Die Modedroge, die keine ist Ayahuasca-Rituale werden zunehmend in Europa angeboten

Von Eva Voß

Aus verschiedenen Pflanzenbestandteilen wird der Ayahuasca-Trank zusammengestellt. Er schmeckt so scheußlich, dass sich viele Konsumenten übergeben müssen. Foto: ICEERSAus verschiedenen Pflanzenbestandteilen wird der Ayahuasca-Trank zusammengestellt. Er schmeckt so scheußlich, dass sich viele Konsumenten übergeben müssen. Foto: ICEERS

Osnabrück. Vielerorts wird es als neue Modedroge, gar als das neue Ecstasy bezeichnet: Ayahuasca. Dabei wird das Gebräu, das aus verschiedenen Pflanzen des Amazonasgebiets hergestellt wird, schon seit Jahrtausenden von Schamanen als Heilmittel eingesetzt. Zunehmend gibt es nun solche Ayahuasca-Rituale auch in Europa – und die sind nicht ganz ungefährlich.

Ayahuasca bedeutet übersetzt „Liane der Geister“. Es ist keine einzelne Substanz, sondern enthält Stengel, Blätter und Wurzeln der Ayahuasca-Pflanze und wird zusammen mit anderen oft variablen pflanzlichen Zusätzen zu einem bräunlichen Gebräu verarbeitet. Weil es den Wirkstoff DMT (Dimethyltryptamin) enthält, führt es zu Halluzinationen und ist in den meisten Ländern – wie auch in Deutschland – verboten. Die Wirkungen reichen Berichten zufolge von visuellen Vorstellungen bis zu außerkörperlichen Erfahrungen. In Südamerika, vor allem in Peru, wird Ayahuasca bereits seit Jahrtausenden in schamanischen Ritualen konsumiert.

Wer früher an einer Ayahuasca-Zeremonie teilnehmen wollte, musste nach Südamerika reisen. Mittlerweise werden zunehmend in Europa, etwa in den Niederlanden und Österreich, solche Rituale angeboten. Eine Modedroge ist es deshalb aber nicht, findet Dr. Janine Schmid. Sie hat am Universitätsklinikum Heidelberg zum Thema Ayahuasca promoviert. „Es gibt vermehrt Konsumenten in Europa, weil die Substanz auch vermehrt in der Öffentlichkeit bekannt ist. Von einer Modedroge würde ich aber sicherlich nicht sprechen.“ Ayahuasca könne man nicht vergleichen mit anderen Drogen, die nur den Zweck hätten, sich damit zu berauschen: „Die meisten Menschen konsumieren Ayahuasca in Ritualen, und allein dadurch ist die Aufnahme schon aufwendiger als im Eigengebrauch zu Hause“, erklärt sie. Deshalb seien die Kosten auch meist höher als bei anderen Modedrogen. Zudem sei der Geschmack scheußlich, viele Konsumenten müssten sich immer wieder neu überwinden, die Substanz zu sich zu nehmen. Viele müssten sich dabei übergeben oder bekämen Durchfall. „Wer sich nur berauschen möchte, kann das sicher auf angenehmere Weise tun als mit Ayahuasca“, meint Schmid. Für die meisten Teilnehmer spiele der religiös-spirituelle Hintergrund seine sehr große Rolle. Manche seien auch auf der Suche nach Heilung, sei es von Erkrankungen oder auch im Sinne von religiöser Erlösung.

Wie viele Menschen in Europa genau Ayahuasca konsumieren, sei schwierig zu ermitteln: „Die Zahlen sind relativ undurchsichtig, weil es doch mehr oder weniger im illegalen Bereich stattfindet. Man weiß nicht so genau, ob es Hunderte sind oder doch Tausende“, so Schmid.

Auch der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) liegen bisher keine Daten vor, wie sie auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

Aufgrund des Wirkstoffs DTM ist die Substanz in den meisten Ländern verboten, so auch in den Niederlanden und Österreich. Weil sie aber dort, im Gegensatz zu Deutschland, nicht strafrechtlich verfolgt werden, gibt es dort zahlreiche Anbieter von Ayahuasca-Ritualen. Und genau das ist das Problem, wie Psychologin Schmid erklärt: „Je mehr Konsumenten und Anbieter es gibt, desto mehr schwarze Schafe tummeln sich darunter. Das sollte man wissen, wenn man an einer Zeremonie teilnehmen möchte.“ Früher sei der Trank in Peru häufig den Schamanen vorbehalten gewesen. Seit Ayahuasca populär geworden ist und sich gezeigt habe, dass damit viel Geld zu verdienen sei, habe sich das geändert. „Oft wissen die Teilnehmer gar nicht, ob es sich wirklich um die gewünschte Substanz handelt oder ob da irgendetwas anderes zusammengemischt wurde“, gibt Schmid zu bedenken. Zudem reagiere jeder Konsument anders auf psychoaktive Substanzen. Das werde auch bei der Anwendung von Cannabis deutlich, meint Schmid: „Man kann nicht sagen, dass Cannabis generell Schizophrenien auslöst, trotzdem gibt es eben manche, bei denen eine Psychose durch den Konsum ausgelöst wurde und die Gefahr besteht bei jeder psychoaktiven Substanz – also auch bei Ayahuasca.“

Auf manche Konsumenten könne die Substanz aber durchaus auch eine positive Wirkung haben, so die Psychologin: „Die Menschen, die ich für meine Dissertation befragt habe, hatten nach dem Ritual eine ganz andere Sicht auf die Welt. Sie sind durch den Gebrauch religiöser geworden, viel bewusster im Umgang mit anderen und disziplinierter.“ Viele hätten berichtet, früher gekifft und andere Drogen genommen zu haben, aber seit sie an einem Ritual teilgenommen hätten, distanzierten sie sich von anderen Drogen.

Aber ersetzen Konsumenten damit nicht die eine Drogenabhängigkeit mit einer anderen? „Nein, offenbar nicht. Es hat bereits einige Studien gegeben, sowohl im Tierversuch als auch beim Menschen, und demnach gibt es keinen Hinweis auf körperliche Abhängigkeiten. Psychologisch gesehen ist es möglicherweise schwieriger zu beurteilen“, meint Schmid.

Auf Ibiza findet derzeit eine internationale Konferenz zu Ayahuasca statt.