Interview mit Ernährungswissenschaftler Wallraff-Reportage auf RTL: Wie ungesund ist Burger King?

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Osnabrück. Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften, ist Wissenschaftsjournalist und Dozent. Den streitbaren Wissenschaftler nannte das Handelsblatt einst den bösen Buben seiner Zunft. Er spricht über Essen bei Burger King und warum Bio auch nicht besser ist.

Herr Pollmer, ein Team um den Investigativ-Journalisten Günter Wallraff hat sich in Fast-Food-Restaurants von Burger King umgesehen und dabei das ein oder andere Ekelige entdeckt. Ist das überraschend?
In der Küche werden immer wieder Dinge zu sehen sein, die den Gast nicht begeistern. Und dabei ist es egal, ob es sich um einen Imbiss handelt, eine Großküche oder gar um einen Privathaushalt.

Wie ungesund sind Ketten wie Burger King und McDonalds?
„Gesund“ ist eher eine religiöse Frage. Pommes bei McDonalds enthalten auch nicht mehr Fett als ein Butterbrot, und wir reden von einem Butterbrot, das nicht belegt ist. Die Nährwerte sind praktisch gleich, außer, dass vielleicht die Pommes etwas Vitamin C enthalten. Das Brot vom Bäcker ist voller Backmittel. Da sind die Pommes beinahe ein Naturprodukt. Stark erhitzt ist beides.

Ist die Vorstellung, dass es in einer Großküche jederzeit hundertprozentig hygienisch zugeht, naiv?
In der Regel geht es in Großküchen wesentlich hygienischer zu als in Privathaushalten. Und das ist auch gut so.

Wenn alles stimmt, was in dem RTL-Bericht gezeigt wird, fragt man sich, was das Gesundheitsamt den ganzen Tag so macht.
Das frage ich mich auch manchmal.

Wie schlecht muss Essen eigentlich sein, damit es den Menschen krankmachen kann?
Die meisten Lebensmittelerkrankungen werden durch Blattgemüse verursacht, weil auf der großen Oberfläche eher Keime drauf sein können und viele Menschen das als Rohkost essen. Sie glauben immer noch, dass roh besser sei als gekocht. Aber wir haben nun mal eine lange Evolution mit dem Feuer und der Küche.

Wenn jemand erst die Toilette putzt und dann frisches Fleisch anfasst, ist das gefährlich?
Das ist unzulässig. Das ist wie eine Fahrt über eine rote Ampel. Aber Sie haben nach der Gefährlichkeit gefragt: Wenn Sie das Fleisch danach in die Pfanne hauen, sind die Keime alle tot. Wenn nicht, dann sind Sie trotz Gegenverkehr über eine rote Ampel gefahren.

Sind die Zustände in Schlachthöfen nicht bisweilen ähnlich unappetitlich?
Nicht unappetitlicher als in Gesundheitsredaktionen. Es gibt ja sogar schon gläserne Schlachthöfe, das mit den gläsernen Redaktionen wird noch auf sich warten lassen. Es gibt viele Schlachthöfe, so wie es viele Großküchen gibt. Und in den meisten wird ordnungsgemäß gearbeitet, sodass ich die Produkte auch gerne esse. Aber so manch eine Illustrierte fasse ich nur mit spitzen Fingern an.

Wie groß ist eigentlich die Gewinnspanne bei einem Burger der für unter 1,50 Euro angeboten wird?
Das weiß ich nicht. Die Masse macht es, und man wird halt bei den Löhnen sparen. Glauben Sie wirklich, dass teurere Produkte deshalb besser sind? Nur die Gewinnspanne ist höher.

Wie teuer sind die Lebensmittel, die in so einen Burger kommen?
Ich kenne die Kalkulation der Ketten nicht. Aber wenn wir schon über die günstigen Fleischpreise reden: Vor wenigen Jahren noch wurde ein erheblicher Teil des Schlachtkörpers verbrannt, weil ihn keiner essen wollte. Heute landen praktisch alle Teile eines Tieres irgendwo auf dem Tisch. Denn das, was für uns „Reste“ sind wie Hühnerfüße, Schweineohren oder Rinderschwänze, sind in anderen Ländern Delikatessen. Die subventionieren mit ihren Einkäufen in Deutschland unsere Schnitzel.

Würde es helfen, wenn ich alles im Bioladen kaufe?
Wohl kaum - Sie sind dann nur in einer anderen Kirche. Die Bioszene beklagt ja selbst, welche massiven gesundheitlichen Probleme ihre Tiere haben, aber das wird leider von den Medien nicht aufgegriffen. Um das Leiden der Bio-Tiere zu vermindern, forderte unlängst einer der Päpste der Bioszene, Professor Urs Niggli, endlich neue Eiweißfuttermittel (vulgo Soja) und Entwurmungsmittel zu akzeptieren. Denn die Freilandhaltung senkt den Einsatz an Antibiotika, aber erhöht massiv den Bedarf an Antiparasitika.

Wann waren Sie zuletzt bei Burger King?
Vor ein, zwei Jahren ungefähr. Ich weiß es nicht.


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