Fehler bei gesetzlichen Löschfristen Datenpanne bei schwarzer Liste der Versicherungen

Von Dirk Fisser

Durch die Datenpanne im HIS-System kann es zu Problemen bei der Beantragung einer Lebensversicherung gekommen sein. Foto: dpaDurch die Datenpanne im HIS-System kann es zu Problemen bei der Beantragung einer Lebensversicherung gekommen sein. Foto: dpa

Osnabrück. Datenpanne bei der deutschen Versicherungswirtschaft: Möglicherweise haben zahlreiche Menschen zu Unrecht auf der schwarzen Liste der Versicherer gestanden. Deren Spitzenverband räumt auf Nachfrage einen Systemfehler bei ihrem Dienstleister ein. Die Zahl der Betroffenen sei aber unklar. Entdeckt hat den Fehler ein Osnabrücker Versicherungsmakler.

Wer seine Versicherung belügt oder gesundheitlich vorbelastet ist, der landet im „Hinweis und Informationssystem“ kurz HIS – ganz ähnlich der Schufa. Will er nun eine neue Versicherung abschließen, wird das Unternehmen gewarnt. Ein Vertragsabschluss wird dann verwehrt, zumindest aber erschwert. So schützt sich die Branche vor Betrügern und Querulanten. Doch die Eintragungen müssen nach vier Jahren gelöscht werden. So will es das Bundesdatenschutzgesetz.

Betreiberwechsel im Jahr 2011

Das Unternehmen „Informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH“ aus Baden-Baden, eine Tochter des Bertelsmann-Konzerns, betreibt die schwarze Liste seit April 2011 im Auftrag der deutschen Versicherungswirtschaft. Und seitdem schlummerte in den Tiefen des Systems offenbar unerkannt ein Fehler.

4,5 Millionen Einträge gespeichert

Wie Informa-Geschäftsführer Björn Hinrichs auf Nachfrage bestätigt, sei 2011 bei der Übertragung der Daten für Lebens- und Berufsunfallversicherungen die Löschfrist mit zehn Jahren und damit gesetzeswidrig sechs Jahre zu hoch angesetzt worden. Hinrichs betont, dieser Bereich mache nur 2,5 Prozent des Informationssystems aus. Insgesamt seien 4,5 Millionen Einträge gespeichert.

Bertelsmann-Tochter

Sowohl der Geschäftsführer der Bertelsmann-Tochter Informa als auch der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) können auf Nachfrage nicht sagen, wie vielen Menschen möglicherweise zu Unrecht ein Vertragsabschluss verwehrt oder erschwert wurde. Bekannt sei nur der Einzelfall aus Osnabrück, durch den die Datenpanne bekannt geworden war.

„Rechtswidrig gehandelt“

Versicherungsmakler Matthias Helberg hatte sie entdeckt, als er einen Vertrag für einen Kunden abschließen wollte. Die Versicherung führte einen Eintrag auf der schwarzen Liste aus dem Jahr 2006 ins Feld. Nach seinem Eindruck habe niemand genau gewusst, wann die Daten gelöscht werden müssen, sagt Helberg. Zumindest habe er unterschiedliche Rückmeldungen erhalten. (Hier weitere Details)

„Rechtswidrig gehandelt“

Um Klarheit zu erhalten, wandte sich Helberg an den Datenschutzbeauftragten in Baden-Württemberg, dem Heimatbundesland von Informa. Und der stellte in einem Antwortschreiben vom 15. Oktober dieses Jahres unmissverständlich fest: Der Eintrag aus dem Jahr 2006 hätte am 31. Dezember 2010 gelöscht werden müssen. „Die Betreiberin der HIS-Datei hat somit rechtswidrig gehandelt.“ Seit Jahren wurden also Daten illegal gespeichert.

Überprüfung läuft

Informa habe die Löschfrist nach dem Rüffel aus Stuttgart „mit Hochdruck“ angepasst, heißt es. „Wir bedauern diesen Fehler außerordentlich“, so Geschäftsführer Björn Hinrichs. Aktuell werde aus Protokolldaten rekonstruiert, welcher Versicherung illegal gespeicherte Daten übermittelt worden seien. Ob auch die Versicherungsnehmer informiert werden, lässt der GDV auf Anfrage unbeantwortet. Der HIS-Betreiber Informa bietet möglicherweise Betroffenen aber an, eine Selbstauskunft zu stellen.

Der Kunde von Makler Helberg hat seine Berufsunfähigkeitsversicherung jedenfalls bis heute nicht. Mit Verweis auf die fälschlich übermittelten Daten werde ihm weiter der vereinfachte Vertragsabschluss verwehrt, so Helberg.


Die HIS-Betreiber bieten allen möglicherweise betroffenen Versicherungskunden eine Überprüfung an. Wer eine Selbstauskunft einholen will, kann sich laut Betreiber postalisch an folgende Adresse wenden:

informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH

Abteilung Datenschutz

Rheinstraße 99

76532 Baden-Baden