Lieblingskuscheltier? Ach so! Ohne Teddy geht nichts

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Jungen wählen als Gefährten meist ein Stofftier, Mädchen ab drei Jahren auch Puppen. Foto: ImagoJungen wählen als Gefährten meist ein Stofftier, Mädchen ab drei Jahren auch Puppen. Foto: Imago

Osnabrück. Sie heißen Hasi, Schafi, Schnuffel oder auch einfach nur Teddy und sind für viele Kinder oft fast so wichtig wie Mama und Papa: Die Rede ist vom heiß geliebten Kuscheltier. Entsprechend groß ist die Verzweiflung, wenn der Gefährte verschwunden ist. Aber warum brauchen viele Kinder einen ganz bestimmten Teddy?

„Etwa drei von vier Kindern haben mindestens ein Lieblingskuscheltier, einen sogenannten Gefährten“, sagt Dr. Maya Götz , Medienpädagogin am Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) in München. Vor drei Jahren hat sie zusammen mit Andrea Holler die Kooperationsstudie „Nicht ohne meinen Teddy! – Die Gefährten der Kindheit“ mit der Stiftung „Chancen für Kinder durch Spielen“ verfasst. Dafür wurden 700 Mütter und 50 Kindergartenkinder befragt, zudem berichteten 32 Eltern in Tagebuchaufzeichnungen über den Umgang ihrer Kinder mit den Gefährten.

Die Kinder wählen die Kuscheltiere demnach meist schon in den ersten drei Lebensjahren aus, wobei Jungen öfter Plüsch- und Stoffgefährten und Mädchen ab dem dritten Geburtstag auch Puppen wählen. Die Spielgefährten übernehmen laut Studie im Alltag des Kindes verschiedene Funktionen. Sie seien nicht nur zum Spielen da, sondern auch, um dem Kind Sicherheit, Unterstützung, Geborgenheit und Trost zu geben. Aus Perspektive der Kinder seien die Spielzeuge „beseelt“ und hätten vom Kind zugeschriebene Fähigkeiten und Eigenschaften. Darüber hinaus würden sie den Mädchen und Jungen durch Als-ob-Spiele helfen, Erlebtes nachzuvollziehen und zu verarbeiten. Bei vielen Kindern sei der Gefährte auch beim Einschlafen sowie im Urlaub unverzichtbar.

Deshalb seien sie für das Kind auch so wichtig und die Verzweiflung entsprechend groß, wenn der Gefährte verschwunden ist: „Verschiedene Eltern haben berichtet, wie schwierig die Situation war, als das Kuscheltier weg war. Ich habe es selbst auch bei meiner Tochter erfahren. Wir haben das zu Beginn ein bisschen unterschätzt, aber unsere Tochter hat in der Zeit sehr gelitten“, erklärt die Medienpädagogin. Daher ist es aus ihrer Sicht sinnvoll für den Notfall einen Ersatz parat zu haben. „Es hat sich gezeigt, dass die Gefährten Teile der Seele des Kindes sein können. Irgendwann wird sich das Kind von selbst lösen und andere Wege finden, mit seinen Gefühlen umzugehen“, ist Götz überzeugt. Doch solange sei es wichtig, den Kindern durch die Gefährten die Sicherheit zu geben, die sie bräuchten. Es ginge zwar auch ohne das Kuscheltier, doch sollten Eltern ihrer Ansicht nach in diesem Fall ruhig den vermeintlich leichteren Weg wählen.

Wollen Eltern allerdings ein Ersatzkuscheltier anschaffen, rät die Pädagogin, unbedingt das gleiche zu kaufen: „Wenn es Ersatz gibt, muss es das gleiche sein, sonst wird es das Kind nicht akzeptieren.“ Doch vermutlich werde das Kind selbst dann den Unterschied erkennen. „Meine Tochter zum Beispiel hat sofort gemerkt, dass es ein neuer Larsi ist. Aber es hat genau zwei Tage gedauert, dann sah Larsi genauso aus wie der alte. Sie hat es zwar gemerkt, sich ihre Realität aber so verbogen, dass er der Larsi ist, den sie schon immer hatte“, glaubt Götz.

Ähnlich könne es den Kindern auch ergehen, wenn der geliebte Gefährte in die Waschmaschine muss. Die ganz kleinen Kinder würden diesen Umstand zwar meist einfach akzeptieren, bei den Älteren dagegen sei Einfallsreichtum gefragt: „Es ist gut, wenn man ein Spiel daraus macht. Das Kuscheltier meiner Tochter ging etwa zum Karussellfahren“, erklärt Götz.

Und was ist, wenn das eigene Kind kein Interesse an Kuscheltieren hat? „Kinder nutzen es, um von der Nähe ihrer Eltern Stück für Stück selbstständig zu werden. Aber Menschen sind individuell und vielfältig, deshalb macht es jedes Kind auf seine Art. Wollen sie kein Kuscheltier, werden sie andere Wege finden, wie sie sich den Eltern nahe fühlen und trotzdem auch mal ohne sie sein können. Insofern müssen sich die Eltern da keine Gedanken machen, wenn die Kinder kein Lieblingsspielzeug haben. Aber die meisten haben es“, erklärt die Medienpädagogin. Zudem würden Kinder sich ihren Gefährten selbst aussuchen, wenn sie einen möchten. „Das kann auch mal die Unterhose des Vaters sein.“ Auch wenn das für die Eltern sehr unangenehm sein könnte.

Maya Götz betont, dass Eltern versuchen sollten, Ihre Kinder so zu nehmen, wie sie sind. Wie viel Nähe und Wärme ein Kind benötige, sei sehr unterschiedlich, deshalb sei es auch individuell verschiedenen, wie sehr ein Kind sein ganz persönliches Stofftier braucht. Das sollten Eltern nach Ansicht von Maya Götz nicht nur akzeptieren, sondern dadurch ihr Kind auch möglicherweise besser kennenlernen. „Kinder erzählen ihren Gefährten häufig viel mehr als ihren Eltern“, weiß die Pädagogin, „deshalb sollten Eltern alles annehmen, was dazu beiträgt, Nähe und Gemeinsamkeit herzustellen und wodurch sie uns mitteilen, wie es ihnen geht.“


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