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Astrofotografie für Einsteiger Zehn einfache Tipps für Fotos von Sternen

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Osnabrück. Für die Aufnahmen von Sternen (ohne Teleskop) gelten in vielen Punkten dieselben Regeln wie für Nachtaufnahmen. Ein paar Voraussetzungen kommen in der Astrofotografie allerdings noch hinzu. Hier einige Tipps für Einsteiger.

Liebe Fotofreunde,

schon vor einiger Zeit hatte ich mir vorgenommen, einmal den Sternenhimmel abzulichten – nicht mithilfe eines Teleskops, sondern mit der ganz normalen Digitalkamera. Ende Juli war es dann so weit, denn die Bedingungen waren günstig. Außerdem hatte ich einen guten Tipp für einen geeigneten Ort bekommen. Hier einige Hinweise, wie das obige Foto entstanden ist und was man beachten sollte.

1. Das Wetter muss mitspielen. Voraussetzung ist ein wolkenloser Himmel, und um die Milchstraße optimal zu sehen, sollte zugleich Neumond sein. Alternativ kann man auch die Zeit vor Mondaufgang oder nach Monduntergang nutzen. Informationen über diese Zeiten findet man unter mond.apper.de.

2. Suchen Sie sich einen Standort, an dem es möglichst wenig Lichtverschmutzung gibt – also Licht durch Straßenlaternen, Leuchtreklame oder Industrieanlagen. Der Begriff Lichtverschmutzung ist übrigens ein wenig irreführend, denn nicht das Licht wird verschmutzt, sondern das Licht selbst verschmutzt die Dunkelheit der Nacht. Denn wenn man zuviel künstliches Licht in der Nähe hat, erschwert das den Blick auf den Sternenhimmel. Im Internet gibt es Karten zur Lichtverschmutzung, auf denen man sehen kann, welche Regionen gut geeignet sind. Generell gilt: Je weiter weg der Standort von einer Großstadt ist, um so besser.

3. Wie bei Landschaftsaufnahmen und vor allem Nachtaufnahmen ist ein stabiles Stativ zwingend, um bei einer längeren Belichtungszeit scharfe Fotos zu bekommen. Die Bilder sollten möglichst mit Fernauslöser aufgenommen werden. Behelfsweise geht es auch mit dem Selbstauslöser.

4. Eine Taschenlampe leistet in der Dunkelheit gute Dienste.

5. RAW-Dateien bieten einen größeren Spielraum bei der Bildbearbeitung am Computer als jpg-Dateien.

6. Die Sterne bewegen sich. Will man sie als leuchtende Punkte aufnehmen, darf die Belichtungszeit nicht zu lang sein. Das Foto oben wurde 30 Sekunden belichtet. Längere Zeiten führen dazu, dass die Sterne aufgrund der Erdrotation als Striche zu sehen sind. Auch das kann sehr effektvoll aussehen, besonders, wenn der Polarstern im Mittelpunkt ist.

7. Der ISO-Wert sollte so hoch wie möglich gewählt werden, ohne dass es gleichzeitig Bildrauschen gibt. Bei der Aufnahme oben waren es 1600 ISO.

8. Die Blendenzahl sollte möglichst klein sein (zum Beispiel 2,8 oder 4), damit die Belichtungszeit nicht zu lang wird.

9. Als Objektiv ist ein Weitwinkel zu empfehlen. Das hat zwei Vorteile: Damit bekommt man viel vom Sternenhimmel aufs Bild und es sind andes als bei einer längeren Brennweite längre Verschlusszeiten möglich, ohne dass die Sterne als Striche erscheinen. Beim Bild oben habe ich ein Zoom-Objektiv 16-35mm mit Vollformatkamera auf 16mm eingestellt. Nicht ganz einfach ist das Scharfstellen. Man kann sich damit behelfen, dass man tagsüber auf „unendlich“ stellt und diese Einstellung dann mit einem Klebeband markiert. Eine zweite, etwas zeitraubendere Möglichkeit besteht darin, einfach verschiedene Einstellungen auszuprobieren.

10. Oft sehen die Aufnahmen ohne Bildbearbeitung noch nicht so toll aus. Den Weißabgleich kann man durch Farbtemperatur und Tönung ändern, ganz nach Geschmack. Bei einer niedrigen Farbtemperatur erscheinen die Fotos blau, was oft ganz gefällig wirkt. Ob diese Farbe dem Seheindruck entspricht, ist eine andere Frage, aber ich halte es für in Ordnung, zumindest wenn man eine künstlerische Aufnahme und keine wissenschaftliche Dokumentation haben will. Sinnvoll ist es auch, den Kontrast deutlich zu erhöhen, sodass die Sterne als leuchtende Himmelsgestirne erscheinen.

Hier noch ein Linktipp für alle, die etwas ausführlichere Informationen wünschen: Der Fotograf Gunther Wegner beschreibt sehr gut, was man für Fotos von der Milchstraße beachten sollte. Von ihm gibt es auch ein sehenswertes Video zur Bildbearbeitung von Astrofotos mit dem Programm Lightroom.

Statt des üblichen „gut Licht“ wünsche ich dieses Mal „gute Dunkelheit“!

Christof Haverkamp

Weitere Beiträge zur Fotografie – unter anderem zu Makro- und Blitzlichtaufnahmen und zu Hochzeitsfotos sowie zur Schärfe und Bildkomposition – finden Sie unter www.noz.de/fotografieren.


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