Treibhausgasbericht Meteorologen: Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen

Die Treibhauskonzentration hat einen Rekordstand erreicht. Meteorologen erklären den Trend für kaum noch umkehrbar. China und die USA gelten als Hauptverantwortliche. Doch mit den Folgen wird der gesamte Planet konfrontiert. Experten fürchten Kriege um Ressourcen. Foto: dpaDie Treibhauskonzentration hat einen Rekordstand erreicht. Meteorologen erklären den Trend für kaum noch umkehrbar. China und die USA gelten als Hauptverantwortliche. Doch mit den Folgen wird der gesamte Planet konfrontiert. Experten fürchten Kriege um Ressourcen. Foto: dpa

Genf. Die Treibhauskonzentration hat einen Rekordstand erreicht. Meteorologen erklären den Trend für kaum noch umkehrbar. China und die USA gelten als Hauptverantwortliche. Doch mit den Folgen wird der gesamte Planet konfrontiert. Experten fürchten Kriege um Ressourcen.

Neuer Klima-Alarm aus Genf. Die Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen (WMO) gibt in ihrem jüngsten Treibhausgasbericht an, dass die Konzentration von Kohlendioxid, Methan und Stickoxid 2013 ein neues Rekordhoch erreicht haben. Seit Beginn der kontinuierlichen Messungen im Jahre 1984, so die Wetterforscher, sei von 2012 zu 2013 die stärkste Steigerung des Ausstoßes von Treibhausgasen gemessen worden. Hinzu käme, dass die Weltmeere durch die Aufnahme von Kohlendioxid immer stärker versauerten.

Unumkehrbare Tendenz

Klimaforscher weisen seit Jahren auf die kaum noch umkehrbare Tendenz hin und sind vom neuesten Treibhausgasbericht, dem „Greenhouse Gas Bulletin“, der in Genf ansässigen Wetterorganisation wenig überrascht. Die Daten des Berichts sind allerdings alarmierend: 2013 ist die Konzentration von CO2 auf 396 Teile pro Million (parts per million, ppm) gestiegen. Wie die WMO erklärte, habe man im April 2014 auf der Nordhalbkugel sogar über einen ganzen Monat lang eine CO2-Konzentration von 400 ppm gemessen, ein Wert den die Meteorologen für den gesamten Erdball für 2015 oder 2016 prognostizieren.

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„Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, erklärte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud. „Unser Bericht zeigt deutlich, dass der Anstieg des Kohlendioxidausstoßes in die Atmosphäre im vergangenen Jahr die höchste Rate seit Beginn der Beobachtungen verzeichnet. Ohne Zweifel gibt es einen direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel“. Sollten die Emissionen nicht in Kürze reduziert werden, so der Chefmeteorologe, müsste die Weltbevölkerung mit heftigen Wetter- und Klimaerscheinungen rechnen.

Verursacher reduzieren nicht

Der WMO-Bericht zeigt, dass allein zwischen 1990 und 2013 der Ausstoß von Treibhausgasen um 34 Prozent angestiegen ist. Die Ergebnisse der aktuellen Studie bestätigen zudem längst gehegte Erkenntnisse: Die rasante Industrialisierung sind verantwortlich für das enorme Ansteigen des Treibhauseffekts. Der WMO-Bericht zeigte allerdings auch, dass insbesondere die Weltmeere von einem Ansteigen der CO2-Konzentration betroffen sind. „Es ist höchste Zeit, dass die Ozeane als Treiber des Weltklimas und Dämpfer des Klimawandels zu einem zentralen Element in der Klimadiskussion werden“, sagte Wendy Watson-Wright von der Ozeanografie-Kommission der UNESCO.

Obwohl inzwischen allgemein anerkannt ist, dass der Klimawandel auf dem Planeten zu katastrophalen Veränderungen führt, reagieren die Verursacher nur verhalten. So plant zum Beispiel China – mit einem jährlichen Ausstoß von 8,71 Milliarden Tonnen Kohlendioxid eindeutig Spitzenreiter – in den kommenden zehn Jahren den Bau von 50 weiteren Kohlevergasungskraftwerken. Die USA haben zwar den Bau neuer Kohlekraftwerke verboten, wollen jedoch die geförderte Kohle nach Asien exportieren.

Auch der EU-Emissionshandel trägt bislang nicht zum Klimaschutz bei.

Erschreckendes Szenario

Nach Ansichten der WMO-Meteorologen bleibt kaum noch Zeit für eine Umkehr. Das Szenario, dass sich bei weiterer Erhöhung der Treibhausgase in der Atmosphäre ergeben wird, ist erschreckend. Sowohl die Wetterexperten aus Genf als auch jene der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erwarten drastische Veränderungen: Eine weltweite Temperaturerhöhung zwischen 2 und 5 Grad Celsius, zöge ein weites Brachliegen landwirtschaftlicher Produktion nach sich. Die WHO-Experten rechnen zukünftig mit 180 Millionen Umweltflüchtlingen. Etwa zwei Milliarden Menschen in Ballungsräumen werden von Trinkwasserengpässen bedroht sein. Skeptiker fürchten schon heute, dass künftige Kriege um die Befriedigung elementarer Lebensbedürfnisse geführt werden könnten.