Amazon Fire TV Test Ist das Amazon Fire TV das bessere Apple TV?



Osnabrück. Mit der Streaming Box „Amazon Fire TV“ will Onlinehändler Amazon die Wohnzimmer erobern. Neben Serien und Filmen hat der kleine Kasten auch Apps, Spiele und eine Sprachsteuerung an Bord. Ganz ausgereift ist das Gerät aber nicht. Ist das Gerät seine 99 Euro wert? Das Fire TV im Test.

Amazon hat mittlerweile 200000 Filme und Folgen von TV-Serien in seinem Katalog. 40000 davon gehören mit Amazon Prime Videos zum Abonnement von Amazon Prime. Mit der Streaming-Box Amazon Fire TV soll der Zugriff darauf besonders einfach werden.

Lieferumfang: HDMI-Kabel nicht dabei

Das Amazon Fire TV kommt in einer überraschend großen Schachtel daher. Darin liegen die flache, quadratische Streaming-Box, die Fernbedienung und zwei Batterien, das Netzkabel und eine Kurzanleitung. Schade: Das benötigte HDMI-Kabel legt Amazon nicht bei. Die Fernbedienung liegt zwar ganz angenehm in der Hand, die Verarbeitung ist jedoch nicht besonders hochwertig.

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Anschlüsse: USB-Blindgänger

Neben dem Anschluss für das Netzkabel bietet das Amazon Fire TV einen für HDMI, für ein optisches Kabel zum Anschluss an die Stereoanlage, für ein Netzwerkkabel und für externe USB-Geräte. Letzterer funktioniert noch nicht, soll aber in Zukunft als Speichererweiterung dienen und auch das Abspielen von Medien auf einer externen Festplatte erlauben. Wann es so weit sein wird, wollte Amazon auf Nachfrage nicht sagen.

Einrichtung: Es kann so leicht sein

Ist die Box mit dem Stromnetz und dem Fernseher verbunden, kann es losgehen.Über eine Taste auf der Fernbedienung startet das geräuschlose Fire TV. Den Betrieb zeigt eine weiße LED an der Gerätefront an. Ab hier nimmt das Gerät den Nutzer an die Hand. Per WLAN oder Ethernet stellt die Box eine Verbindung zum Internet her und lädt Softwareupdates. Das Nutzerkonto ist in der Regel bereits mit dem eigenen Amazon-Konto verbunden. Nette Idee: Ein Einführungsvideo erklärt die wichtigsten Funktionen des Amazon Fire TV. Auch gut: Der Assistent fragt, ob man per Pin eine Kindersicherung einbauen möchte.

Bedienung: Tolle Sprachsteuerung

Die Benutzeroberfläche sieht schick aus: eine Kategorieleiste auf der linken Seite, dazugehörige Inhalte als Kacheln rechts davon. Die Navigation über die Fernbedienung ist flink und direkt. Das Aushängeschild des Amazon Fire TV ist jedoch die Sprachsteuerung über das Mikrofon in der Fernbedienung. Und die funktioniert tatsächlich sehr gut. Egal ob Schauspieler, deutsche oder fremdsprachige Film- und Serientitel, das Fire TV zeigte in unseren Tests stets das gewünschte Suchergebnis an.

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Das Angebot: Ohne Prime macht‘s wenig Spaß

Die Auswahl an Titeln im Amazon-Katalog ist überaus groß, die ganz aktuellen Filme und Serien gibt es aber nicht immer. Und wenn der Nutzer kein Prime-Abonennt ist, macht das Angebot eher wenig Spaß. 30 Tage spendiert Amazon als Testphase. Über das Amazon Fire TV können Kunden problemlos Filme kaufen und leihen. Nach jedem Download gibt es eine Bestätigungs-E-Mail von Amazon. Das bei Amazon angegebene Zahlungsmittel ist bereits auf der Streaming-Box hinterlegt. Das ist praktisch, aber auch etwas unheimlich.

Nicht gut: Wer auf dem Amazon Fire TV einen Film leihen oder kaufen möchte, muss sich momentan gut überlegen, ob er ihn synchronisiert oder im Originalton sehen möchte und sich dann für eine Version entscheiden. Viele andere Dienste bieten mittlerweile an, die Sprache problemlos während der Wiedergabe zu wechseln. Immerhin hat Amazon das Problem erkannt. Auf Nachfrage unserer Redaktion heißt es, dass man bald mehrere Tonspuren inklusive Untertitelfunktion anbieten werde.

Apps: Netflix und Maxdome bald verfügbar

Ohne Apps geht nichts mehr, auch nicht auf dem Amazon Fire TV. Deshalb sind acht Gigabyte Speicher verbaut. Über die kleinen Programme greifen Nutzer zügig auf die Mediatheken von ARD, ZDF oder Arte zu. Außerdem gibt es Apps für Youtube, Vevo und den Musikstreamingdienst Spotify. Zugänge zu Netflix und Maxdome sollen laut Amazon bald folgen. Dann wird das Fire TV auch für Kunden ohne Prime-Abo interessanter. Weitere Apps können Entwickler über Googles Playstore bereitstellen. Außerdem haben Nutzer Zugriff auf ihre im Amazon-Webspeicher abgelegten Fotos. Bald soll auch das Abspielen der bei Amazon gekauften, digitalen Musik möglich sein.

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Die Amazon Prime Video Apps für iOS, Android, Playstation und Xbox kommunizieren untereinander. Fängt der Nutzer einen Film auf einem Gerät an, kann er die Wiedergabe an einem anderen Gerät einfach fortsetzen.

Spiele: Ja, aber...

Ja, auf dem Amazon Fire TV kann man tatsächlich Spiele spielen. Allerdings sollte man deswegen nicht gleich seine Konsole aus dem Fenster werfen. Denn zum einen sind die Anzahl der Titel und deren Qualität überschaubar, zum anderen benötigt man für ernsthafteren Spielespaß den optional erhältlichen Controller für 40 Euro.

Einstellungen: Ein genauer Blick lohnt

Unter dem Menüpunkt „Einstellungen“ zeigen sich zwei interessante Punkte: Dort kann man zum einen nach Softwareupdates für die Fernbedienung suchen, die laut Amazon für die Sprachsteuerung benötigt werden. Außerdem sollte man das Senden der App-Nutzungsdaten ausschalten.

Fazit: Gut, aber mit Luft nach oben

Das Amazon Fire TV ist gut gelungen. Vor allem wenn man bedenkt, dass es sich dabei um die erste Streaming-Box des Onlineversandhändlers handelt. Die Sprachsteuerung ist wirklich gelungen und erleichtert die Bedienung des Fire TV enorm. Vor allem für Kunden Amazon Prime lohnt sich die Box. Doch es gibt auch negative Aspekte.

So ist es schade, dass Amazon das Fire TV leicht unfertig ausliefert: Amazon wirbt auf dem Karton mit der Netflix-App, obwohl diese noch nicht verfügbar ist. Auch der USB-Anschluss und die Bluetooth-Schnittstelle sind noch ohne Funktionen.

Wer zwischen einem Apple TV und einem Fire TV schwankt, sollte sich fragen, was er hat und was er will. Sind bereits einige Apple-Geräte im Haushalt, läuft die Kommunikation mit dem Apple TV reibungslos. Ist das aber nicht der Fall, ist das Amazon Fire TV momentan die bessere Box.


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