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GDL-Streik Alternativen zur Bahn: Fernbus, Mitfahrgelegenheit und Co.

Von Christian Lang

Eine beliebte Ausweichmöglichkeit: Nach Bekanntwerden des Streiks sind die Buchungen für Fernbusse rapide gestiegen. Foto: dpaEine beliebte Ausweichmöglichkeit: Nach Bekanntwerden des Streiks sind die Buchungen für Fernbusse rapide gestiegen. Foto: dpa

Osnabrück. Die Lokführergewerkschaft GDL hat zum Streik aufgerufen: Ganze vier Tage lang soll der Personenverkehr ab Donnerstag stillstehen. Doch für Bahnreisende besteht kein Grund, wegen des Streiks vorzeitig in Panik zu geraten. Es gibt genügend Alternativen, mit denen man auch in den kommenden Tagen an sein Ziel kommen kann.

Züge

Vom Streik der GDL sind ausschließlich Züge der Deutschen Bahn betroffen. Mittlerweile haben sich aber auch noch andere Zuganbieter in der Branche etabliert, die in den kommenden Tagen eine ernsthafte Alternative darstellen können. In Nordwest-Niedersachsen fahren auf vielen Strecken auch außerhalb der Streikzeit keine Züge der Deutschen Bahn, sie werden stattdessen von privaten Konkurrenten des Marktführers befahren. Bei der Nordwestbahn (unter anderem Osnabrück-Oldenburg, Osnabrück-Vechta-Bremen, Osnabrück-Halle-Bielefeld), der Westfalenbahn (Osnabrück-Münster, Bielefeld-Osnabrück-Bad Bentheim) und dem Metronom (Bremen-Hamburg) werden die Räder nicht stillstehen. Auch die Züge der Hamburg-Köln-Express GmbH (HKX) werden nicht bestreikt, wie deren Geschäftsführer Carsten Carstensen am Dienstag betonte.

Fernbusse

Die Fernbusse könnten der große Gewinner des Streiks werden. Bereits kurz nach Ankündigung des viertägigen Ausstandes der Lokführer sind die Buchungen explosionsartig in die Höhe geschnellt. „Wir haben binnen weniger als einer Stunde fünf Mal mehr Zugriffe auf unserer Buchungsseite verzeichnet als sonst üblich“, sagte ein Sprecher von Meinfernbus.de am Dienstag. Zu den 308 regulären Omnibussen von Meinfernbus.de sollen mindestens 50 weitere Fahrzeuge eingesetzt werden. Pro Streiktag sollen Buchungen um das Vierfache des sonstigen Wertes ansteigen. „Wir gehen davon aus, dass die Busse voll sein werden“, betonte der Sprecher. Beim letzten Streik der Gewerkschaft der Lokomotivführer im Oktober seien 100 Fahrten zusätzlich ins Programm genommen worden. 37 Ziele werden beispielsweise von Osnabrück aus angefahren, darunter auch grenzüberschreitende Städte wie Zürich. Die neuste Linie bringt die Fahrgäste nach Amsterdam. Auch der Anbieter FlixBus bietet Fahrten bis/ab Osnabrück an. Wer in den kommenden Tagen unter anderem nach München, Düsseldorf oder Hannover reisen und dies eigentlich per Bahn machen wollte, kann damit auch die Alternative FlixBus wählen.

Auch der ADAC-Postbus erwartet einen Anstieg der Buchungen um 50 Prozent. Zusätzlich zur Postbus-Flotte von 60 Omnibussen werde das Unternehmen alle verfügbaren Ersatzfahrzeuge zum Einsatz bringen, um den Bahnkunden eine Alternative zu bieten, heißt es von Seite des Unternehmens.

Nachteile der Fernbusse: Während von Osnabrück aus mittlerweile viele Ziele angefahren werden, ist erstens das Fernbusnetz im Emsland noch nicht wirklich gut ausgebaut. In den größeren Städten wie Meppen, Lingen und Papenburg sind Fernbusse bislang noch Fehlanzeige. Zweitens richtet sich der Preis für die Fahrten nach der Nachfrage. Steigen viele Menschen auf die Fernbusse um – wie nun während des Streiks – werden die Fahrten automatisch teurer.

Mitfahrgelegenheiten

Leider sieht die Situation für das Emsland bei Mitfahrgelegenheiten nicht viel rosiger aus. Für die Strecken Meppen-Hamburg und Lingen-Hamburg beispielsweise wird für das Wochenende beim Branchenführer mitfahrgelegenheit.de bislang nur jeweils eine Fahrt angeboten (Stand Mittwochvormittag). Allerdings wird die Zahl der Fahrten vermutlich noch steigen; viele Menschen werden statt der Bahn auf ihre Autos zurückgreifen. Um einen Teil des Benzingelds wieder zurück zu erhalten, bietet es sich an, eine Mitfahrgelegenheit anzubieten. Während des letzten Lokführerstreiks hat sich die Zahl der Nutzer glatt verdoppelt. Mitfahrgelegenheit.de , blablacar.de , mitfahrzentrale.de , bessermitfahren.de – die Zahl der Anbieter hat sich in den vergangenen Jahren stetig vergrößert. Vor allem ab Osnabrück ist deshalb die Chance recht groß, eine passende Mitfahrgelegenheit zu finden. Auf der Webseite http://www.fahrtfinder.net/ gibt es einen Überblick darüber, welche Fahrten auf den verschiedenen Portalen angeboten werden.

Mietautos

Bei Mietwagen heißt es: Schnelligkeit siegt. Viele Anbieter werden seit Ankündigung des Streiks förmlich überrannt von Anfragen – so auch bei Europcar in Osnabrück . Seit Dienstagvormittag läuft dort das Telefon heiß, viele Wagen sind bereits „ausverkauft“. „Wir geben unser Bestes, aber bald wird sicherlich hier alles vermietet sein. Dann müssen wir ‚Stopp‘ sagen“, so eine Mitarbeiterin von Europcar. Für die gesamten vier Tage des Streiks planen wohl nur die wenigsten Mieter; die meisten ergattern sich für zwei Tage ein Auto. Obwohl der Ansturm sicherlich gut fürs Geschäft ist, wird der Bahnstreik nicht begrüßt. „Man kann einfach nicht gut planen. Vor allem die Rückgabe der Autos verläuft dann eher unkoordiniert“, sagt die Mitarbeiterin weiter. In Lingen bei Hertz halten sich die Anfragen wegen des Bahnstreiks noch in Grenzen; wegen der Businesswochen sei der Vorrat an Mietwagen aber generell schon sehr knapp, sagt ein Mitarbeiter. „Es ist sehr schwer, eine Prognose abzugeben. Noch haben wir Autos, aber sollten in der nächsten Stunde drei Personen jeweils eines mieten, wird es schon sehr eng“, sagt er am Mittwochvormittag.

Staugefahr

Autofahrer müssen sich in den kommenden Tagen laut ADAC auf volle Straßen gefasst machen. Durch den Lokführer-Streik sind viele Leute dazu gezwungen, aufs Auto umzusteigen, vor allem Pendler sind davon stark betroffen. Hinzu kommt: In Niedersachsen und Bremen fällt der Streik mit dem Ende der Schulferien zusammen. Im Landkreis Osnabrück und im Emsland werden die Autofahrer viel Geduld aufbringen müssen. „Wir raten dazu, dass sich die Menschen über mögliche Staus informieren, bevor sie ins Auto einsteigen. Generell sollten sie mehr Zeit mitbringen“, so Christine Rettig vom ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt.

(Mit Material von dpa)