Vierjährige wird sterben Masern-Impfung: Ärztesprecher wirft Kritikern Kindeswohlgefährdung vor

Von Waltraud Messmann

Der Impfpass kann Leben retten. Foto: dpaDer Impfpass kann Leben retten. Foto: dpa

Osnabrück. Der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland, Ulrich Fegeler, hat an die Eltern appelliert, ihre Kinder unbedingt gegen Masern impfen zu lassen. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Fegeler, der Fall der schwer erkrankten Aliana aus Bad Hersfeld mache erneut deutlich, wie gefährlich diese Infektionskrankheit sein könne.

Den Kindern diesen Schutz vorzuenthalten halte er für „einen Akt der Kindeswohlgefährdung und damit eine Straftat“. Aufrufe zur Impfverweigerung und sogenannten Masernpartys nannte Ulrich Fegeler „mindestens genauso verantwortungslos“.

Die vierjährige Aliana aus dem osthessischen Bad Hersfeld leidet an der chronischen Gehirnentzündung SSPE. Die Krankheit kommt als Spätfolge einer Maserninfektion im Säuglingsalter bei einem von 150 bis 300 erkrankten Kindern vor und verläuft immer tödlich. „Das Kind wird das Jahresende möglicherweise nicht mehr erleben“, sagte ihr Kinderarzt Georg J. Witte. Laut Robert-Koch-Institut haben sich 2013 bundesweit 86 Säuglinge mit Masern angesteckt, 19 bislang in diesem Jahr.

Schwangere und Masern

Auch Frauen sollten unbedingt prüfen, ob sie ausreichend gegen Masern geimpft sind, bevor sie schwanger werden, betonte Fegeler. Besonders bei in den 1970er- und 1980er-Jahren Geborenen sei zum Teil nur unzureichend geimpft worden. Denn damals sei man irrtümlich davon ausgegangen, dass eine einmalige Impfung gegen Masern ausreichend sei. Heute wisse man das besser. „Wer nicht zweimal gegen Masern geimpft wurde, sollte dies dringend nachholen“, betonte Fegeler. Nur durch eine Mutter mit Impfschutz sei auch ein Neugeborenes auf dem Wege der sogenannten Leihimmunität in den ersten Monaten gegen die hochansteckende Infektionskrankheit geschützt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) betonte, dass die Masernimpfung während der Schwangerschaft nicht vorgenommen werden könne.

Hier geht es zum Artikel: Tödliche Masern: Impfschutz in Niedersachsen lückenhaft

Auch in einigen deutschen Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge treten immer wieder Masernfälle auf. Zeitweise mussten masernbedingte Aufnahmestopps verhängt werden. Nicht selten sind Flüchtlinge aus Syrien betroffen: Denn durch die chaotischen Verhältnisse in sind Impfprogramme in dem Land teilweise unterbrochen. Im umkämpften Norden Syriens gab es in der Folge im vergangenen Jahr eine Masernepidemie mit 7000 Erkrankten.

Masern durch Flüchtlinge?

Für eine mögliche Zunahme der Fallzahlen bei Masernerkrankungen in Deutschland infolge der anwachsenden Flüchtlingsströme gibt es aber laut Fegeler bisher keine Hinweise. Damit das so bleibe, „muss in den Aufnahmeeinrichtungen eine optimale Versorgung sichergestellt sein“, betonte der Verbandssprecher. Bereits vor einigen Tagen hatte der Präsident des Berufsverbandes, Wolfram Hartmann, gefordert: „Alle, die ins Land kommen, müssten eigentlich eine erneute Grundimmunisierung bekommen, um die Gefahr zu bannen. Aber das kostet Geld und Personal. Und das ist im Moment nicht ausreichend gesichert.“ Zurzeit werde das in den Bundesländern noch ganz unterschiedlich gehandhabt, so Fegeler. Er forderte bundeseinheitliche Vorgaben. Die Versorgung der Flüchtlinge müsse genauso gut sein wie der hier dauerhaft Lebenden. „Eine Zweiklassenmedizin ist inakzeptabel.“ Jedes Kind habe ein Grundrecht auf Impfung gegen verhütbare Krankheiten.

Die Gefahr von Massenepidemien sieht Fegeler in Deutschland derzeit nicht. Dafür sei die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung, die zwar noch deutlich verbessert werden müsse, doch zu groß. Kleinere regionale Ausbrüche seien aber durchaus möglich. Die habe es allerdings auch in der Vergangenheit immer mal wieder gegeben.