Klinsmann oder Kliffkante? Wer hat das Weltmeisterbrötchen erfunden?

Ob uns das Weltmeisterbrötchen am Montag noch schmeckt, zeigt sich Sonntagabend. Verkauft wird es aber auf jeden Fall weiterhin. Foto: Jörn MartensOb uns das Weltmeisterbrötchen am Montag noch schmeckt, zeigt sich Sonntagabend. Verkauft wird es aber auf jeden Fall weiterhin. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die Frage „Wer hat’s erfunden?“ lässt sich bei den Kräuterbonbons eines bestimmten Herstellers leicht beantworten: „Die Schweizer.“ Anders sieht es beim Weltmeisterbrötchen aus, das ganz selbstverständlich in jede Bäckereiauslage gehört. Viele Mythen ranken sich um seine Herkunft.

Eine Mohn-Sesam-Mischung oben und Sonnenblumenkerne am Boden – so kennen und mögen vermutlich die meisten ihr Weltmeisterbrötchen. In Deutschland gehört es zu den beliebtesten Sorten an der Brottheke. „Denn Weltmeisterbrötchen tragen noch heute Erinnerungen an große deutsche Fußballtage in sich. Beißt man hinein, so verwandelt Andreas Brehme vor dem inneren Auge den entscheidenden Elfmeter“, schreibt „Spiegel Online“ am 15. Juni 2004 . Wenn das keine Liebeserklärung an das Weltmeisterbrötchen ist. Im Text heißt es, die leckeren Mehrkornteiglinge seien 1990 auf den Markt gebracht worden, allerdings gibt es dort keinen Hinweis auf den Erfinder. Ganz im Gegensatz zu einem Artikel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ aus dem gleichen Jahr. Dort heißt es, kein anderer als Jürgen Klinsmann, seines Zeichens Bäckergeselle und Sohn eines Bäckermeisters, habe die Rezeptur zu verantworten.

Nach einem Bericht des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages hingegen kommt das Weltmeisterbrötchen ursprünglich nicht aus der klinsmännischen Backstube in Schwaben, sondern von der Insel Sylt und wird dort bereits seit knapp 30 Jahren unter dem Namen „Kliffkante“ vertrieben.

Und was sagt die Bäckerinnung dazu? „Der Name Weltmeisterbrötchen ist eine reine Fantasiebezeichnung, man hätte es theoretisch auch ,Peter‘ nennen können“, erklärt Daniel Schneider, Anwalt für Lebensmittel- und Wettbewerbsrecht beim Zentralverband der Deutschen Bäckerinnung in Berlin. Warum nicht? Peter ist ja auch ein schöner Name, nur hätte das Brötchen vermutlich unter diesem eher bescheidenen Namen nicht so einen reißenden Absatz wie als Weltmeisterbrötchen gefunden. Wer will denn schon ein Peter sein, wenn er auch ein Weltmeister sein kann?

Anders herum bedeutet das laut Schneider aber auch, dass jedes Brötchen, egal welche Rezeptur, in der Bäckerei als Weltmeisterbrötchen verkauft werden darf: „Deshalb ist es auch unmöglich zu sagen, wer es erfunden hat“, erklärt der Anwalt.

Positiv und diplomatisch ausgedrückt heißt das dann: Sowohl die Sylter als auch Jürgen Klinsmann haben ihr eigenes Weltmeisterbrötchen erfunden.

Übrigens: Wer jetzt denkt, Brot ist gleich Brot, liegt falsch. Seit 1958 sorgte der DFB laut „Spiegel Online“ für deutsches Brot im jeweiligen WM- oder EM-Gastgeberland. 2002 hätten sie sogar einen deutschen Bäcker in Japan ausfindig machen lassen. Bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal war der DFB allerdings der Ansicht, dass es auch auf der Iberischen Halbinsel leckeres Brot zu kaufen gibt, und sparte sich sowohl Brotimport als auch einen eigenen Bäcker. Ergebnis: Die deutschen Fußballer mussten schon nach der Vorrunde nach Hause. Ganz klar, das portugiesische Brot war schuld.

In diesem Jahr hat der Betreiber der deutschen Unterkunft „Campo Bahia“ einem Bericht von „Welt Online“ zufolge eigens für einen Bäcker gesorgt, der deutsches Brot backt. Die Zeichen stehen also gut, dass uns das Weltmeisterbrötchen auch am Montag noch schmeckt.


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