Mehrheit der Bewerber schickt Unterlagen digital Richtig bewerben: Die alte Mappe hat ausgedient

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Die alte Mappe hat ausgedient. Foto: dpaDie alte Mappe hat ausgedient. Foto: dpa

Osnabrück. Die Bewerbungsmappe hat ausgedient. In größeren Unternehmen gehen kaum noch Unterlagen in Papierform ein. Intern bietet die digitale Version deutliche Vorteile – und Bewerber sparen sich die Kosten für Mappe und Versand. Anders sieht es in kleineren Betrieben etwa im Handwerk aus.

Der Stapel an Bewerbungsmappen im Büro von Klaus Grünkemeier ist klein geworden. Nicht etwa, weil es weniger Bewerber gibt. Vier von fünf Mappen erreichen den Personalleiter des Steckverbindungsspezialisten Harting aus Espelkamp mitterweile per E-Mail. „Die Masse kommt elektronisch“, sagt er. Etwa 3800 Mitarbeiter zählt die Technologiegruppe, Tendenz stark steigend. Da sei die elektronische Bewerbung eine deutliche Erleichterung für die internen Abläufe. Die Unterlagen ließen sich einfacher an alle Beteiligten verteilen.

Bei den Großen der Region geht kaum noch eine Bewerbung per Brief ein. Auch beim Osnabrücker Dienstleister Piepenbrock . Dort landen am Tag noch zwei bis drei Stück in der Poststelle. Meist Initiativbewerbungen, die besonders repräsentativ erscheinen sollen. Dieser Aufwand ist aber vergebens, sagt Claudia Schopf, Leiterin der Personalentwicklung – bei Unternehmen wie Piepenbrock wird das Papier digitalisiert und genauso behandelt, eine Bewerbung per E-Mail.

Online-Bewerbungen kommen

Das digitale Postfach ist bei beiden Unternehmen täglich gut gefüllt. Bis zu 60 digitale Mappen erreichen Piepenbrock im Bereich des kaufmännischen Personals. Bei Harting sind 2008 die ersten digitalen Unterlagen eingegangen. Anfangs lief es schleppend, erzählt Personalchef Grünkemeier. „Vor zwei Jahren ist das Verhältnis hin zur digitalen Bewerbung gekippt.“

Anders ist die Situation bei kleineren Unternehmen. „Das Handwerk setzt eher auf den konservativen Weg“, sagt Andreas Lehr, Sprecher der Handwerkskammer Osnabrück -Emsland. Der überwiegende Teil bevorzuge eine schriftliche Bewerbungsmappe – auch wenn die digitale Variante hier ebenfalls im Kommen sei. „Der Trend wird sich im Handwerk verstärken.“ Mit dem zunehmenden Mangel an Bewerbern um Ausbildungsplätze werde Interessen der jüngeren Generation nachgekommen. Zum Wandel trügen ebenso junge und innovative Chefs bei, die Wert auf Online-Präsenz legten.

Die Jungen trauen sich nicht

Bei den jungen Bewerbern beobachten die Personalchefs der großen Unternehmen allerdings eine für sie skurrile Situation. Der online-affine Nachwuchs gibt die erste Bewerbung in aller Regel auf Papier ab. „Die Eltern kennen es oft nicht anders, und in der Schule geht es oft noch um das Erstellen einer richtigen Mappe“, sagt Piepenbrock-Managerin Schopf. Bei Harting bewerben sich noch 60 bis 70 Prozent der Jugendlichen mit Papier. „Das wundert uns auch ein wenig“, sagt Ausbildungsleiter Nico Gottlieb. „Intern arbeiten wir ausschließlich papierlos.“

Dabei kommt die Onlinebewerbung gerade jungen Bewerbern entgegen. Ausgaben für Mappen, Abzüge der Porträtfotos, Ausdrucke der Unterlagen – das sind alles Kosten, die in der digitalen Variante entfallen. Der Wandel setze bei den Berufsanfängern erst langsam ein. Jahrgang für Jahrgang steige der Anteil an digitalen Bewerbungen. Je höher der Bildungsabschluss, um so eher werde auf eine digitale Bewerbung gesetzt, sagt Gottlieb. „Beim dualen Studium ist online das Mittel der Wahl.“Wie eine Bewerbung heute auszusehen hat, der Osnabrücker gibt Dienstleister Piepenbrock erst Lehrern bei Seminaren mit auf den Weg. „Da geben wir den Hinweis, vermehrt das Onlineportal zu nutzen“, sagt Claudia Schopf. Sie erwartet, dass im Sommer bei Bewerbungen für Ausbildungsplätze der Trend zur digitalen Bewerbung ausschlägt.

Das bestätigt Werner Best, Leiter der Piepenbrock-Akademie. „Ich glaube nicht, dass in zehn Jahren noch irgendjemand Papier braucht, um sich zu bewerben“, sagt er – dann habe die Bewerbungsmappe endgültig ausgedient.


Dieser Beitrag ist im Hochschulmagazin „Quo Vadis?“ der NOZ Medien erschienen. Mit interessanten Tipps und Informationen zum Berufseinstieg und vielen weiteren spannenden Themen gibt es eine Orientierung für die Zeit während und nach dem Studium.

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