„Viele haben Angst“ Buchautorin Anne Jacoby über Personaler

Von Nadine Grunewald

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Osnabrück. Anne Jacoby schreibt Bücher über Arbeit und Wirtschaft, wobei sie immer wieder Befunde aus Soziologie und Philosophie mit der Praxis der Ökonomie verbindet. Zusammen mit Florian Vollmers hat sie „Das Jobinterviewknackerbuch“ geschrieben. Im Interview verrät sie, wie Personaler ticken.

Beurteilen Personaler Bewerber nach geheimen Methoden?

Geheim im Sinne von unbekannt sind die Wirkmechanismen, die hinter dem Vorstellungsgespräch ablaufen. Zum Beispiel, dass viele Personaler am liebsten die Kandidaten auswählen, die aus dem gleichen sozialen Milieu stammen wie sie selbst oder wie der Chef. Und das ganz unabhängig davon, was diese Kandidaten tatsächlich können.

Wie entscheiden sie, ob ein Kandidat top oder flop ist?

Am interessantesten fanden wir die Tatsache, dass nicht nur die Kandidaten vor dem Auswahlprozess Angst haben, sondern auch viele Personaler. Der Grund: Wenn sie den falschen Mann oder die falsche Frau auswählen, kann das für das Unternehmen richtig teuer werden. Sie stehen also unter großem Druck. Manche entlasten sich, indem sie blind auf ihr „Bauchgefühl“ vertrauen. Andere setzen genauso blind auf Ergebnisse von Persönlichkeitstests oder Eignungsprüfungen.

Nutzen Personaler psychologische Tricks?

Das ist ganz unterschiedlich. Mancher Geschäftsführer aus dem Mittelstand führt die Vorstellungsgespräche selbst und hat gar kein Interesse an irgendwelchen Tricks. Andere fühlen den Kandidaten auf den Zahn, indem sie gnadenlos provozieren. Wieder andere bohren bei bestimmten Themen nach, bis es unangenehm wird.

Was mögen Personaler an einer Bewerbung und während eines Gesprächs besonders?

Einen super ersten Eindruck.

Was überhaupt nicht?

Wenn Kandidaten unpünktlich ankommen, nichts über das Unternehmen wissen, unpassend gekleidet sind, auswendig gelernte Antworten aufsagen, aufschneiden und ein viel zu hohes Gehalt fordern, zu wenig sagen oder zu viel schwafeln. Besonders schlimm: Während des Gesprächs auf dem Smartphone herumtippen. Auch wenn es ein ganz tolles Smartphone ist. Absolut peinlich: Wenn Kandidaten ein privates Treffen mit der attraktiven Personalerin oder dem Personaler anpeilen.

Worauf achten Personaler bei der Suche nach künftigen Mitarbeitern besonders?

Viele sagen: auf die Persönlichkeit des Bewerbers. Aber was heißt das? Es besteht keine Einigkeit darüber, was Persönlichkeit bedeutet. Die einen sagen „Sympathie, Vertrauenswürdigkeit, Teamfähigkeit“, die anderen finden „Eigenschaften, Hobbys, Vorlieben“ zentral, andere wieder „Offenheit, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit“. Das ist total schwammig. Überzeugender scheint uns eine kleine Liste aus dem Buch „Elitesoziologie“ von Michael Hartmann, Professor für Soziologie an der TU Darmstadt. Seinen Studien zufolge zählen in den Chefetagen deutscher Großunternehmen vier zentrale Persönlichkeitsmerkmale: 1. Kenntnis der Dress- und Benimmcodes. 2. Eine breite Allgemeinbildung. 3. Unternehmerisches Denken und 4. Persönliche Souveränität.


Dieser Beitrag ist im Hochschulmagazin „Quo Vadis?“ der NOZ Medien erschienen. Mit interessanten Tipps und Informationen zum Berufseinstieg und vielen weiteren spannenden Themen gibt es eine Orientierung für die Zeit während und nach dem Studium.