Interview Stiftung Warentest „Fahrradschlösser sind viel zu leicht zu knacken“


Osnabrück. Mehr als 310.000 Räder sind im Jahr 2013 in Deutschland als gestohlen gemeldet worden. Osnabrück liegt sogar noch über dem Bundesdurchschnitt. 954 Räder wurden hier gerechnet auf 100.000 Einwohner geklaut. Bundesweit waren es im Schnitt nur 584. Welches Schloss eignet sich also am besten, um ein Rad zu sichern? Lohnt sich eine Fahrradversicherung? Antworten und Tipps gibt Kolja Oppel von der Stiftung Warentest.

Herr Oppel, von 37 Schlössern, die die Stiftung Warentest getestet hat, sind nur fünf gut getestet worden, 17 mangelhaft. Hat der Großteil der Schlösser tatsächlich nur Schrottwert?

Nach unseren Aufbruchversuchen definitiv. Viele Schlösser waren viel zu leicht zu knacken , sie eignen sich vielleicht um das Rad mal kurz anzuschließen und vor Gelegenheitsdieben zu schützen. Wer sein Rad aber sicher abstellen möchte , sollte lieber zu den mit der Note „gut“ getesteten greifen. Einige Schlösser mussten wir aufgrund von Schadstoffen in der Kunststoffummantelung abwerten. Unserer Meinung nach haben die in Verbraucherprodukten nichts verloren und andere Anbieter zeigen, dass es auch ohne geht.

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Wie kann ich beim Kauf ein gutes von einem schlechten Schloss unterscheiden?

Prinzipiell sind Bügelschlösser eine gute Wahl. Aufgrund ihres massiven Stahlkerns sind sie am stabilsten. Natürlich ist nicht jedes Bügelschloss zu empfehlen, die billigen sind in der Regel schnell zu knacken. 40 Euro kostet das günstigste Bügelschloss, das in unserem Test mit „gut“ abgeschlossen hat. Am besten haben im Test Abus Granit-X Plus 54/160, Knog Strongmann, Abus Granit-Plus 51/150 und Abus Sinero 43/150 abgeschnitten, alle bekamen die Note „gut“.

Was ist mit Ketten- und Seilschlössern?

Von den Panzerkabelschlössern hat das beste mit der Note „befriedigend“ abgeschlossen (Abus Iven 8200/110), bei den Kettenschlössern waren es zwei (Abus Tresor Chain 1385/85 und Master Lock 8391 Street Flexium). Der Vorteil von Ketten- und Seilschlössern ist, dass sie ziemlich flexibel sind und man sie um Bäume und Laternen schließen kann, was bei Bügelschlössern oftmals nicht funktioniert. Dafür kann man Ketten- und Seilschlösser leichter knacken. Faltschlösser haben auch nicht besonders gut abgeschnitten. Hier war das Einzige mit der Note „gut“ das Abus Bordo Granit-XPlus 6500/85. Alle anderen Schlösser dieser Kategorie haben wir nur mit ausreichend oder mangelhaft bewertet.

Vermehrte Fahrraddiebstähle in Osnabrücker Dodesheide

Was ist von Zahlenschlössern zu halten?

Zahlenschlösser sind meist relativ günstig und vielleicht auch deshalb oft nicht besonders gut. Diejenigen, die wir getestet haben, waren relativ schnell geknackt. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass man die Zahlenkombination leicht herausbekommt, sondern auch an Materialmängeln. Wir haben eine Schwachstelle bei Zahlenschlössern gefunden, die es offenbar modellübergreifend gibt. Die wollen wir aber an dieser Stelle nicht verraten, um es Dieben nicht zu einfach zu machen (lacht).

Spezialisieren sich Diebe auf bestimmte Schlösser?

Das ist schwer zu sagen. Möglicherweise haben sie nicht für jedes Schloss das passende Werkzeug dabei. Deshalb ist es nicht verkehrt, wenn man zwei Schlösser unterschiedlichen Typs verwendet , vielleicht ein Bügelschloss mit einem Panzerkabelschloss. Das hat auch den Vorteil, dass man neben dem Rahmen auch noch die Laufräder sichern kann. Dies ist nicht unbedingt notwendig, wenn ich gerade nur mal Brötchen beim Bäcker hole, aber wenn ich mein Fahrrad längere Zeit am Bahnhof stehen lasse, kann es sinnvoll sein.

Wie sollte ich mein Rad abschließen?

Zunächst sollte man nach Möglichkeit den Rahmen und ein Laufrad an einem feststehenden Gegenstand wie einer Laterne festschließen. Wenn ich zwei Schlösser habe, kann ich darüber hinaus noch das zweite Rad sichern. Da der Rahmen zumeist das Teuerste am Rad ist, sollte man den auf jeden Fall festschließen. Aufpassen muss man bei Holz- oder Bauzäunen. Die sind schnell zerstört und das Fahrrad ist trotz des guten Schlosses weg.

Stelle ich mein Rad am besten in einer Masse von Rädern ab, oder parke ich es alleine?

Das ist schwierig zu sagen. Am besten ist es vielleicht, man parkt das Rad an einer Stelle, wo es noch Publikumsverkehr gibt und es bemerkt wird, wenn jemand versucht, das Rad zu stehlen. Wenn ich das Rad in einer Masse von anderen Rädern abstelle, mache ich es dem Dieb unter Umständen leichter, weil er nicht auffällt, wenn er sich dort längere Zeit aufhält.

Gibt es neben dem Schloss noch andere Möglichkeiten, mein Rad vor Diebstahl zu schützen?

Es gibt einen GPS-Tracker, der ins Rücklicht oder den Rahmen eingebaut wird. Mit dem kann ich dann verfolgen, wo mein Rad gelandet ist. Es ist aber natürlich nicht sicher, dass ich mein Rad zurück bekomme, auch wenn ich weiß, wo es ist. Insofern kann das nur eine zusätzliche Sicherung sein. Besser ist es, das Rad direkt vor Diebstahl zu schützen.

Lohnt es sich, extra eine Radversicherung abzuschließen?

Das kommt drauf an. Wir haben ausgerechnet, dass eine Versicherung für ein 2.000 Euro teures Rad zwischen 160 und 200 Euro pro Jahr kostet, es ist also nicht ganz günstig. Teilweise ist das Fahrrad dadurch auch gegen Vandalismus und Teilediebstahl versichert. Oft kann man aber auch die Hausratversicherung um einen Diebstahlschutz fürs Fahrrad erweitern. Der Zuschlag unterscheidet sich aber bei den Versicherungen erheblich. Der Preisaufschlag variiert je nach Deckungssummer und Wohnort zwischen 11 und 109 Euro pro Jahr. Fahrräder können meist jedoch nur bis zu 5 Prozent der Versicherungssumme versichert werden, dafür aber mehrere gleichzeitig. Man muss auf jeden Fall auf die Klauseln achten.

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