Fragen und Antworten Hürden auf dem Weg zur Rente mit 63

Von Wolfgang Büser

Bei der Rente mit 63 gibt es zahlreiche Regeln zu beachten. Foto: dpaBei der Rente mit 63 gibt es zahlreiche Regeln zu beachten. Foto: dpa

Kamen. Am 1. Juli tritt die neue Rente mit 63 in Kraft. Wir beantworten wichtige Fragen.

Ich bin Jahrgang 1951 und habe gerade meinen Rentenbescheid erhalten. Danach beginnt die Rente am 1.Juni dieses Jahres und ist mit Abschlägen verbunden. Da ich über 45 Jahre lang gearbeitet und Beiträge gezahlt habe, hätte ich vielleicht besser die abschlagfreie Rente mit 63 beantragen sollen. Kann ich jetzt noch die Rente wechseln? Ja, solange Ihr Rentenbescheid noch nicht „bindend“ ist (was einen Monat nach seiner „Zustellung“ der Fall wäre), können Sie den Rentenantrag zurücknehmen beziehungsweise abändern. Bindend ist ein Rentenbescheid, wenn er zum Beispiel wegen Ablauf der einmonatigen Widerspruchsfrist nicht mehr angefochten werden kann. Das dürfte bei Ihnen noch nicht der Fall sein. Wenden Sie sich daher umgehend an Ihren Rentenversicherungsträger . Da die abschlagfreie Rente mit 63 erst ab 1. Juli 2014 beginnen kann, müssen Sie aber die bereits erhaltene Rente für den Monat Juni zurückzahlen.

Ich werde erst in drei Jahren 63 Jahre alt. Kann ich dann auch nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge in Rente gehen? Nein, mit „63“ werden nur die bis einschließlich 1952 Geborenen die abschlagfreie Rente erhalten können. Für alle anderen „langjährig Versicherten“ wird die Altersgrenze schrittweise – abhängig vom Geburtsjahr – auf 65 Jahre angehoben. Der Jahrgang 1953 kann erst mit 63 Jahren und zwei Monaten diese Rente erhalten. Beim Jahrgang 1954 – wie bei Ihnen – sind es bereits 63 Jahre und vier Monate. Alle nach 1963 Geborenen müssen wie bisher warten, bis sie 65 Jahre alt sind.

Ich bin bereits 64 Jahre alt. Kann ich trotzdem die abschlagfreie „Rente mit 63“ bekommen? Ja, und zwar vom 1. Juli 2014 an. Vorausgesetzt, Sie haben mindestens 45 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung zurückgelegt. Dazu zählen zum Beispiel Zeiten einer versicherungspflichtigen Beschäftigung oder selbstständigen Tätigkeit; eines Wehr- oder Zivildienstes; der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes sowie des Bezuges von Kranken- oder Arbeitslosengeld I. Auch freiwillige Beiträge zählen mit – wenn insgesamt wenigstens 18 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt wurden. Nicht berücksichtigt werden beispielsweise Zeiten des Bezugs der früheren Arbeitslosenhilfe beziehungsweise von Arbeitslosengeld II.

Ich werde dieses Jahr 60 Jahre alt und bin zu 50 Prozent schwerbehindert . Leider habe ich dann erst 43 Jahre Beitragszahlung voll. Kann ich mit Blick auf meine Schwerbehinderung und dem ab Juli geltenden Gesetz dennoch vorzeitig und ohne Abschlag in Rente gehen? Nein. Für Sie gilt weiterhin die bisher anzuwendende schrittweise Anhebung der Altersgrenze. Für Sie bedeutet das, dass Sie frühestens mit 63 und 8 Monaten abschlagfrei Rentner werden könnten; mit Abschlag von 10,8 Prozent frühestens mit 60 Jahren und 8 Monaten.

Ich habe einen Schwerbehindertenausweis mit 80 Grad, arbeite aber noch. Nach dem bisherigen Recht darf ich wegen meiner Schwerbehinderung zwei Jahre früher in Rente gehen. Gilt dies auch für das neue Gesetz, sodass ich statt mit 63 schon mit 61 Jahren ohne Abzüge Altersrentner werden kann? Nein. Das neue Recht unterscheidet nicht zwischen Nicht- und Schwer- behinderten. Es kommt lediglich auf den Nachweis von 45 Jahren Pflichtbeitragszeit an.

Werden bei den nachzuweisenden 45 Jahren auch „Anrechnungszeiten wegen Fachschulausbildung“ mitgezählt? Nein. Entsprechendes gilt für die Zeiten des normalen Schulbesuchs und des Studiums, weil während dieser Zeiten nicht rentenversicherungspflichtig „gearbeitet“ wurde. Dass die damaligen Schülerinnen und Schüler dies durchaus anders sehen könnten, hat den Gesetzgeber nicht bewogen, solche Zeiten als „pflichtig“ anzusehen.

Ich bin 61 Jahre alt, bis zur Rente mit 63 fehlen mir noch einige Monate. Wenn ich bis dahin noch arbeitslos werden sollte: Könnte ich dann die fehlenden Monate an den 45 Jahren durch einen 450-Euro-Job auffüllen? Ja. Denn bei einem nach 2012 aufgenommenen Minijob auf 450-Euro-Basis handelt es sich von vornherein um eine rentenversicherungspflichtige Beschäftigung, die nur durch ausdrückliche „Abwahl“ in eine versicherungsfreie Beschäftigung umgewandelt werden könnte.

Ich bin schon zwei Jahre in Altersteilzeit und würde gerne mit 63 Jahren in Rente gehen. Werden mir diese zwei Jahre angerechnet? Ja; denn auch dabei handelt es sich um eine rentenversicherungspflichtige Beschäftigung – wenn auch auf jeweils etwas „niedrigerem Niveau“.

Ich bin im Januar 1953 geboren und kann mit 63 Jahren und zwei Monaten abschlagfrei Rente beziehen. Ich hatte bis 2010 als Angestellter gearbeitet und mich danach als Unternehmensberater selbstständig gemacht. Kann ich diese Tätigkeit als Rentner auch noch ausüben oder gelten auch für die neue Rente des Nebenverdienstes wie für die anderen vorzeitigen Renten? Auch eine abschlagfreie Rente ab 63 ist eine vorzeitige Altersrente – mit den dafür geltenden Nebenverdienstgrenzen von 450 Euro pro Monat, zweimal pro Jahr dürfen es 900 Euro sein. Höhere Einkünfte führen zu einer Reduzierung der Rente.

Wie lange vor Beginn meiner Altersrente sollte ich den Rentenantrag stellen? Sie sollten den Antrag etwa drei Monate vor dem gewünschten Rentenbeginn stellen.Es empfiehlt sich, zur Rentenantragstellung einen Termin in Ihrer Auskunfts- und Beratungsstelle zu vereinbaren.

Können die Beitragsjahre eigentlich zum Teil auch in anderen Ländern der Europäischen Union erbracht worden sein? Ich habe vier Jahre in Frankreich und zwei Jahre in Belgien versicherungspflichtig gearbeitet. Auch diese sechs Jahre zählen bei der Ermittlung der 45 Jahre Pflichtversicherungszeit mit. Sie bringen zwar in Deutschland keine höhere Rente, werden aber auch in anderen Rentenfällen als „Beitragsjahre“ angerechnet.

Weitere Infos zur Altersteilzeit und der neuen Rente mit 63.

Rentenexperte Franz Ruland kritisiert die neue Rente mit 63.