Aberglaube oder Trick? Hilft es, Münzen am Automaten zu reiben?

Von Eva Voß

Viele genervte Kunden haben an diesem Automaten schon Münzen gerieben. Foto: dpaViele genervte Kunden haben an diesem Automaten schon Münzen gerieben. Foto: dpa

Osnabrück. Am Bahnhof, im Parkhaus, in der U-Bahn-Station: Wer ein klirrendes „Pling“ hört, ist vermutlich dem Wutanfall nahe. Der Automat nimmt das Geldstück nicht. Viele versuchen dann, die Münzen am Automaten zu reiben, um ihn doch noch dazu zu bringen, das Kleingeld anzunehmen. Aber funktioniert das, oder ist das nur Aberglaube?

„Physikalisch ist das Reiben völlig bedeutungslos“, erklärt Mieke Feldmann, Pressesprecherin beim Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft . Doch manchmal scheint es doch zu klappen. Wie kommt das? „Ob die Münze angenommen wird oder nicht, entscheidet der Münzprüfer im Innern des Automaten“, so Feldmann. Er prüfe, aus welchem Material die Münze bestehe. Zwei Spulen im Innern erzeugten ein elektromagnetisches Feld. Weil die Münze aus Metall bestehe, lenke sie das Feld beim Durchqueren ab. Ein anderes Material (eine falsche Münze) führt laut Feldmann zu einer anderen Ablenkung und die Münze fällt durch. Temperatur, elektrische Ladung oder Magnetisierung der Münze hätten jedoch keinen Einfluss auf die Messwerte, weil sie das elektromagnetische Feld nicht beeinflussen könnten. „Unterschiede in den Messwerten kommen dadurch zustande, dass jede Münze auf ihrem Weg an den Spulen vorbei einen etwas anderen Weg nimmt. Nie sitzt sie exakt an derselben Stelle, wenn die Spulen die Messwerte aufnehmen“, sagt die Pressesprecherin. Das Taumeln des Geldstücks könne man eher durch die Art des Einwurfes beeinflussen als durch Reibung: „Locker und mit leichtem Schwung in den Schacht fallen lassen – und möglicherweise die Münze umdrehen, sodass beim zweiten Einwurf statt der Zahl das Wappen nach links zeigt“, rät Feldmann. Der Verband rät aus einem weiteren Grund vom Reiben ab: Die Automaten würden dadurch zerkratzt.

Auch wenn der Automat das Geldstück nach mehreren Versuchen nicht annimmt, sollten Bahnfahrer nicht einfach ohne Ticket in den Zug einsteigen: „In diesem Fall wird das jeweilige Verkehrsunternehmen berechtigt sein, ein erhöhtes Beförderungsgeld in Höhe von 40 Euro zu verlangen“, sagt Gabriele Peters von der Verbraucherzentrale Niedersachsen . Der Betroffene wäre dann ein Schwarzfahrer. Denn im Fall der verweigerten Geldannahme könne der Reisende den Vorfall nicht eindeutig beweisen. „Sind die Wechselgeldvorräte erschöpft oder nimmt der Automat tatsächlich mein Geld nicht an, ist das grundsätzlich mein Problem“, so die Verbraucherschützerin.

Ausnahmen gebe es nur, wenn der Automat tatsächlich beschädigt sei und nicht mehr funktioniere. „In solchen Fällen sollten Reisende die Störungshotline der jeweiligen Verkehrsgesellschaft anrufen“, rät Peters. Ist kein Telefon zur Hand, sei es auch möglich, das Personal am Bahnhof auf die Störung aufmerksam zu machen, sich Zeugen zu suchen und aufzuschreiben, welcher Automat defekt war, zu welcher Uhrzeit und auf welchem Bahnhof. „Zwar kann auch dann das Zugpersonal ein erhöhtes Beförderungsgeld kassieren, doch kann der Betroffene später schriftlich dagegen widersprechen, wenn er Beweise hat“, sagt Peters. War der Automat wirklich defekt, können die meisten Verkehrsunternehmen dies später überprüfen.