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Leo Tolstoi Ein Google-Doodle für den russischer Dichter

Von Frank Wiebrock


Osnabrück. Eigentlich müsste hier jetzt sinngemäß stehen: „Heute ehrt Google Leo Tolstoi, der vor 186 Jahren geboren wurde. Hier die Fakten …“ Eigentlich, denn von Tolstoi ist ein Aphorismus überliefert, der diese oft erprobte und bewährte Formulierung leider ins Absurde treiben würde: „Es gibt keine Fakten. Es gibt nur unserer Wahrnehmung davon.“ Und wer will Tolstoi schon widersprechen?

Deshalb – ausnahmsweise – kaum Fakten, sondern Wahrnehmungen. Die erste und prägendste Wahrnehmung von Tolstoi ist: dick, schwer, grün. Nicht Tolstoi, sondern „Krieg und Frieden“, zumindest in der Bertelsmann Buchclub Ausgabe aus den 60er Jahren. Oft in der Hand gehabt, nie gelesen, dafür hat der Schinken in der WG gute Dienste als Regalfüller, Briefbeschwerer und Türoffenhalter geleistet.

Nie gelesen? Richtig. Schließlich gibt es ja die Verfilmung von 1956 mit Henry Fonda als Pierre Bezukhov, Audrey Hepburn als Natascha Rostova und (okay, das ist jetzt nachgeschlagen) Herbert Lom als Napoleon. Mehrfach gesehen zu der Zeit, als dem Bundesbürger noch zwei „Anstalten“ genügten. Mit deutlich über drei Stunden ist der Film ähnlich lang wie das Werk dick. Und auch nicht ganz frei von Längen.

Ach ja, da ist dann ja noch Anna Karenina. Wer jetzt an Pelzmäntel und Sex denkt, den trügt die Erinnerung. Das war „Venus im Pelz“, nicht von Tolstoi, sondern von Leopold von Sacher-Masoch. Kann passieren, die „Venus“ stammt von 1870, Anna Karenina von 1877/78. Und schließlich geht es in beiden Büchern irgendwie um Moral. Wer schon wieder nicht Lesen will: Tolstois wohl bestes Werk wurde laut Wikipedia bislang immerhin 14 Mal verfilmt. Unsere Empfehlung: 2012 spielte Keira Knightley die Titelrolle. Und das in der Wahrnehmung vieler Kritiker ziemlich gut.

Zum Schluss vielleicht doch noch ein paar Fakten: Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi – so der volle Name - wurde am 9. September 1828 geboren und starb am 20. November 1910. Er nutzte die Zeit nicht nur für etliche und teilweise lange Werke, sondern zeugte auch mindestens 13 Kinder. Und er war ohne Zweifel ein weiser Mann: „Zu lieben ist Segen, geliebt zu werden Glück“, notierte er eine seiner fast schon faktischen Wahrnehmung 1907 in sein Tagebuch.

Eine Übersicht über alle Google-Doodles gibt es - natürlich - bei Google