Weltmädchentag Pinkstinks-Feministen verkaufen rosa Ponys – für Jungs!

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Berlin. Eigentlich wendet der Verein Pinkstinks sich gegen die Rosafizierung der Mädchenwelt. Zum Internationalen Mädchentag verkaufen die Feministinnen nun rosa Ponys – für Jungs. Pinkstinks-Aktivistin Stevie Schmiedel erklärt ihr Kuscheltier und das dazugehörige Buchprojekt.

Ihren Zorn auf die Rosafizierung demonstriert die Gender-Aktivistin Dr. Stevie Meriel Schmiedel schon im Namen ihres Vereins: Pinkstinks nennen sich die Hamburger Feministinnen und Feministen um Schmiedel: Rosa stinkt. Trotzdem hat ausgerechnet Pinkstinks nun ein wirklich entzückendes rosa Pony für den Spielzeug- und Kinderbuchmarkt produziert: Es heißt Fred und soll Jungs Mut zu Gefühlen, Empathie und Zärtlichkeit machen. (Hier kann man es kaufen.) Im Interview erklärt Stevie Schmiedel das Projekt zum Internationalen Mädchentag am Samstag, 11. Okober.

Frau Schmiedel, zum Internationalen Mädchentag produzieren Sie ein rosa Kuschelpony – für Jungs. Wieso das?

Die Farbe Pink hat eine Botschaft: Jungs sind die Norm, Mädchen der Sonderfall – deshalb werden Produkte für sie rosarot gekennzeichnet. Das muss aufhören. Gleichberechtigung erreichen wir erst, wenn Pink für alle da ist.

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Parallel zu dem rosa Kuschelpony namens Fred entwickeln Sie auch ein Kinderbuch: „David und sein rosa Pony“. Worum geht es?

Ein Kinderbuch und auch ein Theaterstück. Es geht um einen Jungen, der in der Schule für sein Kuschelpony ausgelacht wird. Er lässt sich einreden, dass so ein Mädchenspielzeug nichts für ihn ist, lässt sein Pony im Schmutz zurück und beschafft sich einen Roboter als Ersatz. Der ist allerdings sehr unkuschelig und zum Liebhaben nicht zu gebrauchen. David will sein Pony zurück. Und er findet einen Freund, der ihn bei diesem Plan unterstützt.

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Wie sind Sie darauf gekommen?

Die Geschichte greift einen realen Fall aus North Carolina auf. Dort wurde ein Neunjähriger gemobbt, weil er die Spielzeug-Marke „My little Pony“ liebt. Als seine Mitschüler ihn immer wieder beschimpft und geschlagen haben, ist der Rektor eingeschritten – und hat dem gedemütigten Kind verboten, weiterhin Pony-Spielsachen mit in die Schule zu bringen. Weil die den Konflikt ausgelöst hätten.

Sie wenden sich am Mädchentag an Jungs, weil auch die unter starren Geschlechterbildern leiden. Was kann so ein Aktionstag für Jungs leisten?

Wir müssen Jungs ermutigen, Schwäche zu zeigen, Empathie zu entwickeln, Gefühle auszudrücken – zum Beispiel, indem sie sich um ihre Puppe kümmern. Das wird aber alles mit Weiblichkeit assoziiert und ist für Jungs Tabu. Mädchen dürfen sich längst in männlichen Rollen ausprobieren und sich als Polizist verkleiden. Jungs können nicht einfach das Kleid ihrer Schwester anziehen und mit lackierten Fingernägeln zur Schule gehen. Das geht vielleicht in Kreuzberg, aber bestimmt nicht auf dem Land. „Schwul“ ist auf dem Schulhof das häufigste Schimpfwort, und mit ihm wird Jungs alles ausgetrieben, was als unmännlich gilt. Hören Sie sich Emma Watsons Rede vor der UNO an; die hat das genau auf den Punkt gebracht.

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Sie setzen Ihr rosa Pony gezielt der Organisation Plan International entgegen, die am Weltmädchentag Gebäude mit rosa Scheinwerfern anstrahlt. Kritisieren Sie die Organisation oder die Aktion?

Nur die Aktion. Plan International ist eine ganz wichtige NGO, deren Anliegen unbedingt gehört werden müssen – aber nicht im pinkfarbenen Scheinwerferlicht. Es wird nie gelingen, Rosa feministisch zu kodieren; dafür ist das Geschlechter-Marketing der Wirtschaft viel zu stark. Und die Werbung setzt gerade auf den Unterschied der Geschlechter, denn damit ist Geld zu verdienen.

Wie denn das?

Wer den Leuten einredet, dass Frauen und Männer grundverschieden sind, verkauft doppelt. Chio bietet Chips „nur für Männer“ und „nur für Frauen“ an. Es gibt sogar Gurken für Frauen. Die Almdudler-Limonade wirbt mit dem Slogan: „Auch Männer haben Gefühle: Durst“. Das ist doch alles furchtbar traurig. Es steckt aber auch ein mediales Problem dahinter: Bei feministischen Themen wird gern negativ und konfrontativ berichtet, weil sich das besser verkauft. Männer werden da zum „verunsicherten Geschlecht“, die Debatte ist ein „Geschlechterkampf“. Ich glaube nicht an dieses Gegeneinander. Und ich sehe nicht ein, wieso es einen Mann verunsichern soll, wenn er auch in traditionell weiblichen Rollenmodellen akzeptiert wird – und zum Beispiel in seiner Rolle als Vater gestärkt wird. Dafür steht unser rosa Pony: Seid, wer ihr wollt!

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Am 11. Oktober ist Welt-Mädchentag

Weltweit sterben laut Unicef etwa 1,5 Millionen Mädchen in den ersten fünf Lebensjahren, weil sie schlechter ernährt und versorgt werden als Jungen. Von den etwa 57 Millionen Kindern im Grundschulalter, die nicht zur Schule gehen, sind mehr als die Hälfte Mädchen. Pro Jahr werden nach Angaben des Kinderhilfswerks Plan International zehn Millionen Mädchen zwangsverheiratet, eines von sieben, bevor es 15 Jahre alt ist. Der Welt-Mädchentag am 11. Oktober soll auf die Benachteiligung von Mädchen in vielen Ländern der Welt hinweisen. Die Vereinten Nationen begingen den von Plan International initiierten Aktionstag erstmals 2012. (dpa)

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