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01.11.2014, 09:07 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOLUMNE

Sebastiao Salgado – ein sehenswertes Porträt

Von Christof Haverkamp


Osnabrück. Der Brasilianer Sebastiao Salgado steht im Mittelpunkt des bereits mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilms „Salz der Erde“, den der Regisseur Wim Wenders gedreht hat. Salgado ist ein berühmter Fotograf, der durch Bilder eines Attentats viel Geld verdiente. Später zerbrach Salgado fast an seiner Arbeit, bevor er sich ganz neuen Motiven zuwandte.

Liebe Fotofreunde,

der Dokumentarfilm „Das Salz der Erde“ ist in dieser Woche gestartet und porträtiert den berühmten Fotografen Sebastiao Salgado. In Osnabrück ist der Kinofilm seit dem 27. November zu sehen, und es lohnt sich. Salgado ist einer der ganz großen, sozial engagierten Fotografen.

Weltberühmt geworden ist er durch seine Schwarz-Weiß-Fotos von Arbeitern der brasilianischen Goldmine Serra Pelada. „Salgado zeigt Menschen wie Ameisen“, meinte der Fotosammler F.C. Gundlach dazu. Es sind Bilder, die tief berühren.

Salgado, Jahrgang 1944, stammt aus Brasilien. 1969 emigrierte er wegen der autoritären politischen Verhältnisse in seinem Heimatland nach Paris, wo er heute noch lebt. Dort war er zunächst als Ökonom tätig, bevor er seine Karriere als Profi-Fotograf begann. Zunächst arbeitete er für die Bildagenturen Sygma und Gamma. 1979 wurde er in die legendäre Bildagentur Magnum  aufgenommen - das ist so etwas wie ein Ritterschlag für einen Fotografen.

Beim Attentat auf Ronald Reagan dabei

Im März 1981 arbeitete Salgado an einer Reportage über Ronald Reagan und war zufällig dabei, als ein Attentat auf den US-Präsidenten verübt wurde. Die Fotos vom Anschlag brachten dem Fotografen viel Geld ein. Salgado steckte es in seine Langzeitprojekte.

Eines dieser Langzeitprojekte ist „Workers“, entstanden 1993. Es dokumentierte das Verschwinden der traditionellen handwerklichen Arbeit in allen Kontinenten. „Migrations“ aus dem Jahr 2000 zeigt die massenhaften Wanderungsbewegungen, die Kriege, Diktaturen, Hunger und Umweltzerstörung ausgelöst haben.

Unberührte Landschaften

Immer wieder hat er Leid, Hunger und Tod dokumentiert, etwa im Kongo und in Ruanda. Irgendwann waren dann die Bilder von allen den Grausamkeiten für den Fotografen zuviel. Salgado brach zusammen und wurde schwer krank. Deshalb begann er 2004 mit einem ganz neuen Langzeitprojekt: „ Genesis “. Dieses Monumentalwerk ist der Natur gewidmet und dokumentiert unberührte Landschaften, Tiere und Ureinwohner. „In Genesis sprach die Natur durch meine Kamera zu mir. Und ich durfte zuhören“, sagt Salgado dazu. Die Bilder sind eindrucksvoll.

Ein Vorwurf von Susan Sontag

Unumstritten war der Fotograf übrigens nicht. So hat ihm die amerikanische Publizistin Susan Sontag in einem Essay („Looking at war“) vorgeworfen, er würde das Leid ästhetisieren und selbst das Elend noch schön darstellen. Doch dürfte der Vorwurf nicht zutreffen, Salgado nutze die Katastrophen nur für seine Zwecke. 

Ich muss gestehen, dass mich interessiert hat, mit welcher Kamera Salgado seine Fotos aufgenommen hat. Klar, man liest immer wieder, dass es nicht in erster Linie auf die Technik ankommt, sondern auf den Fotografen und seinen Blick. Das ist alles richtig. Aber interessiert hat es mich trotzdem. Daher habe ich ein wenig bei Google gesucht und bin hier fündig geworden.

Demnach hat Salgado früher mit einer Leica seine Aufnahmen gemacht und ist später auf Kameras von Canon umgeschwenkt. Was für eine Ausrüstung er für das Monumentalwerk „Genesis“ eingesetzt hat, ist auf der Homepage von Canon hier zu sehen.

Dass seine Bilder so sehr beeindrucken, hat nach meiner Einschätzung auch mit der Bildbearbeitung zusammen, der sich Salgado und Mitarbeiter von ihm offenbar intensiv widmen. Mit der Leidenschaft, mit der sich Salgado den Projekten widmet. Und mit der Zeit, die sich der Fotograf für seine Aufnahmen nimmt. Doch man kann es nicht oft genug betonen: In erster Linie hängt ein gutes Bild vom Fotografen ab. Und da hat Sebastiao Salgado Weltniveau.

Gut Licht!

Christof Haverkamp

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