Tipps für Studenten Wie finanziere ich mein Studium?

Von Eva Voß

Wem das nötige Kleingeld für das Studium fehlt, kann versuchen, Ausbildungsförderung (Bafög) vom Staat zu bekommen. Allerdings muss ein Teil im Anschluss des Studiums zurückgezahlt werden. Foto: ImagoWem das nötige Kleingeld für das Studium fehlt, kann versuchen, Ausbildungsförderung (Bafög) vom Staat zu bekommen. Allerdings muss ein Teil im Anschluss des Studiums zurückgezahlt werden. Foto: Imago

Osnabrück. In wenigen Wochen beginnt für die Studienanfänger in Deutschland ein neuer Lebensabschnitt. Die Fragen, was und wo sie studieren wollen, sind bei den meisten geklärt. Im Gegensatz zur Finanzierung. Hilfe dabei bieten die jeweiligen Studentenwerke vor Ort. Andreas Osterfeld, Leiter der Studienfinanzierung beim Studentenwerk Osnabrück, erklärt, worauf es ankommt.

„Die meisten Studenten, immerhin 87 Prozent, werden laut einer Studie des Deutschen Studentenwerkes finanziell von ihren Eltern unterstützt“, sagt Andreas Osterfeld. Darüber hinaus würden 63 Prozent jobben, 32 Prozent erhalten demnach Bafög. Etwa vier Prozent würden zur Finanzierung ihres Studiums einen Kredit aufnehmen, genauso viele würden Gelder aus Stipendien erhalten. Viele Studenten würden die verschiedenen Finanzierungswege auch kombinieren.

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Bafög: Osterfeld rät zunächst einmal jedem, einen Antrag zu stellen, auch wenn der Rechner im Internet vielleicht ausgespuckt hat, dass es nichts gibt. „Die Rechner sind nicht immer ganz genau, deshalb sollten sich Studenten nicht auf die Ergebnisse verlassen“, erklärt er. Grundsätzlich sei das Bafög eine der günstigsten Möglichkeit, das Studium zu finanzieren. Wer förderungsberechtigt ist, wird durch verschiedene Kriterien festgelegt: Grundsätzlich haben deutsche Staatsbürger und bestimmte EU-Bürger Anspruch auf Ausbildungsförderung. Unter bestimmten Umständen haben auch ausländische Studierende Anspruch, das muss individuell mit dem jeweiligen Studentenwerk geklärt werden. Gefördert wird zudem grundsätzlich nur im Erststudium an staatlichen Hochschulen, wobei auch das Masterstudium als Erststudium gilt. Wichtig: Der Staat finanziert nur eine (hoch-)schulische Ausbildung. Das heißt, wer zum Beispiel bereits eine schulische Ausbildung als Sozialassistent und als Erzieher gemacht hat, hat eventuell keinen Anspruch mehr auf Bafög. Förderung ist dann nur noch in Ausnahmefällen möglich. Das muss mit dem Studentenwerk vor Ort geklärt werden. Wer Bafög beantragt, darf bei der Aufnahme eines Bachelor-Studiengangs nicht älter sein als 29, beim Masterstudiengang nicht älter als 34. Auch hier sind Ausnahmen möglich, wie etwa Kindererziehungszeiten.

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Der jeweilige Bafög-Satz wird abhängig vom eigenen Einkommen und Vermögen sowie dem Einkommen der Eltern und des Ehepartners errechnet. Zurzeit werden höchstens 670 Euro pro Monat gezahlt. Die Hälfte davon ist staatlicher Zuschuss, die andere Hälfte ein zinsfreies Darlehen. Unter bestimmten Umständen kann auch elternunabhängiges Bafög beantragt werden. Das muss individuell geklärt werden.

Wer Ausbildungsförderung erhält, darf sich zwar Geld dazuverdienen, es dürfen aber nicht mehr als 407 Euro pro Monat oder 4888 Euro im Jahr sein, sonst sinkt der monatliche Förderungsbetrag. Zudem dürfen Studenten nicht mehr als 5200 Euro Vermögen haben, auch in diesem Fall wird ansonsten der Satz gekürzt. Vorsicht: Wer mehr Vermögen hat, sollte es nicht kurzfristig an Eltern oder Geschwister überweisen und dort „parken“. Die Studentenwerke sind berechtigt, einen Datenabgleich zu machen.

Wer sich sein Studium mit Geld vom Staat finanziert, muss nachweisen, dass er auch Leistungen erbringt. So ist ab dem fünften Fachsemester in jedem Fach ein Leistungsnachweis zu erbringen. Die Voraussetzungen dafür unterscheiden sich von Fach zu Fach. Zudem gibt es Geld nur bis zum Ende der Regelstudienzeit. Auch hier sind Ausnahmen etwa wegen Krankheit oder Kindererziehung möglich.

„Der größte Vorteil des Bafög im Vergleich zu anderen Möglichkeiten der Studienfinanzierung ist die Rückzahlung“, erklärt Andreas Osterfeld. Denn zurückgezahlt werden muss nur die Hälfte des erhaltenen Geldes und höchstens 10000 Euro. Die Rückzahlung beginnt fünf Jahre nach Ablauf der Förderungshöchstdauer. Das Darlehen ist zinsfrei und kann in Raten von monatlich 105 Euro zurückgezahlt werden. Kann man die Bafög-Schulden auf einmal zurückzahlen, ist ein Teilerlass möglich. Wer weniger als 1070 Euro im Monat verdient, kann sich von der Rückzahlung für ein Jahr freistellen lassen.

Tipp: Antrag am besten schon jetzt stellen, dann gibt es auch schneller Geld. Ausführliche Infos zum Bafög gibt es im Internet unter: www.bafoeg.de oder beim jeweiligen Studentenwerk.

Studienkredit: Wer kein Bafög erhält und seine Eltern nicht um Hilfe bei der Finanzierung des Studiums fragen kann oder möchte, für den bietet sich ein Studienkredit an. „Ein Studienkredit sollte aber immer nur die letzte Möglichkeit sein“, so Osterfeld. Denn im Gegensatz zum Bafög sei dieser Kredit nicht zinsfrei, und die volle Summe müsse zurückgezahlt werden. Laut Stiftung Warentest macht das beste Angebot die staatliche Förderbank KfW. Zwischen 100 und 650 Euro können sich Studenten mit einem solchen Kredit monatlich auszahlen lassen. Die Auszahlungsphase läuft maximal sieben Jahre. Voraussetzung ist, dass der Student nicht älter als 44 Jahre alt, deutscher Staatsangehöriger ist sowie an einer Hochschule in Deutschland studiert. Für ausländische Studenten sind unter bestimmten Umständen Ausnahmen möglich. Wer bei der KfW einen Studienkredit beantragen will, kann das auch über das Studentenwerk machen.

Die Rückzahlungsphase beginnt nach Ablauf der tilgungsfreien Karenzphase, die zwischen sechs und 23 Monate betragen kann. Die Verzinsung des Darlehens ist variabel und wird halbjährlich an die Kapitalmarktentwicklung angepasst. Zurzeit liegt sie bei einem effektiven Jahreszins von 3,33 Prozent im Jahr. Weitere Informationen unter www.kfw.de oder beim Studentenwerk.

Bafög-Bankdarlehen: In manchen Fällen, etwa weil der Grundanspruch auf Ausbildungsförderung aufgrund einer vorherigen Ausbildung schon ausgeschöpft ist, kann ein Bafög-Bankdarlehen beantragt werden, um das Studium zu finanzieren. Dieses Darlehen kommt zum Beispiel auch infrage, wenn sich durch einen zweiten oder weiteren Fachrichtungswechsel die Studiendauer verlängert hat. Beantragt wird es beim Studentenwerk, das darüber entscheidet, ob ein Staats- oder ein Bankdarlehen gewährt wird. Im Gegensatz zum Bafög muss das Geld allerdings voll zurückgezahlt werden. Informationen und Voraussetzungen unter: www.bafoeg.de

Stipendien: Mit Stipendien sollen besonders begabte junge Studenten, unabhängig vom Einkommen der Eltern, gefördert werden. Die Förderung umfasst unterschiedliche Leistungen, zum Beispiel: Stipendien für Unterstützungsbedürftige, Büchergeld oder Finanzierung von Auslandsaufenthalten. Die Begabtenförderungswerke setzen unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte. Wer sich für ein Stipendium bewerben möchte, sollte sich vorher über die jeweilige Institution informieren und für sich klären, ob er sich mit den Werten identifizieren kann. Stipendien von Begabtenförderungswerken haben einen Vorteil: Das Geld muss im Anschluss an das Studium nicht zurückgezahlt werden. Weitere Informationen unter www.stipendiumplus.de

Jobben: Für viele Studenten ist ein Nebenjob unumgänglich – denn auch mit maximal 670 Euro Bafög kann man keine großen Sprünge machen. Doch wie kommen Studenten am besten an einen Job? Angebote gibt es häufig auf der Internetseite des Asta (Allgemeiner Studierendenausschuss) oder am Schwarzen Brett der jeweiligen Uni. Für einige Städte gibt es auch Facebook-Seiten, auf denen Jobs angeboten werden. Wichtig ist hier nur: Wer mehr als 407 Euro bezieht und Bafög-Empfänger ist, muss damit rechnen, dass der monatliche Betrag gekürzt wird.

Achtung: Ähnliches gilt auch für Kindergeld-Bezieher. Wer mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitet, riskiert seinen Anspruch auf Kindergeld.