Schule birgt ein Unfallrisiko Schulweg: Gesetzlicher Unfallschutz ist lückenhaft

Erstklässler auf dem Weg in die Schule. Foto: dpaErstklässler auf dem Weg in die Schule. Foto: dpa

Schondorf. Schule birgt ein Unfallrisiko: auf dem Schulweg, im Sportunterricht, bei Klassenausflügen. Die gesetzliche Unfallversicherung ist allerdings lückenhaft.

Wenn Kinder in die Schule und zurück pilgern, gilt dasselbe wie für Angestellte: Die gesetzliche Unfallversicherung trägt die Kosten, sollte das Kind auf dem Weg einen Unfall erleiden und sich verletzen. Das heißt: Krankheits-, Arzt- sowie Krankenhauskosten sind abgedeckt, sogar Rehamaßnahmen und Rentenzahlungen, sollte es zu Invalidität kommen. Dabei ist es egal, ob das Kind den Schulweg zu Fuß, mit dem Fahrrad, Skateboard oder Roller zurücklegt oder den öffentlichen Bus nimmt. Nur bei Fahrten mit einem Schulbus haftet der private Busunternehmer für Unfälle.

Welche Versicherung brauchen Kinder und Jugendliche?

Der gesetzliche Unfallschutz greift auch in der Schule, etwa wenn sich das Kind im Sportunterricht verletzt. Das Gleiche gilt für Schulveranstaltungen wie Klassenfahrten oder Wandertage. Nach einem Schulunfall müssen bei einem Arztbesuch keine Zuzahlungen für Arznei- und Heilmittel geleistet werden.

Eine Tücke hat der gesetzliche Schutz allerdings: „Beim Schulweg ist nur der direkte Weg von der Haustür in die Schule oder umgekehrt versichert. Schlägt das Kind einen Umweg ein, erlischt der gesetzliche Schutz“, warnt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Allerdings gibt es Gerichtsurteile, die mit diesem Grundsatz großzügiger umzugehen: Je nach Alter sei einem Kind eine gewisse Unreife zuzugestehen, so urteilte das Bundessozialgericht (BSG, Az. B 2 U 29/06 R). „Bei Veranstaltungen, die die Schüler privat innerhalb ihres Klassenverbandes ohne ausdrückliche Genehmigung in der Schule organisieren, wie eine Klassenparty, hat der gesetzliche Schutz ausgedient“, sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

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Wer auf Nummer sicher gehen möchte, stockt über eine private Unfallversicherung auf. „Sie leistet bereits ab einem Prozent Invalidität und gilt für alle Unfälle, die sich im Verkehr, im Haushalt und Garten, bei Spiel und Sport ereignen“, sagt Boss. Der gesetzliche Schutz leistet dagegen erst ab einer körperlichen Einschränkung von 20 Prozent. Wer auf eine Police setzen möchte, sollte die Versicherungssumme mindestens bei 200000 Euro ansetzen und sie mit einer Progression (225 Prozent) kombinieren, rät die Versicherungsexpertin. Damit steigt die Versicherungsleistung bei höheren Graden der Invalidität überproportional an. Wer es noch umfassender angehen will, setzt auf eine Kinderinvaliditätsversicherung, die auch das Risiko Invalidität durch Krankheit absichert, sagt Verbraucherschützer Grieble.

Sollte ein Kind selbst Unfallverursacher sein und ein Fahrzeug beschädigen, müssen die Eltern nicht für den Schaden aufkommen, solange es noch keine zehn Jahre alt ist. Bis zu diesem Alter können Kinder im Straßenverkehr nicht haftbar gemacht werden. Ab Vollendung des zehnten Lebensjahres sieht das anders aus – dann werden die Eltern bei Schäden zur Kasse gebeten.