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Studie: Klimawandel verringert Anzahl der Ernten

Von dpa

Eine sudanesische Bäuerin reinigt ausgedroschene Sorgum-Körner (eine Hirseart) nahe der Stadt bei Mukjar auf einem Feld in West-Darfur im Sudan. Foto: Peter Steffen/ArchivEine sudanesische Bäuerin reinigt ausgedroschene Sorgum-Körner (eine Hirseart) nahe der Stadt bei Mukjar auf einem Feld in West-Darfur im Sudan. Foto: Peter Steffen/Archiv

München. Der Klimawandel vergrößert nach Angaben Münchner Forscher zwar die weltweite Agrarfläche, die Zahl der Ernten werde aber sinken. Das neue Nutzland könnte zudem nur mäßig für den Pflanzenbau verwendet werden.

Dies geht aus einer Simulation des Departments für Geographie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hervor. Die Wissenschaftler hatten untersucht, inwiefern sich die Erderwärmung auf die Böden auswirkt. Demnach wird etwa die Möglichkeit mehrerer Ernten pro Jahr in den Tropen deutlich reduziert.

Der Simulation zufolge erhöht sich die landwirtschaftlich nutzbare Fläche bis zum Jahr 2100 weltweit um etwa 5 Millionen Quadratkilometer. Insbesondere Länder in der nördlichen Hemisphäre wie China, Kanada und Russland würden vom Klimawandel profitieren, da dort mehr Ackerland entstehen könne.

«Die hinzukommenden Flächen sind aber meist nur mäßig für die Landwirtschaft geeignet. Vor allem der Anteil der sehr gut geeigneten Flächen nimmt ab», sagte Erstautor Florian Zabel. In den tropischen Gebieten Brasiliens, Asiens und Zentralafrikas würden sich die Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion verschlechtern. Über ihre Arbeit berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «PLOS ONE».

Ob allerdings auch die Erntemenge abnehmen wird, ist noch unklar. «Der künftige Ertrag hängt auch noch entscheidend davon ab, ob man den Anbau auf den jeweiligen Flächen gut oder schlecht managt», erläuterte Zabel. Wichtig sei es etwa, Sorten anzubauen, die an den Klimawandel angepasst sind und auch die Bewässerung darauf einzustellen. «Eine mögliche Anpassung war nicht Gegenstand der Studie.»

«Unsere Ergebnisse sind mit Blick auf aktuelle Schätzungen brisant, wonach sich die Nachfrage nach Nahrung aufgrund der steigenden Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 voraussichtlich verdoppeln wird», betonte Zabel. Hinzu komme der zusätzliche Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen für Futtermittel infolge des steigenden Fleischkonsums und für Pflanzen zum Ausbau der Bioenergie. Derzeit werden nach Angaben der Forscher bereits zwei Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen auch dafür verwendet.

Die Wissenschaftler sehen dennoch Potenzial, der drohenden Abnahme von sehr fruchtbarem Ackerland entgegenzuwirken. Weitere Studien sollen ermitteln, inwiefern die Landnutzung unter Bewahrung der Ökosysteme optimiert und die Effizienz der Landwirtschaft gesteigert werden können. Künftig solle etwa weiter erforscht werden, welche Pflanzen unter den jeweiligen Bedingungen am besten wachsen. Zudem müssten die Landwirte entsprechend geschult werden.