Harmlos in der Anwendung Hypnose hilft gegen Angst, Stress und Schmerzen

Meine Nachrichten

Um das Thema Gut zu wissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Eine pendelnde Taschenuhr brauchen seriöse Hypnotherapeuten nicht. Foto: ImagoEine pendelnde Taschenuhr brauchen seriöse Hypnotherapeuten nicht. Foto: Imago

Osnabrück. Wer das Wort Hypnose hört, denkt meist an esoterische Scharlatane, die mithilfe einer Taschenuhr Menschen dazu bringen können, wie ein Huhn zu gackern. Doch dieses Bild ist falsch, denn die Wirksamkeit von Hypnose etwa bei der Bewältigung von Angst, Stress und Schmerzen ist längst erwiesen.

Viele Ärzte und Psychotherapeuten bedienen sich heute dieser Methode, um ihren Patienten zu helfen – so auch Professor Dr. Wolfgang Weig. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und zudem Chefarzt der Magdalenen-Klinik in Osnabrück : „Die Hypnose ist eine fremdsuggestive Methode. Das bedeutet, ein anderer, in diesem Fall der Therapeut, redet dem Patienten etwas so stark ein, dass sich der Bewusstseinszustand ändert“, erklärt Weig die Funktionsweise.

In vielen Studien wurde die Wirksamkeit von Hypnose bereits bewiesen.

Er gibt gleichzeitig aber auch Entwarnung: „Hypnose ist harmlos. In manchen Filmen begehen Menschen unter Hypnose Straftaten. Das würde in Wirklichkeit aber nicht funktionieren. So groß ist der Einfluss dann doch nicht.“

Sinnvoll eingesetzt werden könne die Hypnose jedoch in vielen Gebieten, zum Beispiel bei Angst vor dem Zahnarzt, in der Geburtsvorbereitung , zur Raucherentwöhnung oder auch bei der Gewichtsreduktion. Professor Weig setzt die Methode in seiner Praxis bei Menschen mit Unruhezuständen, Angst, Verspannungen und Schlafstörungen ein. Allerdings müsse vorher gesichert sein, dass die Beschwerden keine körperlichen oder schweren psychischen Ursachen hätten.

Um den Patienten in Hypnose zu versetzen, sei es wichtig, dass er sich wohlfühlt und entspannt ist, so der Psychiater. In seiner Praxis steht dafür eine Liege bereit – wer möchte, erhält auch eine Decke und ein Kissen. Ist der Patient bereit, beginnt die Hypnose. Dabei redet Weig mit ruhiger und monotoner Stimme auf seinen Patienten ein, sagt ihm, dass er jetzt ganz müde wird, ihm die Augen zufallen und sein Körper ganz schwer wird. „Auf Jahrmärkten wird dafür gerne eine Taschenuhr benutzt, die den Menschen vor die Augen gehalten wird. Ich mache das mit dem Finger“, erklärt der Psychiater. Sei der Patient dann in der sogenannten Trance, folge die gezielte Suggestion. Bei Patienten, die zum Beispiel unter Ängsten leiden, würden dabei unterbewusst bestimmte Angstsituationen herbeigeführt. „Ich rede ihnen dann ein, dass alles gut ist, sie entspannt sind und sich wohlfühlen.“

Nicht für jeden geeignet

Und danach ist der Patient geheilt? So einfach ist es leider nicht. Zum einen funktioniert die Hypnotherapie nicht bei jedem Menschen, wie der Professor erklärt: „Manche Patienten erreiche ich damit nicht.“ Das könne zum Beispiel daran liegen, dass die Vertrauensbasis zwischen Patient und Therapeut nicht stimmt.

Wenn es aber funktioniert, würden insgesamt etwa fünf bis zehn Sitzungen ausreichen, um dem Patienten zu helfen und ihm Methoden an die Hand zu geben, die Therapie zu Hause weiterzuführen – zum Beispiel autogenes Training.

Weig stellt aber klar: „Die Hypnose ist in den seltensten Fällen allein hilfreich.“ Das bedeutet, sie wird meist als Ergänzung zu anderen Therapien eingesetzt. Zum Beispiel auch in der Behandlung von Krebs, wenn sie Schmerzen oder Übelkeit nach der Chemotherapie lindert.

Warum Hypnose wirksam ist, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Vermutlich nimmt der Therapeut mit der Suggestion indirekt Einfluss auf die Hirnreaktion des Patienten. Dadurch werden neue Verschaltungen im Gehirn geknüpft, etwa zwischen dem Gefühl der Entspannung und der Erinnerung an eine Situation, die vorher Angstgefühle ausgelöst hat. „Nicht unerheblich ist vermutlich auch der Placebo-Effekt“, sagt Weig. Das bedeutet, dass der Patient schon deshalb eine Besserung seines Zustandes fühlt, weil er daran glaubt, dass die Hypnose ihm hilft.

Angeboten wird Hypnose von zahlreichen, manchmal selbst ernannten Therapeuten. Wer sichergehen will, dass es sich um einen seriösen und qualifizierten Anbieter handelt, sollte sich an Ärzte und psychologische Psychotherapeuten wenden, die eine entsprechende Zusatzausbildung vorweisen können. Eine Liste mit Therapeuten aus deutschsprachigen Fachverbänden finden Patienten unter www.hypnose.de . „Es gibt sicher gute Therapeuten, die keine Ärzte oder Psychologen sind und etwa bei Problemen wie Gewichtsreduktion und Raucherentwöhnung weiterhelfen können. Menschen, die sich aber in einer schweren Lebenskrise befinden und in diesem Zusammenhang nach Hilfe suchen, sollten sich besser an Fachleute wenden“, empfiehlt der Psychiater Weig.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN