Ach so! Warum fällt der Apfel vom Baum?

Von Eva Voß

So wünscht es sich der Apfelbaum: Seine Gene werden möglichst weit verbreitet. Foto: ImagoSo wünscht es sich der Apfelbaum: Seine Gene werden möglichst weit verbreitet. Foto: Imago

Osnabrück. Zurzeit wird kiloweise heimisches Obst, wie etwa Äpfel, in Supermärkten und auf Wochenmärkten zum Kauf angeboten. Viele von ihnen sind gerade erst von den Bäumen gefallen. Doch warum fällt der Apfel vom Baum?

Wer jetzt glaubt, es hängt mit dem Gewicht des Apfels zusammen, der liegt falsch. „Dass der Apfel vom Baum fällt, ist wichtig für die Fortpflanzung“, erklärt Julian Heiermann, Zoologe beim Naturschutzbund. Samen von Pflanzen lassen sich laut Heiermann in zwei große Kategorien unterteilen. Es gebe zum einen die feinen Samen, die durch den Wind verbreitet werden, wie etwa bei der Birke. Pflanzen wie Apfelbäume oder auch Kokospalmen, deren Samen groß und schwer sind, könnten sie dagegen nicht so leicht verbreiten, weil sie für den Wind zu schwer seien. „Der Apfel besteht überwiegend aus Fruchtfleisch. Und genau das ist sein Trick“, erklärt Heiermann, „Tiere oder Menschen sollen sich vom Fruchtfleisch ernähren und dadurch die Samen verbreiten.“ Weil viele Säugetiere keine guten Kletterer seien, müssten daher die Äpfel im genießbaren Zustand auf den Boden fallen, um von Tieren und Menschen fortgetragen zu werden.

Aber woher weiß der Baum, wann ein Apfel reif und genießbar ist und auf den Boden fallen sollte? „Das erkennt er am Pflanzenhormon Ethen“, so der Zoologe. Laubbäume, die ihre Blätter im Herbst abwerfen, haben Sollbruchstellen an ihren Blättern und auch an ihren Früchten. Wo diese Stelle genau ist, werde durch das Hormon gesteuert. Zu einer bestimmten Zeit, wenn der Apfel reif ist, schütte er das Hormon aus. An den Sollbruchstellen führe es dazu, dass Zellen absterben. Heiermann: „Das ist ähnlich wie bei einem menschlichen Bauchnabel nach einer Geburt. Der wird abgeklemmt, und irgendwann löst sich der Bauchnabel beim Baby. Genauso löst sich dann irgendwann der Stiel vom Apfel oder Blatt direkt am Ast.“ Im für den Baum besten Fall würde der Apfel von einem Säugetier aufgenommen und fortgetragen oder direkt gefressen. Weil die Kerne nicht verdaulich seien, würden sie woanders ausgeschieden und vielleicht zu einem neuen Baum heranwachsen. Auf diese Weise könne der Baum seine Gene möglichst weit verbreiten. Übrigens: Lassen sich die Äpfel nur sehr schwer vom Ast trennen, sind sie auch noch nicht reif.