Stil im Sommer „Kurze Hosen für Herren sind grundsätzlich nicht okay“

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Osnabrück. Darf ein Mann im Sommer im Büro kurzärmelige Hemden tragen? Oder gar kurze Hosen? Auf diese und andere Fragen weiß der Stilexperte und Buchautor Bernhard Roetzel Rat. Der 47-Jährige kritisiert, dass bei den Deutschen Kleidung praktisch und pflegeleicht sein muss und sich vor allem Männer zu wenig mit Mode befassen.

Herr Roetzel, kurze Hosen für Männer sind doch auch im Büro okay, wenn es draußen über 30 Grad sind, oder?
Nein, grundsätzlich sind kurze Hosen nicht okay. Ein erwachsener Mann trägt genau genommen nie kurze Hosen. Mit gewissen Ausnahmen: Innerhalb der eigenen Mauern oder des eigenen Gartens kann man sie vielleicht anziehen.

Hier geht es zur Homepage von Bernhard Roetzel

Was ist mit kurzärmeligen Hemden? Eine Kollegin meinte, die seien grundsätzlich hässlich bei Männern. Zulässig wären aber lange Hemden mit aufgekrempelten Ärmeln.
So sehe ich das auch. Das Kurzarmhemd in Zusammenhang mit Krawatte finde ich unschön, um es mal vorsichtig auszudrücken. Das Kurzarmhemd stammt vermutlich aus dem Berufsbekleidungs- und Uniformbereich. Busfahrer, Postzusteller und Polizisten tragen so etwas, weil die Arbeit auch mit einer gewissen körperlichen Anstrengung verbunden ist.

Wie viel Haut darf man als Mann zeigen?

Im Büro eigentlich nur Gesicht und Hände. In der Freizeit ist es immer Ermessenssache, für wie präsentabel man sich selbst hält. Wenn man kurze Hosen trägt, sollten sie knapp über dem Knie enden. Wenn kurzärmelig, dann in Form eines Poloshirts, das hat wenigstens noch einen Kragen. Auf keinen Fall Muskelshirt oder T-Shirt.

Als Frau geht aber schon ein bisschen mehr, oder?
Das denken jedenfalls die Männer (lacht). Aber ja: Die Mode lässt hier mehr zu. Frauen können durchaus ärmellos gehen oder auch mehr Bein zeigen. Allerdings muss das Gesamtbild passen. Wenn Frauen ärmellos gehen, muss es nicht noch ein kurzer Rock sein oder umgekehrt.

Gerade im Sommerurlaub geben sich viele Deutsche ja besonders achtlos
Ich will jetzt gar nicht mal von islamisch geprägten Ländern reden, aber schon im Mittelmeerraum ist es nicht üblich, sich außerhalb des Strandes allzu freizügig zu zeigen. Man sollte einfach auf die Landessitten achten. In Italien gehen die Männer auch im Sommer an der Strandpromenade mit langen Hosen. Das exzessive Entblößen machen nur Nord- und Mitteleuropäer, weil sie sich so über die Sonne freuen. Aber im Sommer setzt bei den Leuten ja einiges aus.

Hat sich der Modegeschmack der Deutschen denn über die Jahre wenigstens ein bisschen verbessert?
Die Deutschen sind sicher nicht schlechter angezogen als beispielsweise Engländer, Tschechen oder Schweden. Wenn Sie sich aber in die Fußgängerzone in irgendeine deutsche Stadt wie beispielsweise Osnabrück setzen, muss man feststellen: So richtig prickelnd ist das nicht. In Deutschland muss die Kleidung vor allem praktisch, günstig, bequem und am besten noch pflegeleicht sein. Dass wer schön sein will auch leiden muss, sehen die meisten hier nicht so. Die selbstkritische Betrachtung entfällt oft. Als ich jung war, hat sich ein so genannter einfacher Arbeiter in seiner Freizeit besser angezogen als heute ein Vorstandsvorsitzender. Es gibt wenig Gefühl dafür, wie man sich seinen Mitmenschen gegenüber präsentiert.

Was sollte bei keinem Mann im Schrank fehlen?
Ein dunklerer, aber nicht zu dunkler Anzug, ein weißes Hemd, eine Krawatte und ein Paar schwarze Schuhe. Tatsächlich gibt es aber ganz viele Männer, die brauchen ihr ganzes Leben lang keinen Anzug. Sowohl zu Beerdigungen als auch in die Kirche kann man mittlerweile ohne Anzug gehen. Krawatten muss man nur noch in Spielkasinos und sehr teuren Restaurants tragen. Ich rate aber auch dem passionierten Träger von T-Shirt und Jeans, mal einen Anzug anzuprobieren. Jeder kann in einem Anzug gut aussehen. Er weiß es oft nur nicht.

Für Irritationen sorgen immer wieder Kombinationen zwischen Hemd und Krawatte. Ich habe mal gelernt, dass gestreifte Krawatte zu gestreiftem Hemd gar nicht geht.
Diese Regel ist richtig und hilfreich, wenn man bei der Kombination von Mustern unsicher ist. Man kann aber auch eine gemusterte Krawatte zu einem gemusterten Hemd tragen. Ausschlaggebend ist, dass sich die Muster stark voneinander unterscheiden.

Gerne getragen wird auch das Sakko zur Jeans. Ist das in Ordnung?

Sakko, Oberhemd und Jeans sieht gut aus. Probleme habe ich mit Oberhemd, Krawatte und Jeans. Das sind zwei Welten, die man nicht miteinander vermischen sollte.

Auch wenn ich keine Ahnung von Mode habe: Wie kann ich die schlimmsten Fauxpas vermeiden?
Kaufen Sie eins meiner Bücher und lesen Sie es durch! (lacht). Man muss sich über Mode genauso informieren wie über andere Themen auch. Die Kenntnis über Mode ist genauso wenig angeboren, wie die Fähigkeit ein Auto fahren zu können. Man muss sich ein bisschen damit befassen. Gerade in Zeiten des Internets und seiner diversen Foren kann man sich nicht damit entschuldigen, dass man es nicht besser weiß.

Tragen Sie eigentlich ab und an einfach mal T-Shirt und Jeans?
Jeans habe ich seit ungefähr 20 Jahren nicht mehr getragen. Im Sommer sind sie mir zu warm, im Winter zu dünn. Ich habe gestern noch T-Shirts und Chinos getragen – bei der Arbeit im Garten.

Bücher von Bernhard Roetzel (Auswahl):
Der Gentleman: Handbuch der klassischen Herrenmode, Verlag H.F. Ullmann

Schuh Guide für Männer, Verlag H.F. Ullmann

British Style, Verlag H.F. Ullmann


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