Daten & Fakten Salafisten, Dschihadisten - Eine Szene und ihre Gefahren

Salafisten beten am 05. Mai 2012 in Bonn, unter ihnen der frühere Berliner Rapper Denis Cuspert, der inzwischen in Syrien für die IS kämpfen soll. Foto: dpaSalafisten beten am 05. Mai 2012 in Bonn, unter ihnen der frühere Berliner Rapper Denis Cuspert, der inzwischen in Syrien für die IS kämpfen soll. Foto: dpa

Berlin. Sie geben ihr Leben in Deutschland auf und ziehen in den „Heiligen Krieg“. Sie planen Attentate oder spielen sich als selbst ernannte „Scharia-Polizei“ auf. Radikale deutsche Islamisten geraten zunehmend in den Fokus von Politik und Sicherheitsbehörden.

Wie groß ist die islamistische Szene in Deutschland?

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43 000 Menschen dazu. Die Szene ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen - vor allem durch den Zulauf bei den Salafisten, einer besonders konservative Strömung innerhalb des Islams. Rund 6000 Leute werden der Salafisten-Szene zugerechnet. Besonders stark ist diese in Nordrhein-Westfalen vernetzt, vor allem in Köln, Bonn, Wuppertal und Solingen.

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Was bedeutet Salafismus?

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen die Gleichberechtigung der Geschlechter ab. Viele wenden sich gegen westliche Demokratien und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an. In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland mehrere salafistische Vereine verboten - darunter 2012 die Gruppe „Millatu Ibrahim“. Zu ihr gehörte einer der prominentesten deutschen Islamisten, der frühere Berliner Rapper Denis Cuspert. Er setzte sich rechtzeitig vor dem Verbot Richtung Syrien ab und soll inzwischen zum engeren Zirkel der Terrorgruppe Islamischer Staat gehören.

Und was genau sind Dschihadisten?

Sie stehen für eine militante Form des radikalen Islamismus. Die Bewegung bezieht sich auf die im Koran enthaltene Aufforderung zum „Dschihad“ („Heiliger Krieg“). Die Anhänger sehen den Kampf gegen vermeintliche „Feinde“ des Islams sowohl in muslimischen als auch in nicht-muslimischen Ländern als ihre Pflicht an. Es handelt sich also um Islamisten verschiedener Couleur, die ihre Ansichten mit Gewalt durchsetzen wollen. Es gibt auch dschihadistische Salafisten - wie Cuspert. Viele Dschihadisten, die aus Deutschland nach Syrien ausreisen, kommen aus der Salafisten-Szene.

Wie viele Islamisten aus Deutschland sind im „Heiligen Krieg“?

Es zieht sie vor allem nach Syrien. Seit dem Ausbruch der Kämpfe in Syrien 2011 haben sich mehr als 400 Islamisten aus Deutschland dorthin auf den Weg gemacht. Etwa 40 sollen dort gestorben sein, zum Teil bei Selbstmordanschlägen. Andere ziehen auch weiter in den Irak. Die Reiseroute ist bequem: Von Deutschland aus können angehende Dschihadisten ohne großen Aufwand mit dem Personalausweis in die Türkei reisen und von dort über die Grenze nach Syrien gehen. Prominente Köpfe wie Cuspert haben enorme Sogwirkung in der Szene und ziehen Anhänger nach. Auch aus anderen Staaten sind viele Kämpfer nach Syrien gegangen: Schätzungen zufolge rund 9000 insgesamt.

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Wer sind diese Menschen, die aus Deutschland in den Dschihad ziehen?

Die Gruppe ist klar männlich dominiert. Viele sind junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren. Es sind aber auch Minderjährige darunter - und zunehmend Frauen. Viele kommen aus Zuwandererfamilien, aber es sind auch Konvertiten dabei. Sie stammen aus unterschiedlichen sozialen Milieus. Es sind etablierte Leute aus der Szene darunter, kriminell Vorbelastete, aber auch Neulinge und unbeschriebene Blätter. Nicht jeder geht tatsächlich zum Kämpfen ins Ausland. Viele übernehmen auch Aufgaben als Logistiker oder Propagandisten.

Was passiert, wenn ein Deutscher auf dem Weg geschnappt wird?

Kürzlich griffen türkische Sicherheitskräfte einen Islamisten aus Deutschland auf, der auf dem Weg nach Syrien war. In solchen Fällen werden die Betroffenen zurück nach Deutschland geschickt. Meist folgt ein Ermittlungsverfahren und - je nachdem, was demjenigen nachgewiesen werden kann - eine strafrechtliche Verfolgung. Außerdem hat der Verfassungsschutz solche Rückkehrer besonders im Blick. Allerdings werden nur wenige Deutsche in der Türkei aufgehalten. In deutschen Sicherheitskreisen herrscht Unzufriedenheit darüber, dass die Türkei ihre lange Grenze zu Syrien nicht gut genug überwache.

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Wie hoch ist die Terrorgefahr in Deutschland?

Deutschland ist seit langem Ziel islamistischer Terroristen. Mehrere Anschläge konnten vereitelt werden oder schlugen fehl. Bis auf einen: Im März 2011 erschoss ein junger Kosovo-Albaner auf dem Flughafen Frankfurt am Main zwei US-Soldaten. Derzeit gibt es keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne in Deutschland. Die Terrorgefahr gilt aber nach wie vor als „abstrakt hoch“. Besondere Sorgen machen den Sicherheitsbehörden die Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten. Mehr als 100 Islamisten sind inzwischen zurück aus Syrien, 25 davon mit Kampferfahrung. Der Verfassungsschutz hat sie besonders im Auge. Unberechenbar sind aber vor allem Einzeltäter, die vorher nicht in Erscheinung getreten sind - wie der Täter vom Frankfurter Flughafen.

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