser ist es, nur wenige zu nennen, da aber ganz konkret benennen, woran man sie festmacht“, erklärt Najib.

Persönlichkeit herausstellen

Wer sich nicht für einen künstlerischen oder grafischen Beruf bewirbt, dem rät Thoben davon ab, die Bewerbung zu flippig und ausgefallen zu gestalten. Die Abweichung von der Norm werde im Normalfall eher negativ gesehen. Wer sich aus der Masse abheben möchte, der sollte sich lieber selbst darstellen. „Es gibt keinen Zweiten, der die Persönlichkeit hat“, so Thoben. Auch Najib weiß: „Eine Bewerbung wird außergewöhnlich, wenn man ein Profil von sich präsentiert.

Es gibt vieles, das ein Bewerber mitbringen muss. Angst vor einem Vorstellungsgespräch gehöre nicht dazu, sagt die Karriereberaterin Angelika Mayer von PM Consult in Osnabrück. Ihr Tipp: „Man muss sich die Marktlage klarmachen. Im Moment haben Bewerber gute Chancen, Fachkräfte werden gesucht.“ Deshalb müsse sich nicht nur der Bewerber beim Unternehmen bewerben, sondern auch umgekehrt. „Am besten ist es, wenn man versucht, sich vorzustellen, dass man den Job gerne hätte, es aber nichts mit einem selbst zu tun hat, wenn man ihn nicht bekommt“, empfiehlt die Osnabrücker Beraterin Michaela Thrun, Expertin für sogenannte Soft Skills. Nervosität gehört wohl dennoch dazu. Die müsse nicht zwingend negativ sein. Solange man nervös ist, „hinterfragt man sich und ist viel aufmerksamer. Ein bisschen Nervosität kann auch charmant rüberkommen“, so Thrun.

Gute Vorbereitung ist das A und O

Wichtig sei es, sich intensiv auf das Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Wer sich mit den Anforderungen und seinen Fähigkeiten befasst, kann mit einer passenden Erwartungshaltung in das Gespräch gehen. „Man kann dann ruhig überzeugt davon sein, der Richtige für den Job zu sein, und das auch zeigen“, erklärt Karriereberaterin Angelika Mayer. Sie warnt aber auch davor, sich zu sehr unter Druck zu setzen. Wer zu hohe Erwartungen habe, für den sei eine mögliche Enttäuschung größer. Selbstzweifel sollten aus den Gedanken vertrieben werden, so Thrun.


Dieser Beitrag ist im Hochschulmagazin „Quo Vadis?“ der NOZ Medien erschienen. Mit interessanten Tipps und Informationen zum Berufseinstieg und vielen weiteren spannenden Themen gibt es eine Orientierung für die Zeit während und nach dem Studium.

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