Auf den richtigen Ton kommt es an Anwälte können zwischen Eltern und Lehrern vermitteln

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Eltern und Lehrer sind in vielen Fällen unterschiedlicher Meinung. Foto: dpaEltern und Lehrer sind in vielen Fällen unterschiedlicher Meinung. Foto: dpa

Schondorf. Auch in der Schule gibt es Fehlentscheidungen und Ungerechtigkeiten. Eltern müssen sich nicht alles gefallen lassen. Doch es ist stets eine Gratwanderung, für seine Rechte zu kämpfen und dabei den richtigen Ton zu treffen.

Schondorf. Auch in der Schule gibt es Fehlentscheidungen und Ungerechtigkeiten. Eltern müssen sich nicht alles gefallen lassen. Doch es ist stets eine Gratwanderung, für seine Rechte zu kämpfen und dabei den richtigen Ton zu treffen, sagt Rechtsanwalt Andreas Zoller, spezialisiert auf Schulrecht.

Häufige Probleme: Die meisten Rechtsstreitigkeiten in der Schule drehen sich laut Zoller um abgelehnte Zurückstellungen bei der Einschulung oder erzieherische Maßnahmen gegen Schüler. Hochbrisant sei das Thema Inklusion. Viele Bundesländer haben hier Versprechungen gemacht, wie behinderte Schüler auf Regelschulen unterrichtet werden können. In der Realität sind die Schulen mitunter überfordert, und enttäuschte Eltern laufen Sturm, hat der Anwalt erfahren. Andere Eltern fürchten um den Fortbestand der Sonderschulen, die sie nach wie vor bevorzugen. Umgekehrt sind Schulen oftmals vorschnell dabei, Kindern Teilleistungsstörungen wie Legasthenie oder ein Hyperaktivitätssyndrom zu bescheinigen, was einen massiven Einfluss auf die Schulkarriere haben kann, wenn man sich nicht wehrt, sagt Zoller.

Informationen rund um das Thema Einschulung finden Sie hier.

Auf den guten Ton kommt es an: Fühlt man sich ungerecht behandelt, ist es gut zu widersprechen. Allerdings sollte man dabei den richtigen Ton treffen, sonst gilt man schnell als Querulant – und der Schuss geht nach hinten los. Kommunikation mit den Betroffenen steht als Mittel zur Konfliktlösung an erster Stelle, sagen Experten. Schließlich geht es um die Kinder, die weiterhin täglich zur Schule gehen müssen. Ist man unsicher oder kippt die Stimmung zwischen Schule und Elternhaus, lohnt es sich, zunächst ein Beratungsgespräch mit einem Fachanwalt zu führen, rät Zoller. In 90 Prozent der Fälle bringe das eine Lösung“ – nur die wenigsten Fälle landen wirklich vor Gericht.

Formale Rechtsmittel als Alternative: Neben Gesprächen mit der Schule gibt es auch formale Rechtsmittel. Bei Verwaltungsakten – etwa der Nichtversetzung oder dem Schulausschluss – können Sie Widerspruch einlegen. Hat die Schule ihrem Schreiben an die Eltern eine Rechtsmittelbelehrung beigefügt, müssen Sie den Widerspruch binnen eines Monats in Schriftform(nicht per E-Mail!) erheben, erklärt Zoller. Grundsätzlich hat ein Widerspruch aufschiebende Wirkung; das heißt, es passiert erst einmal nichts Negatives. Ein anderes Rechtsmittel gegen sonstige Maßnahmen der Schule sind die sogenannten Fachbeschwerden, die sich meist gegen die Bewertung einzelner Klausuren richten. Beschwerden werden dann an den nächst höheren Vorgesetzten gerichtet. „Beschwerden gegen das persönliche Fehlverhalten von Lehrern nennt man Dienstaufsichtsbeschwerde, von denen es heißt, sie seien formlos, fristlos und fruchtlos“, sagt Zoller. Da sei durchaus etwas dran.

Fazit: Effektiver wehrt man sich gegen Unrecht, wenn man einen Anwalt im Rücken hat. Ob der Einzelfall dies erfordert, muss man selbst entscheiden. Eines ist sicher: Der Anwalt bleibt sachlich, während Eltern oft sehr emotional reagieren, wenn es um ihre Kinder geht.


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