Kontrolle für Handel Artenschutz: Neuer Hai-Schutz tritt in Kraft

Von dpa

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Ein tiefgefrorener Heringshai. Nach jahrelangem Ringen tritt am Wochenende ein Schutz für fünf wichtige Haiarten in Kraft. Bereits 2013 war auf der 16. Artenschutzkonferenz in Bangkok die Aufnahme von drei Haiarten und Mantarochen auf die rote Liste des internationalen Artenschutzabkommens (Cites) beschlossen worden. Foto: Jens Büttner/dpaEin tiefgefrorener Heringshai. Nach jahrelangem Ringen tritt am Wochenende ein Schutz für fünf wichtige Haiarten in Kraft. Bereits 2013 war auf der 16. Artenschutzkonferenz in Bangkok die Aufnahme von drei Haiarten und Mantarochen auf die rote Liste des internationalen Artenschutzabkommens (Cites) beschlossen worden. Foto: Jens Büttner/dpa

Berlin. Die Bundesregierung sieht einen Durchbruch beim globalen Schutz von Tieren, die kaum eine Lobby haben: Haie. Wichtige Arten werden ab sofort geschützt – werden sich die großen Fischereinationen daran halten?

Jochen Flasbarth ist selten so viel Ablehnung entgegengeschlagen wie in diesem Raum in Tokio. Im japanischen Fischereiministerium gaben sie dem Abteilungsleiter Naturschutz des Bundesumweltministeriums 2008 zu verstehen, dass eine Art niemals durch die Fischerei aussterben könne: Bevor sie verschwinde, sei das Fischen mangels Ausbeute ohnehin eingestellt worden. Flasbarth wurde als Feind ihres Milliardengeschäftes gesehen. Heute ist Flasbarth Staatssekretär im Ministerium. Und sieht sechs Jahre nach dem Besuch in Tokio einen Durchbruch. Ab Sonntag gilt ein neuer Hai-Schutz.

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Trotz Vetos aus Japan. „Die Überfischung auf den Weltmeeren ist eher die Regel als die Ausnahme“, kritisiert er. Viele Haie landeten oft als Beifang in den Netzen. Rund 500 Haiarten gibt es weltweit, nach offiziellen Zahlen werden pro Jahr Haie mit einem Gesamtgewicht von 280 000 Tonnen gefangen und verarbeitet. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Daher wurde bei der Artenschutzkonferenz im März 2013 in Bangkok auch von Deutschland für einen besseren Schutz gekämpft.

Nach einer 18-monatigen Übergangsfrist sind ab 14. September mehrere neue Arten auf der roten Liste: Der Weißspitzenhochseehai, der auch in hiesigen Breiten vorkommende Heringshai, drei Hammerhai-Arten und Mantarochen. „Wir betreten hier Neuland, erstmals werden kommerziell relevante Fischarten in die Liste aufgenommen“, sagt Harald Martens vom Bundesamt für Naturschutz. In der EU gibt es bereits seit 2010 ein Fangverbot für Herings- und Dornhai - dabei schätzen viele Bürger die geräucherten Bauchlappen des Dornhais als „Schillerlocke“. Aber über Geschmack lässt sich ja gerade beim Hai bekanntlich streiten.

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Die Artenschutzexpertin beim Naturschutzbund, Heike Finke, spricht von einem Meilenstein. „Der Handel dieser Arten kann jetzt erstmals kontrolliert werden“, betont sie. „Das ist enorm wichtig, weil unkontrollierter, nicht nachhaltiger Fang gefährdet den Bestand von bedrohten Haiarten.“ Zudem könne so die Datenlage zu Haibeständen weltweit verbessert werden.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (Cites) gibt es seit 1971. Es soll den Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenspezies begrenzen oder verbieten, auch von Korallen und edlen Tropenhölzern. Bei Abstimmungen über eine Listung neuer bedrohter Arten reicht eine Zwei-Drittel-Mehrheit, daher konnten Fischereinationen wie Japan, Island und China überstimmt werden. Vor allem, weil auch die USA mitzogen. Das Beispiel zeigt, es geht noch was international - dringend notwendig wäre es auch beim Klimaschutz.

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„Das war spannend. Es ist gelungen die harte Blockadefront zu durchbrechen“, erinnert sich der Leiter Artenschutz bei der Umweltstiftung WWF, Volker Homes, an die Schlussverhandlungen. „Haie haben eine extrem schlechte Lobby, vor allem im Westen. Das hat viel mit den ganzen Mythen zu tun – und dem Film „Der weiße Hai.““ Dieses Raubtier ist übrigens als einer der ersten Haiarten seit 2004 auf der Anhang II-Liste von Cites - es ist vielerorts vom Aussterben bedroht.

Der weiße Hai spielte aber nie eine Rolle für den kommerziellen Fang. Was bedeutet der neue Schutz nun konkret? Die Produkte der in Cites gelisteten Haie dürfen nur noch international gehandelt werden, wenn sie aus nachhaltig bewirtschafteten Gebieten stammen, also wo es keine Überfischung gibt. Doch ist Cites nicht letztlich ein zahnloser Tiger, wie die Jagd auf Elefanten und Nashörner in Afrika zeigt, die teils von Hubschraubern aus abgeschossen werden? Flasbarth verneint.

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Erst dank Abkommen wie Cites käme man überhaupt „in eine neue Sphäre der Verbrechensbekämpfung“, durch Behörden wie Interpol. Denn nun gibt es Regeln - und damit auch zu ahndende Verstöße. Und WWF-Mann Homes betont, es gebe es nun viel mehr Druck. „Es werden viel zu viele Haie gefangen.“ Er hofft auf eine Erholung der Hai-Bestände. Erstmals gebe es nun eine starke Allianz gegen die Haifischer aus Ländern wie Japan. Wenn der Hai-Schutz gemäß Cites nicht geachtet werde, drohe ein Handelsbann auch für andere Produkte, betont er.


Nach jahrelangem Ringen tritt am Wochenende ein Schutz für fünf wichtige Haiarten in Kraft. Bereits 2013 war auf der 16. Artenschutzkonferenz in Bangkok die Aufnahme des Heringshais, Weißspitzenhochseehais sowie von drei Hammerhai-Arten und Mantarochen auf die rote Liste des internationalen Artenschutzabkommens (Cites) beschlossen worden. Nach einer 18-monatigen Übergangsfrist tritt die Einschränkung der kommerziellen Nutzung am Sonntag in Kraft. Werden diese Haie gefischt, muss vom Exportland nachgewiesen werden, dass sie aus Beständen stammen, in denen es genug Populationen gibt. Das Bundesumweltministerium wertet die gerade von Japan bekämpfte Verschärfung als wichtigen Durchbruch beim globalen Schutz von Haien.

Umweltschützer sprechen sogar von einem „Meilenstein im Haischutz“, dass die Hai- und Rochenarten im sogenannten Anhang II von Cites gelistet werden. „Das ist enorm wichtig, weil unkontrollierter, nicht nachhaltiger Fang gefährdet den Bestand von bedrohten Haiarten“, sagte die Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Internationaler Artenschutz des NABU, Heike Finke, der Deutschen Presse-Agentur. Die meisten regionalen und internationalen Fischereiabkommen sähen keine Schutzbestimmungen für bedrohte Haiarten vor. „Der Handel dieser Arten kann jetzt erstmals kontrolliert werden“, so Finke. Durch die neuen Kontrollen werde hoffentlich auch die Datenlage zu den Beständen verbessert, die bei vielen Haiarten immer noch dünn sei.

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