Neue Lücke beim Datenschutz Online-Status bei WhatsApp gewährt Einblicke in Privatleben

Whatsapp-Nutzer geben viel über sich Preis.  Foto: dpaWhatsapp-Nutzer geben viel über sich Preis. Foto: dpa

Osnabrück. Die Smartphone -App WhatsApp ist ein Einfallstor für Schnüffler: Wissenschaftlern an der Uni Ulm ist über eine speziell entwickelte App nicht nur gelungen, über den Online-Status der Nutzer den kompletten Tagesablauf zu rekonstruieren. Sie konnten außerdem feststellen, mit wem die Nutzer wann kommunizierten.

Die entsprechende App haben Informatiker um Andreas Buchenscheit (Hochschule Ulm, Cortex Media GmbH) sowie Professor Frank Kargl und Bastian Könings von der Universität Ulm entwickelt. Mit ihrer Hilfe können sie eine beliebige Zahl von WhatsApp-Anwendern gleichzeitig und ohne ihr Wissen „überwachen“, berichten die Beteiligten auf der Webseite der Uni. Getestet wurde die Methode über vier Wochen an zwei unabhängigen Gruppen mit insgesamt 19 Mitgliedern (17 - 29 Jahre). Die Probanden hatten der Verwendung ihrer WhatsApp-Daten zuvor zugestimmt. Der Dienst wurde im Untersuchungszeitraum insgesamt 545 Stunden in Anspruch genommen.

Auch das Fachmagazin „c’t“ hat eine Lücke im Datenschutz gefunden.

Den Wissenschaftlern gelang es nach eigenen Angaben mithilfe der von ihnen entwickelten App, lückenlos nachzuweisen, wann die Nutzer wie lange aktiv waren. Sie ermöglichte es ihnen außerdem, Nutzungsprofile der Studienteilnehmer zu erstellen und so Informationen über ihren Alltag zu gewinnen. „Mit unserem Forschungsvorhaben wollten wir die Möglichkeit der Überwachung demonstrieren und darauf hinweisen, welche Konsequenzen dies für die Privatsphäre haben kann“, erklärt dazu Andreas Buchenscheit, Erstautor der Studie.

Anhand des Zeitstempels ließe sich unter anderem feststellen, wann eine Person morgens aufstehe, und ob der Kommunikationsdienst zu unangemessenen Zeiten, zum Beispiel im Büro, genutzt werde. Auch ein Partybesuch der studentischen Probanden habe man aus den Statusinformationen ablesen können.

Als besonders bedenklich bezeichnen die Forscher die Tatsache, dass sie sogar dazu in der Lage waren, Kommunikationsmuster zu erkennen, die es ihnen dann auch ermöglichten, Chats zwischen Studienteilnehmern zu identifizieren. „Wen kontaktiert die Freundin? Tauscht sich der Kollege womöglich mit dem Mitbewerber aus? Und wie lange chattet der Nachbar mit dem umstrittenen Oppositionspolitiker?“, alle diese Fragen konnten die Autoren der Studie.nach eigenen Angaben beantworten. „Die Methode lässt sich im Privaten einsetzen, dürfte aber auch Regierungen interessieren, die Bürger überwachen wollen“, heißt es dazu auf der Webseite der Uni.

Nach der „Datensammlung“ legten die Untersuchungsteilnehmer in Interviews persönliche Informationen offen. Dabei zeigte sich, dass viele Schlüsse, die die Forscher aus den Online-Statusinformationen gezogen hatten, zutreffend waren. Viele Studienteilnehmer seien geschockt gewesen, heißt es dazu.

Im September waren die Nutzer verärgert, weil WhatsApp ungefragt Datenschutz zurückgesetzt hat.

In Ansätzen könne jeder, der bei WhatsApp registriert sei und die Nummer der Zielperson in seinem Smartphone gespeichert habe, personenbezogene Informationen aus dem Zeitstempel ableiten, warnten die Forscher. Professor Kargl, Direktor des Instituts für Verteilte Systeme an der Uni Ulm betonte: „Metadaten verraten oft mehr über Nutzer, als ihnen bewusst ist. Beim Systemdesign sollte der Datenschutz also immer mitgedacht werden.“


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