Apple iPhone 6 Test Tschüss, gesunder Menschenverstand: Das iPhone 6 im Test

Von Mark Otten


Osnabrück. Das iPhone 6 macht vieles richtig, was andere Smartphones mit großem Display bisher falsch gemacht haben. Kritikpunkte gibt es dennoch. Zumal sich Apple offensichtlich für seine Kunden auf den gesunden Menschenverstand pfeift. Das iPhone 6 im Test.

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In einer Werbung für das 2012 vorgestellte iPhone 5 warb Apple mit „gesundem Menschenverstand“. Die Aussage: Der Daumen erreicht den gesamten, vier Zoll großen Bildschirm – nur so ergibt ein Smartphone Sinn. Das sahen viele Kunden aber anders. Sie entschieden sich immer öfter für die Konkurrenz mit größeren Bildschirmen. Notgedrungen pfeift Apple also auf den „gesunden Menschenverstand“. Das muss man offensichtlich ab und zu, wenn man sich nach den Wünschen der Kunden richtet. Das iPhone 6 im Test.

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Das Display: groß und scharf

Das iPhone 6 hat eine Bildschirmdiagonale von 4,7 Zoll respektive 11,94 Zentimeter. Das sind rund zwei Zentimeter mehr als beim iPhone 5S . Dennoch passt das Gerät gut in die Hosentasche – auch wenn es vereinzelte Berichte gibt, nach denen sich vor allem das große iPhone 6 Plus bei dieser Transportvariante verbiegt. Der Bildschirm liefert satte, natürlich Farben und scharfe Texte. Fotos, Videos und Webseiten sehen einfach gut aus. Auch die Lesbarkeit im Sonnenlicht hat sich verbessert. Unschön: Erschreckend wenige Apps sind bislang an die großen Displays angepasst. Sie werden einfach passend hochgerechnet. Die Entwickler sind gefragt.

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Optik: vorne ganz schick, hinten nicht

Die Vorderseite des iPhone 6 sieht schlicht und hochwertig aus und besteht komplett aus Glas. Allerdings ist die typische Apple-Ästhetik etwas verloren gegangen. Einzig der Touch-ID-Sensor verrät, dass es sich hier um ein iPhone handelt. Optisch fällt die Rückseite etwas aus dem Rahmen: Die Verläufe der Antennen, und vor allem die vorstehende Kameralinse, passen nicht zum restlichen Design.

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Haptik: Gewohnt hochwertig, aber glatt

Trotz der gewachsenen Ausmaße und dem Einsatz von Aluminium und Glas liegt das iPhone 6 gut in der Hand. Das neue Apple-Flagschiff ist kaum schwerer als sein kleinerer Vorgänger, das iPhone 5S, und sogar leichter als die Plastikausgabe iPhone 5C. Das liegt vor allem an der flachen Bauweise von nur 6,9 Millimetern. Das abgerundete Gehäuse macht es zum Handschmeichler, durch die glatte Rückseite fehlt jedoch ab und an der nötige Halt.

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Bedienung: gewöhnungsbedürftig

Ein Vorteil der neuen Größe: Der Bildschirm zeigt mehr Inhalte an. Der größte Nachteil: Es gibt keine einheitliche Bedienung mehr. Das iPhone 6 passt zwar noch in eine Hand und lässt sich zum Großteil auch mit dem Daumen bedienen, aber eben nicht immer. Um in die oberen Ecken oder den oberen Rand zu gelangen, muss man umgreifen und den stabilisierenden kleinen Finger von unten an die Seite des Geräts legen. Das ist umständlich und verschlechtert die Griffsicherheit. Alternativ hilft der Betrieb im Querformat.

Immerhin hat Apple weitergedacht, als die Hersteller anderer großer Smartphones: Durch zweifaches Tippen auf den runden Touch-ID-Sensor rutscht der Bildschirminhalt in daumenfreudliche Gebiete nach unten. Das erspart das Umgreifen, doch im oberen Drittel des Bildschirms herrscht dann Leere. Die Verlegung des Sperrknopfes vom Kopf an die Seite des iPhones ist jedoch eine gute Lösung.

Kamera: ein echtes Plus

Die Kamera zählt zu den wichtigsten Dingen eines Smartphones. Und das iPhone 6 punktet hier kräftig – abgesehen davon, dass sie aus dem Gehäuse heraussteht. Die Acht-Megapixel-Kamera im iPhone 5S war schon gut. Im iPhone 6 hat sich bei den Megapixeln nichts geändert, und trotzdem ist die Kamera noch besser geworden. Die sogenannten „Fokus Pixel“ sorgen für einen schnellen, kontinuierlichen Autofokus auch bei Videoaufnahmen. Dort ist auch die Bildstabilisation verbessert. Jede Menge Spaß bringen die Slow-Motion-Videos. Freunde von Selfies werden sich über die lichtstärkere Frontkamera freuen.

Touch-ID: in Deutschland kein Mehrwert

Den Fingerabdrucksensor Touch-ID kennen iPhone-Nutzer vom iPhone 5S. Das Entsperren des Bildschirms hat auf diese Weise in unseren Tests tadellos funktioniert. Offen ist allerdings, ob und wann der Sensor für Bezahlvorgänge zum Einsatz kommt – immerhin ein Hauptverkaufsmerkmal des iPhone 6. Der hauseigene Bezahldienst Apple Pay ist zunächst nur in den USA verfügbar und funktioniert nur mit dem iPhone 6, dem iPhone 6 Plus und ab 2015 mir der Apple Watch. Für deutsche Interessenten bietet Touch-ID momentan also keinen weiteren Mehrwert.

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Akku: erfreulich normal

Trotz des größeren Displays und der flachen Bauweise hält der Akku des iPhone 6 länger als der des iPhone 5S. Während die Stand-by-Dauer von zehn Tagen gegenüber der des Vorgängers gleich ist, sind in Benutzung immer ein paar Stündchen mehr drin. In unserem Test hielt der Akku trotz häufiger Nutzung locker einen Tag durch. Das ist für aktuelle Smartphones ein normaler Wert.

Fazit: eine Frage der Bedürfnisse

Das iPhone 6 ist ein echtes Oberklasse-Smartphone. Der Bildschirm ist ausgezeichnet, die Verarbeitung gewohnt hochwertig. Wer sich in Apples Ökosystem wohlfühlt, wird mit dem Gerät viel Freude haben. Mit dem größeren Display folgt Apple notgedrungen den Wünschen vieler Kunden. In Sachen Bedienbarkeit war das womöglich eine falsche Entscheidung. Auch wenn Apple das Problem erkannt hat und dafür eine Softwarelösung bietet.

Wer bei seinem iPhone großen Wert auf einhändige Bedienung legt, sollte lieber zum etwas kleineren – und günstigeren – iPhone 5S greifen. Die Preise für das Apple iPhone 6 beginnen bei Hersteller-typisch happigen Preisen ab 699 Euro. Und der Mehrwert Apple Pay kommt in Deutschland noch nicht zum Tragen.

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