Reisepreis nicht gemindert Gerichtsurteile: Wo Urlauber vergeblich klagen

Von Wolfgang Büser

Im All-inclusive-Urlaub kann‘s schon mal hoch hergehen. Foto: ImagoIm All-inclusive-Urlaub kann‘s schon mal hoch hergehen. Foto: Imago

Kamen. Die Sommerurlaube sind beendet, und es hat die Zeit begonnen, in der genervte, enttäuschte oder empörte Erholungsuchende gegen erlebte Missstände am Urlaubsort oder im Urlaubshotel gerichtlich vorgehen. Das geschieht immer dann, wenn eine gütliche Einigung nicht erzielt werden konnte. Die abgefahrensten Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit:

Hund macht „aufs Deck“. Auf einer Kreuzfahrt fuhr auch der Hund eines Künstlers mit, der zum Ensemble des Show-Programms gehörte. Auch der Vierbeiner hatte täglich seinen Auftritt. Und zwar immer dann, wenn er auf dem Passagierdeck „sein Geschäft verrichtete“, was meist zweimal am Tag vorkam. Die Gäste hätten auf diesen Programmpunkt gerne verzichtet und verlangten – wieder daheim – eine Preisminderung. Das Amtsgericht Offenbach entschied jedoch, dass es den Preisnachlass nicht geben müsse, weil der Hund „keinerlei gesundheitliche Risiken verursacht“ habe. Schließlich habe er „verschiedene medizinische Tests durchlaufen“, bevor er mit an Bord kommen durfte. (AZ: 340 C 29/08)

Je geringer der Preis... In einem Fall vor dem Amtsgericht Viersen war einem Hotelier das Auftreten einiger Gäste ein Dorn im Auge. Hier ging es um das Benehmen eines Paares, das heftig Alkohol genoss und – nach mehreren Eskapaden – schließlich mit Polizeieinsatz aus dem (All-inclusive-)Hotel entfernt wurde. Auch in der Ersatzunterkunft ging der Ärger weiter. Die beiden nutzten direkt nach Ankunft dort die „Sauf-Flatrate“ hemmungslos, stritten mit dem Hotelmanager und erhielten schließlich Hausverbot. Das Paar düste nach Hause und verlangte, dass die fehlenden Urlaubstage vom Veranstalter zu erstatten seien. Es bekam recht. Das Gericht schaute sich das Preis-Leistungs-Verhältnis der Reise genau an und stellte fest, dass sich Urlauber auf einer sehr günstigen „All-inclusive-Reise“ erheblich mehr „erlauben“ dürften als bei „anderweitigen Reisegestaltungen“. Begründung: All-inclusive-Reisen zeichneten sich dadurch aus, dass den Kunden „für den Pauschalpreis vor Ort Speisen und auch alkoholische Getränke in unbegrenzten Mengen zum Verzehr zur Verfügung“ stünden. Treffe eine solche Gestaltung mit einer Reise im unteren Preissegment – hier: 521 Euro für eine 18-tägige Reise in die Türkei – zusammen, so stelle „der vermehrte Konsum alkoholischer Getränke ein geradezu typisches Reiseverhalten dar“. Der Amtsrichter hielt den „ersten und einmaligen“ Fehltritt im zweiten Haus für nicht ausreichend, das Pärchen so schnell des Hauses zu verweisen. (Az. 2 C 446/11)

Wer „nicht gestört“ werden will, muss leiden... Eine allein reisende Frau hatte an ihrer Hotelzimmertür in Sharm El Sheikh das Schild „Do not disturb!“ angebracht. Ihr daheimgebliebener Ehemann versuchte abends, die Hotelleitung dazu zu bewegen, die Tür zu öffnen, weil seine Gattin sich an diesem Tag noch nicht bei ihm gemeldet habe. Der Hotelier kam dieser Aufforderung nicht nach, weil kein besonderer Anlass bestand, den Wunsch der Frau zu ignorieren und zu kontrollieren, ob ihr etwas zugestoßen sein könnte. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main schloss sich dem an. Leider war der Frau doch etwas zugestoßen. Sie war nach einem Nierenversagen ins Koma gefallen und litt lange an den Folgen, weil das Zimmer erst am nächsten Tag geöffnet wurde. Der Veranstalter wurde vom Ehemann auf Reisepreisminderung plus Schadenersatz verklagt – ohne Erfolg. Das Gericht billigte das Verhalten des Hotels, weil ein „massiver Eingriff in die Privatsphäre“ der Dame vorher objektiv nicht zu rechtfertigen gewesen wäre. (Az. 16 U 23/09)

Schlechtes Wetter. Ein Urlauber, der auf den Seychellen überwiegend baden und schnorcheln wollte, beklagte sich nach der Rückkehr über die hohen Wellen, die sein Vorhaben erblich beeinträchtigt hätten. Er verlangte eine Preisminderung wegen schlechten Wetters. Er kam damit vor dem Landgericht Hannover nicht durch. Es habe sich lediglich ein natürliches Risiko von Meer und Wetter verwirklicht, das vom Reisenden grundsätzlich hingenommen werden müsse. Kein verständiger Reisender könne erwarten, dass ein Reiseveranstalter durch eine allgemeine Klimabeschreibung im Reiseprospekt generell Unwägbarkeiten der Natur und deren Folgen ausschließen wolle. Er habe keinen Einfluss auf Naturereignisse wie schlechtes Wetter und werde darauf bezogen kein „Erbringer der Leistung“. (Az. 1 O 59/09)

Rippenbruch durch Massage. Ein Türkei-Pauschalurlauber, der an einem vom Reiseveranstalter organisierten Ausflug teilnimmt, erlitt beim Besuch eines türkischen Bades während einer Massage einen Rippenbruch. Er verlangte Schadenersatz vom Masseur (beziehungsweise vom Badbetreiber) und ging den Reiseveranstalter an – vergeblich. Das Oberlandesgericht Düsseldorf erklärte dem durchgekneteten Urlauber, dass der Organisations- und Verantwortungsbereich des Veranstalters nicht die Sicherheit „innerhalb von Ausflugszielen“ umfasse. (AZ: 12 U 129/05)


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