Stoff der Zukunft Neues Textil tötet Bakterien blitzschnell

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Bakterien vom Typ Staphylococcus sind gefährliche Krankheitserreger. Foto: ImagoBakterien vom Typ Staphylococcus sind gefährliche Krankheitserreger. Foto: Imago

Sydney. Australische Forscher haben den Stoff der Zukunft entwickelt. Das neue Material ist antibakteriell und tötet Keime innerhalb von nur zehn Minuten ab. Vor allem für Krankenhäuser könnte dies eine Revolution bedeuten.

Von Barbara Barkhausen

Krankenhäuser gelten weltweit als die größten Infektionsherde. Aufgrund mangelnder Hygiene oder übermäßiger Anwendung von Antibiotika brüten hier oftmals die gefürchteten Supererreger. Verbesserte Hygiene-Standards sind deswegen vor allem für Krankenhäuser essenziell. Deswegen ist der neue, antibakterielle Stoff, den Forscher an der Universität RMIT in Melbourne entwickelt haben, ein wichtiges Puzzleteil im Kampf gegen schädliche Keime.

Erste Tests haben ergeben, dass die behandelte Textilie auf alle Fälle schon mal zwei der gefährlichsten Bakterienstränge abtötet: Die E.coli Bakterien, die Durchfall und Darmentzündungen auslösen können, und den Staphylococcus Aureus, der in Krankenhäusern besonders gefürchtet ist und lebensgefährliche Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen auslösen kann. Diese beiden Bakterienstränge haben gegen den neuen Stoff keine Chance. Sie sterben innerhalb von nur zehn Minuten ab.

Einsatz in Krankenhäusern wie privat

In Krankenhäusern gäbe es für so einen Stoff mannigfaltige Verwendungsmöglichkeiten: Bettlaken, Handtücher und Krankenhausbekleidung, aber auch Verbandszeug oder Pflaster könnten daraus hergestellt werden, um Sekundär- und Wundinfektionen zu vermeiden. Im Fall der Viruserkrankung MERS (Middle East Respiratory Syndrome), die vor zwei Jahren in Saudi-Arabien entdeckt wurde, vermuten Experten beispielsweise, dass der kürzliche Ausbruch im arabischen Dschiddah allein durch mangelnde Hygiene im lokalen Krankenhaus ausgelöst wurde.

Doch auch in der Alltagsbekleidung eines Normalbürgers könnte die Erfindung des RMIT-Teams Einsatz finden. Denn neben Bakterien tötet der Stoff auch Gerüche ab und das wiederum könnte das Ende stinkiger Socken oder übel riechender Sportsachen bedeuten.

Silber hat antibakterielle Eigenschaften

Seine antibakteriellen Eigenschaften erhält der Stoff mithilfe eines Bades in einer mit Silberionen versetzten Flüssigkeit. Die antibakteriellen Eigenschaften von Silber sind nach Aussagen von Vipul Bansal, der die Forschung an der Universität RMIT leitet, seit hundert Jahren bekannt. „Eine Stunde in dem Bad reicht bereits aus“, erklärte der Forscher im Telefoninterview. Der Effekt funktioniere auch noch nach mehrmaligem Waschen.

Obwohl der Forschungserfolg des Teams es bereits auf den Titel des Fachmagazins „Advanced Functional Materials“ schaffte, dauert es bis zum Einsatz in der Praxis noch ein wenig. Denn bevor das Material Anwendung findet, muss es noch eine Reihe weiterer Tests durchlaufen. Das Team muss hundertprozentig sicherstellen können, dass das Material bei all seiner antibakteriellen Wirkung nicht auch negative Eigenschaften auf menschliche Zellen hat.


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