Hochspezifische Störung Warum töten Mütter ihre kleinen Kinder?

Von dpa

Eine Frau legt im August 2014 in Bakum ein Kuscheltier vor das Grab des auf einer Autobahn-Toilette gefundene toten Baby. Der Junge wurde nach einer Trauerfeier auf dem Friedhof der katholischen Kirche in Bakum beigesetzt. Foto: dpaEine Frau legt im August 2014 in Bakum ein Kuscheltier vor das Grab des auf einer Autobahn-Toilette gefundene toten Baby. Der Junge wurde nach einer Trauerfeier auf dem Friedhof der katholischen Kirche in Bakum beigesetzt. Foto: dpa

Lübeck/Kiel. Immer wieder findet die Polizei Babyleichen - in Tiefkühltruhen, Blumenkübeln oder wie zuletzt in Hamburg in einem Schließfach. Was geht in Müttern vor, die ihre Neugeborenen töten und anschließend versteck

Mütter, die ihre Kinder unmittelbar nach der Geburt töten, leiden nach Aussagen der Kieler Kriminologin Monika Frommel unter einer hochspezifischen psychischen Störung. In gewissem Sinne sei das eine Art der Geisteskrankheit, gegen die es kein Mittel gebe, sagte Frommel am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Solche Fälle von Neugeborenentötung seien weniger eine Folge von Armut oder geringer Bildung als vielmehr ein Zeichen gestörter Kommunikation im Umfeld der Frau, sagte die frühere Direktorin des Instituts für Sanktionenrecht und Kriminologie der Universität Kiel.

Zwei tote Babys in Schließfach entdeckt

„Gerade wenn eine Frau wie im aktuellen Fall in Hamburg mehrere Kinder nach der Geburt tötet, liegt die Vermutung nahe, dass die Kommunikation in ihrem Umfeld gestört ist“, sagte Frommel. Am Donnerstag hatte die Polizei in einem Schließfach im Hamburger Hauptbahnhof zwei Babyleichen entdeckt. Ermittlungen ergaben, dass die heute 39 Jahre alte Mutter der Kinder bereits im Jahr 2011 ein totes Baby auf einem Friedhof in ihrem Wohnort Bad Schwartau bei Lübeck zwischen Gräbern abgelegt hatte.

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„In den meisten Fällen halten die Frauen ihre Schwangerschaften vor ihrer Umwelt geheim oder verdrängen sie gar vor sich selbst. Spätestens bei der letzten Presswehe realisieren sie dann, dass etwas Schreckliches passiert, und sie geraten in Panik“, sagte die Kriminologin.

Mutter gibt nach Tod von Baby Geschwisterkindern die Schuld

Dass die Mütter die toten Körper oft im Haus, der Tiefkühltruhe oder in einem Schließfach versteckten, zeige auch ihren inneren Zwiespalt. „Sie haben Angst vor Entdeckung, wollen sich aber auch nicht von dem Kind trennen“, sagte Frommel. „Solch eine Störung kann aber nur von einem auf Sexualwissenschaft spezialisierten Gutachter erkannt werden“, sagte sie.

Was ist mit den Vätern?

Sie kritisierte, dass die Rolle der Väter oft zu wenig hinterfragt werde. „Sie sagen meist, sie hätten von der Schwangerschaft ihrer Partnerin nichts bemerkt. Das halte ich für eine Schutzbehauptung“, sagte die Kriminologin.

In Wahrheit sei die Kommunikation in der Partnerschaft und der Familie nachhaltig gestört, so dass die Wiederholungsgefahr groß sei. „Mit dem Strafrecht kann man dieses Problem nicht lösen“, sagte Frommel.