Neue Kameras und Objektive Lichtfeld-Technik und andere Trends zur Photokina 2014

Von Christof Haverkamp

Ein Highlight auf der Photokina ist die Lichtfeldkamera Lytro Illum von der Experten nicht weniger als eine Revolution in der Fotografie erwarten. Foto: dpaEin Highlight auf der Photokina ist die Lichtfeldkamera Lytro Illum von der Experten nicht weniger als eine Revolution in der Fotografie erwarten. Foto: dpa

Köln/Osnabrück. Neue Kameras, neue Techniken, neue Objektive: Die Photokina 2014 ist die größte Messe der Welt für die Fotobranche. Hier ein Überblick über einige Trends.

Liebe Fotofreunde,

am Donnerstag war ich auf der Photokina 2014 in Köln und bin am Abend ein wenig erschöpft von dem Gang durch die Messehallen zurückgefahren. Ich habe viele Eindrücke mitgenommen und mehrere Kilo Papier mit nach Hause geschleppt – Prospekte, Infos über Neuheiten, Fotozeitschriften. Der Tag war anstrengend, vor allem aber spannend. Besonders gut gefallen haben mir die Bilderschauen. Etwas schmunzeln musste ich über manche Produkte. Dazu später mehr.
An vielen Ecken gab es Vorträge. Viele Leute drängten sich zum Beispiel beim Photoshop-Künstler Celvin Hollywood , der sich durch das Internet einen Namen gemacht hat. Auf lockere Art und Weise zeigte er einige Tricks. Sehenswert! Gut gefallen hat mir auch der Vortrag von Reinhard Eisele , , einem Reise- und Naturfotografen. Er lebt in Oberbayern, ist aber beruflich in der ganzen Welt unterwegs, um Aufnahmen zu machen. „Das Wetter ist unser Regisseur“, sagt Eisele, und er hat anhand von Beispielen gezeigt, dass man tatsächlich auch dann gute Aufnahmen machen kann, wenn gerade die Sonne nicht scheint. So war er auf einer der kanarischen Inseln. Klar, im Westen geht die Sonne unter, im Osten ist Sonnenaufgang. Aber bei Nebel lässt er sich treiben, fährt mit dem Mietwagen über die Insel. Und so entstanden Fotos, die er bei Sonnenschein wohl nicht gemacht hätte. Dass sich Ausdauer lohnt, belegte Eisele an einem Bild seiner bayerischen Heimat – einem See, in dem sich das bunt gefärbte Herbstlaub spiegelt. Immer wieder ist der Fotograf an diese Stelle zurückgekehrt, bis es endlich, so windstill war, dass sich das Wasser spiegelte.

Alternative für Superteleobjektive



Auf der Photokina gibt es ja auch immer wieder zahlreiche Neuheiten. Eine hat mich überrascht. Sie kommt von der österreichischen Firma Swarovski Optik, die sich mit ihren Teleskopen und Ferngläsern vor allem an Jäger und Beobachter von Vögeln richtet. Mithilfe eines Adapters kann man ein iPhone oder eine Kamera an Teleskop oder Fernglas anschließen und Bilder aufnehmen. Die Qualität fand ich beeindruckend. Das ist eine ernst zunehmende Alternative für Superteleobjektive von 600mm, für die man schon mal locker 7000 Euro hinblättern muss. Ein Teleskop ist zwar auch keineswegs billig, aber immerhin um ein Vielfaches günstiger. Zugleich kommt man damit noch in viel längere Brennweiten-Bereiche (weit über 1000mm) hinein, was sich bei scheuen Tieren lohnt. Die Blende kann man zwar nicht steuern, aber das muss nicht zwingend ein Nachteil sein, wie mir ein Filmemacher erklärte. Anders sieht es möglicherweise bei der Scharfstellung aus, denn die ist nur (per Live-View) manuell möglich. Wie das Ganze funktioniert, zeigen (auf Englisch) auch diese beiden Videos:


Viel Beachtung fand in Köln die Lichtfeldkamera Lytro Illum. Experten erwarten davon sogar eine Revolution in der Fotografie. Der Vorteil einer Lichteldkamera liegt darin, dass sich dank einer speziellen Technik der Schärfebereich einstellen lässt. Man kann auf der Homepage von Lytro schon mal einen Eindruck gewinnen . Zusätzlich zur Farbe und Intensität erfasst der Sensor mit Hilfe von Mikrolinsen auch die Richtung, aus der die Lichtstrahlen kommen. Die Lytro Illum hat einen 30-250mm-Zoom mit einer durchgängigen Lichtstärke von Blende 2.
Eine Schwäche ist aber noch die geringe Auflösung von 40 Megaray. Das entspricht etwa vier Megapixeln und ermöglicht nur den Ausdruck akzeptabler Bilder in der Größe von etwa 10x5 Zentimetern. Die Kamera kostet 1599 Euro. Ich vermute, viele Fotografen warten erst einmal ab, wie damals, als die Digitalkameras noch in den Kinderschuhen steckten.

Neue Modelle bei Spiegelreflexkameras



Nun etwas zu den Spiegelreflexkameras. Alle großen Hersteller haben natürlich ihre neuen Modelle vorgestellt. Nikon präsentiert (eben der D810) die D750. Es handelt sich um eine Vollformat-Kamera mit 24,3 Megapixel, einem neuen Sensor, verbessertem Kamerabody, aufklappbarem Monitor und integriertem WLAN. Bei Canon ist das neue Top-Modell die 7D Mark II, das die beliebte 7D ersetzt. Der APS-Sensor bietet eine Auflösung von 20,2 Megapixel. Die Kamera kann Reihenaufnahmen mit bis zu zehn Bildern pro Sekunde machen, was vor allem Sportfotografen interessieren dürfte. Wesentlich verbessert ist der Autofokus mit 65 Fokuspunkten. Nachgelassen hat das Interesse an preiswerten Kompaktkameras, weil Smartphones inzwischen immer bessere auflösende Bilder produzieren. Sie werden als Kameras genutzt, die man immer dabei hat und mit denen man Bilder schnell teilen kann.

Megazoom-Objektive



Für Gesprächsstoff sorgen bei den Objektiven vor allem Zooms, die einen riesigen Brennweitenbereich abdecken. Tamrom wirbt mit einem Megazoom von 16-300mm (f/3,5-6,3), Sigma mit einem von 18-300mm (f/3,5-6,3). Von Sigma gibt es zudem ein Telezoom 150-600mm in zwei Ausführungen. Ich bin gespannt, was die Tests von Fotozeitschriften über die Qualität sagen. Früher waren Fotografen oft skeptisch.

Auf den Hund gekommen



Zum Abschluss noch zu einigen etwas skurrilen Kameras. Viele Stände waren dicht umlagert. Bei den Anbietern der chinesischen Fotoapparate der Marke Holga war das nicht so. Angeblich sollen die Geräte Kultstatus haben. Es handelt sich nicht um Digitalkameras, sondern um analoge Geräte, die man mit einem Rollfilm im Mittelformat füttern muss. Das Gehäuse aus Plastik fühlt sich an wie eine Spielzeugkamera. Ein Gerät in Tarnfarbe, dass mich an die Bundeswehr erinnert hat, ist bereits für 30 Euro zu haben.
Erstmals auf der Photokina vertreten war Go Pro, einer der Hersteller von Action Cameras. Das ist ein rasch wachsender Markt. Als ich nach den Neuheiten fragte, wurde mir ein ausgestopfter Hund gezeigt. Die Go Pro kann man jetzt also auch seinem treuen Tier auf den Rücken schnallen, es soll ihnen angeblich gefallen. Go Pro ist also buchstäblich auf den Hund gefallen.

Die Photokina ist übrigens noch bis Sonntagabend, 18 Uhr, geöffnet.

Gut Licht!

Christof Haverkamp

Weitere Beiträge zur Fotografie finden sich unter www.noz.de/fotografieren