Das Anti-Facebook Fragen und Antworten zum sozialen Netzwerk Ello

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Osnabrück. Ist das freundlich nach Hello klingende Ello eine Alternative zu Facebook? Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu dem sozialen Netzwerk, das ein nett anzusehendes schwarzes Smiley ohne Augen als Markenicon hat.

Ello? Ello. Seit wenigen Wochen geistert das soziale Netzwerk durch die Medien, hat es in dieser Woche sogar ins grundsolide ZDF-Morgenmagazin geschafft und wurde von Hackern lahmgelegt.

Was ist Ello?

Ello ist – wie Facebook, , Twitter oder Tumblr – ein soziales Online-Netzwerk. Gegründet 2014 in den USA, existiert aktuell nur eine Beta-Version. Das heißt: Es ist noch nicht alles so, wie es einmal sein soll. Mitmachen darf bis dato auch nur, wer von einem User eingeladen wurde.

Wer hat es gegründet?

Laut Homepage wurde es von „sieben bekannten Künstlern und Programmierern“ gebaut. Anfangs nur als rein privates Netzwerk gedacht, wollten immer mehr Menschen mitmachen. Also entschlossen die Gründer sich im März 2014, Ello für jedermann nutzbar zu machen. Noch funktioniert das nur auf Einladung. Öffentliches Gesicht des Netzwerkes ist Paul Budnitz, der Fahrräder baut.

Warum redet jeder über Ello?

Die Faszination, die das gar nicht einmal so neue Netzwerk aktuell auslöst, lässt sich durch zwei Faktoren erklären. Der eine ist Exklusivität: Bisher kann man sich dort nur mit einer Einladung von anderen Nutzern oder dem Team selbst anmelden. Aktuell bekomme Ello rund 30000 Registrierungs-Anfragen pro Stunde, sagte Gründer und Chef Budnitz US-Medien. Antragsteller warten mehrere Stunden auf die Freischaltung ihres Zugangs nach der Einladung. Auf Twitter finden sich unter dem Hashtag #elloinvitecode Menschen, die um Einladungen betteln, auf Ebay werden diese sogar versteigert. Klingt verrückt, ist aber ein altbekanntes Phänomen: Die Exklusivität einer Gemeinschaft erhöht auch immer deren Wert.

Mit einer ähnlichen Strategie wurde 2011 mit viel Trara übrigens Google+ gestartet. Doch anders als bei diesem steht kein Riesenkonzern hinter Ello. Und damit kommen wir gleich zum zweiten Punkt, der Ello Sympathiepunkte bringt: Es will quasi ein Anti-Facebook für alle die, die dem blauen F nicht mehr vertrauen.

Warum ist Ello das Anti-Facebook?

Bei Ello besteht keine Klarnamenpflicht. Das mag nicht besonders revolutionär sein, hat aber die Konsequenz, dass sich das Netzwerk besonders in sogenannten queeren Kreisen, wie der schwul-lesbischen Community, großer Beliebtheit erfreut. Als Frauen posierende Männer wie Dragqueens beispielsweise können sich auf Ello mit dem Namen anmelden, die sie wollen – ohne Angst zu haben, dass das Profil gelöscht wird.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte 2010 gesagt, dass Menschen nur eine Identität hätten. Folgerichtig werden auf seinem Netzwerk auf falschen Angaben basierende Accounts gelöscht.

Genauso wie Bilder, die primäre und auch sekundäre Geschlechtsmerkmale zeigen, beispielsweise Fotos von stillenden Müttern, auf denen die Brustwarze zu sehen ist. Bei Ello ist auch das anders, daher sprechen Technik-Blogs auch von einer „pornofreundlichen“ Einstellung des neuen Netzwerkes. Zudem hat Ello sogar sein eigenes Manifest.

Was besagt das Manifest?

Kernaussage des auf Englisch verfassten Manifestes ist der Satz „Sie sind kein Produkt“ („You are not a product“). Ello stilisiert sich in den Sätzen als konsumkritisches Auffangbecken für alle, die sich von Facebook und Co. manipuliert und benutzt fühlen.

Pathetisch geht es weiter: „Wir glauben, dass es einen besseren Weg gibt. Wir glauben an Kühnheit. Wir glauben an Schönheit, Einfachheit und Transparenz. Wir glauben an die Partnerschaft zwischen die Menschen, die Dinge machen, und Menschen, die sie nutzen. Wir glauben, dass ein soziales Netzwerk ein Werkzeug für Selbstermächtigung sein kann. Nicht ein Werkzeug, um zu täuschen, zu zwingen und zu manipulieren – aber ein Ort, um zu verbinden, zu schaffen und das Leben zu feiern.“ Folgerichtig gibt es bei Ello keine Werbung.

Kleiner Seitenhieb am Rande: Wer dem Manifest nicht zustimmt („I disagree“), landet automatisch auf der Seite der Datenverwendungsrichtlinien bei Facebook.

Wie sieht Ello aus?

Nach Eigenangaben „simple, beautiful“, also einfach und schön. Tatsächlich spricht für Ello ein aufgeräumtes Design mit viel Weißraum und klarer Linienführung. Auch optisch ist Ello damit der Gegenentwurf zum grellen Facebook-Auftritt mit eingeblendeter Werbung und wechselnden bunten Bannern. Man sieht der Gestaltung der Plattform an, dass ihre Wurzeln im Künstlerischen liegen. Auch veröffentlichen die Nutzer hier eher Kunstfotografien anstatt Bildern von ihrem letzten Urlaub oder dem leckeren Abendessen.

Wie funktioniert es?

Ähnlich wie bei Twitter beginnen die Userprofile mit einem @. Ähnlich wie bei Tumblr und Flickr dominieren große Bilder. Die Pinwand eines Users füllt sich mit Postings all derer, denen man folgt. Wie bei Twitter und Tmblr, aber ganz anders als bei Facebook, wo eine Freundschaftsanfrage bejaht werden muss, kann man auf Ello jedem folgen. Da es keine Klarnamen gibt, findet man seine Freunde jedoch nur, wenn man weiß, wie sie bei Ello heißen. Klickt man den Button „Friends“, folgt man ihnen dann. Klickt man „Noise“, kann man ein Posting hinterlassen.

Und der Knackpunkt?

Ist, wie so oft, das liebe Geld: Facebook und andere finanzieren sich darüber, dass sie die Daten ihrer User an die Werbeindustrie weitergeben und aktiv Werbung schalten. Dafür bietet das Netzwerk seine Dienste jedoch auch kostenlos an.

Ello ist auch kostenlos, laut der Homepage soll es das auch bleiben. Zudem soll es werbefrei bleiben. Bisher wurde nur eine kleine Gebühr für die Freischaltung einiger Zusatzfunktionen ins Gespräch gebracht. Dies dürfte aber kaum ausreichen, um die Kosten zu decken. Problematischer ist, dass mit der Medien-Aufmerksamkeit auch eine zuvor nicht beachtete Investition wieder ans Licht kam, die die Ello-Gründer in ihren Ankündigungen unerwähnt ließen: Der Risikokapitalgeber FreshTracks steckte 435000 Dollar in das Netzwerk.

Für Skeptiker wie den britischen Online-Aktivisten Aral Balkan ist das ein Alarmsignal. Das Geschäftsmodell dieser Investoren sei, ihren Einsatz nach Möglichkeit zu vervielfachen, betonte er in einem Blogeintrag. „Wenn sie Risikokapital aufnehmen, geht es nicht mehr darum, ob sie vorhaben, ihre Nutzer zu verkaufen – sie haben es damit bereits getan“, kritisierte Balkan. „Ello – Goodbye“ betitelte er daher seinen Blogeintrag.

Ist Ello das große neue Ding?

Just besteht ein Run auf Ello, doch wie viele User es hat, bleibt unklar. Da mag das Konzept noch so interessant sein und das Design noch so simpel: Es bleiben einfach zu viele Fragen ob der Finanzierung und Datensicherheit offen. Ob dieser Zwitter aus Facebook, Twitter und Tumblr die Menschen auch dann noch anlockt, wenn wirklich jeder sich anmelden kann, ist ebenso fraglich. Die Exklusivität von Google+ am Anfang hat dem Netzwerk auch nicht geholfen, Facebook zu schlagen.

Zudem gab es in den vergangenen Jahren bereits mehrere Versuche, eine unabhängige Alternative zu Facebook aufzubauen. Für Aufmerksamkeit sorgte unter anderem das offene Projekt Diaspora. Wie viele Nutzer das Netzwerk hat, ist angesichts seiner stark dezentralen Organisation schwer zu bestimmen. Laut einer relativ umfassenden Statistik, die viele der Netz-Knotenpunkte berücksichtigte, waren es allerdings nur knapp 23000 aktive Nutzer pro Monat.

Ist Facebook einmal wieder am Ende?

Wohl kaum: Investoren mögen es, wenn sich etwas rechnet und User, wenn die Technik funktioniert und sie Freunde ohne große Probleme finden können. Daher: Totgesagte leben länger.

(Mit dpa)


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