Planka.nu aus Schweden Ein Schwede versichert Schwarzfahrer

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Osnabrück. In Stockholm können Schwarzfahrer in der U-Bahn Kontrollen gelassen entgegensehen. Für umgerechnet 11 Euro im Monat kann man sich gegen das Erwischtwerden versichern. Planka.nu heißt die Organisation, die das möglich macht. Sprecher Christian Tengblad erzählt, warum es sich lohnt, Mitglied zu sein und weshalb der öffentliche Nahverkehr kostenlos sein sollte.

Herr Tengblad, haben Sie nie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie schwarz fahren?
Nein, habe ich nicht. Wir sind für einen kostenfreien öffentlichen Nahverkehr und dafür, Tickets abzuschaffen. Wir sind solidarisch mit denjenigen, die sich die Fahrt nicht leisten können. Kostenfreier öffentlicher Nahverkehr wird den meisten nutzen und tut niemandem weh.

Hier geht es zur Homepage von planka.nu

Wie oft sind Sie schon beim Schwarzfahren erwischt worden?
Vielleicht fünfmal, aber in einem Zeitraum von zehn Jahren.

Man könnte argumentieren, dass das System des öffentlichen Nahverkehrs zusammenbricht, wenn niemand bezahlen will.
Der öffentliche Nahverkehr ist für jede Gesellschaft, die funktionieren will, unverzichtbar. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass man den Nahverkehr über Steuern bezahlen kann.

Was ist die Idee hinter Planka.nu?
Indem wir Schwarzfahrer organisieren, wandeln wir die Schwäche, sich kein Ticket leisten zu können, in die kollektive Stärke eines Streiks gegen einen kostenpflichtigen Nahverkehr. Wir streiken, indem wir keine Tickets kaufen. Damit wollen wir für einen kostenfreien Nahverkehr werben und zeitgleich schon heute dafür sorgen, dass man keine Tickets mehr kaufen muss.

In wie vielen Städten gibt es ihre Gruppe?
Zurzeit in Stockholm und in Göteborg.

Wie viele Mitglieder hat Planka.nu?
In Stockholm sind es derzeit rund 500.

Wie genau funktioniert die Schwarzfahrversicherung?
Die Mitgliedschaft bei uns kostet im Monat 100 Kronen (11 Euro), die reguläre Monatskarte des Nahverkehrs kostet 790 Kronen (87 Euro) und die Strafe für Schwarzfahren beträgt 1.200 Kronen (132 Euro). Es lohnt sich also, bei uns Mitglied zu sein (lacht).

Wie sehen Ihre typischen Mitglieder aus?
Die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, obwohl unser ältestes Mitglied in den 1930er Jahren geboren wurde. Die meisten leben in einem Vorort von Stockholm. Ich vermute, dass viele prekär beschäftigt sind und nur Zeitverträge haben. Was sie durchschnittlich im Monat verdienen, weiß ich aber nicht.

Die New York Times hat geschrieben, dass die offiziellen Stellen in Stockholm den Kampf gegen Hardcore-Schwarzfahrer wie Sie bereits aufgegeben haben.
Nein, noch nicht ganz (lacht). Aber gegen ihre Maßnahmen, uns das Schwarzfahren zu erschweren, treffen wir unsere Gegenmaßnahmen. Wir haben auf unserer Webseite einige Videos , wo man gucken kann, wie man am besten schwarz fährt. Das Ziel bleibt aber vor allem kostenfreier öffentlicher Nahverkehr für alle.

Gibt es denn keine Kameras oder Wachleute?
Es gibt ein paar Wachleute, aber es gibt einfach zu viele Stationen, die sie überwachen müssten. Es gibt auch Kameras, aber sie machen keinen Sinn, weil Schwarzfahrer kein Verbrechen ist.

In Deutschland kann man ziemlichen Ärger kriegen, wenn man zu oft erwischt wird. Theoretisch kann man dafür auch ins Gefängnis kommen.
Bei uns ist es so, dass man zwar eine Regel bricht, aber es ist keine Straftat. Ein Gefangener kostet den Staat pro Tag doch mehr als mehrere Monatstickets. (lacht)

Wann Sie zuletzt ein reguläres Ticket erworben?
Vor einer Weile habe ich mir ein 24-Stunden-Ticket gekauft. Aber nur weil wir die anderen Passagiere vor verschärften Kontrollen warnen wollten. Auf diese Art konnten wir mit Warnschildern in der U-Bahn stehen.


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