Opfer sollen „zerstört“ werden Frauen leiden nach Säure-Angriff lebenslang

Von dpa

Die Inderin Shanaz Begum wurde vor 14 Jahren Opfer eines Säureangriffs. Seitdem ist sie blind.Foto: dpaDie Inderin Shanaz Begum wurde vor 14 Jahren Opfer eines Säureangriffs. Seitdem ist sie blind.Foto: dpa

Berlin. Säure als Waffe ist besonders grausam. Zwar überleben die Opfer meist, aber die stark ätzende Substanz raubt den Betroffenen das Gesicht - und oft auch das Augenlicht.

20 bis 30 Prozent der Säureopfer erblinden, sagt Jaf Shah von der Hilfsorganisation Acid Survivors Trust International (ASTI). Laut der Initiative, die sich um Säureopfer kümmert, werden weltweit pro Jahr rund 1500 Säureattacken auf Frauen gemeldet. Allerdings geht die Organisation von einer mindestens doppelt so hohen Dunkelziffer aus.

Die Attentate sind ein weltweites Phänomen, das laut ASTI weder in bestimmten ethnischen Gruppen noch in bestimmten Religionsgruppen auftritt. Anschläge gibt es in vielen Ländern Südostasiens, Afrikas, der Karibik, im Nahen Osten - und auch in Deutschland, so wie aktuell im westfälischen Hövenhof .

Ende September 2012 spritzte ein maskierter Mann einer jungen Frau in Hilden bei Düsseldorf an der Haustür Schwefelsäure ins Gesicht und verletzte sie schwer. Ihr Ex-Freund hatte das Verbrechen angezettelt. Im Sommer 2013 übergoss ein Taxi-Fahrer in Pinneberg in Schleswig-Holstein auf offener Straße seine Ex-Frau mit Säure und stach sie danach nieder.

Das Landgerichts Osnabrück verurteilte i m November 2013 einen 29-Jährigen aus Papenburg zu drei Jahren und fünf Monaten Haft . Der Angeklagte hatte gestanden, ein Attentat mit Salzsäure auf den ehemaligen Geliebten seiner Ex-Freundin verübt zu haben.

Ein prominentes Opfer ist der Ballettchef des Moskauer Bolschoi Theaters: Sergej Filin wurde 2012 in Moskau auf Veranlassung eines Tänzers im Gesicht verätzt.

Opfer soll „zerstört“ werden

Nach Angaben der Opferorganisation Acid Survivors Foundation (ASF) ist Säure in vielen Ländern oft problemlos und günstig zu haben. Der Grund für die Attacken sei meist Eifersucht, oder wenn die Frau das Recht auf eigene Entscheidungen für sich beanspruche, beispielsweise eine Hochzeit ablehne. Laut ASF sind 99 Prozent der Täter Männer, die Opfer mehrheitlich Frauen, meist zwischen 13 und 35 Jahre alt.

Hier geht es zum Artikel: «UN/SICHTBAR»: Foto-Ausstellung porträtiert Säureopfer

Attacken zielten auf das Gesicht, „um zu zerstören, was für viele Mitglieder der Gesellschaft eine der wichtigsten Ressourcen der Frau ist - ihre Schönheit“, heißt es auf der Homepage der Organisation. „Kein anderer Mann soll sie heiraten“, lautet die Überschrift eines entsprechenden Artikels in der „Terre des Femmes“-Zeitschrift „Menschenrechte für die Frau“.

In den vergangenen Jahren hat es laut ASF aber einen Anstieg der Zahl männlicher Betroffener gegeben. Meistens seien dann Grundstücks- oder Eigentumsstreitigkeiten der Auslöser.