Alles. Immer. Überall. Was taugen Watchever und Maxdome? Film-Streaming im Test


Osnabrück. Digitale Videotheken revolutionieren die Art, wie wir Filme und Serien schauen. Doch für wen lohnt sich welches Abo-Angebot? Ein Streifzug durch Video-on-demand-Dienste.

Das Internet macht den Zuschauer zum Programmchef . Früher wurde der Abend nach der Fernsehzeitung gestaltet. Wer heutzutage online schaut, bestimmt selbst, was wann läuft. In digitalen Videotheken steht ein schier unendliches Angebot an Filmen, Serien und Dokumentationen zur Verfügung. Streaming-Flatrates entwickeln sich für Branchenplayer wie Maxdome und Watchever zu profitablen Geschäftsmodellen.

Ein Drittel des Verleihumsatzes in Deutschland wird inzwischen digital erzielt – 102 Millionen Euro waren das laut dem Bundesverband Audiovisuelle Medien 2013. Auch kleine Start-Ups mischen mit und erwirtschaften ein Stück des Kuchens. Doch werden wirklich alle Nutzer zufriedengestellt? Wir testen eine Auswahl an Abo-Diensten und zeigen die Schwachstellen.

Watchever ist einer der größten Video-on-demand-Anbieter in Deutschland. Das sind kommerzielle (und legale) Online-Film- und Serienverleihe, deren Portfolio jederzeit für Kunden abrufbar ist. 8,99 Euro zahlen Abonnenten von Watchever monatlich, um auf Computern, Tablets, Smartphones und Fernsehern Blockbuster, Filmklassiker und Serien anzuschauen. Rund 13.000 Titel stehen zur Auswahl. Auf einige Kinohighlights müssen Watchever-Abonnenten allerdings lange warten. Je neuer der Film, desto teurer die Lizenz für den Anbieter. Im ersten Monat testen Nutzer Watchever kostenlos, danach können sie monatlich kündigen. Täglich meldeten sich bis zu 5000 Neukunden an, verlautbart das Unternehmen. Ein großer Teil der Serien und Filme ist in der Originalversion verfügbar. Bei ausreichender Bandbreite werden viele Titel in HD gezeigt. Daneben punktet Watchever mit einem Offline-Modus. Wer Filme und Serien unterwegs ohne Internetverbindung schauen will, kann sie zuvor auf Smartphone oder Tablet speichern.

Ein Schwachpunkt bei Watchever ist die Übertragungsqualität. Immer wieder beklagen sich Nutzer in Foren darüber, dass Filme stoppen und nachladen – trotz guter Internetverbindung. Über ein Beschwerdeformular können Kunden die Störungen melden. Oder sie müssen sich in Geduld üben.
+ Große Auswahl imAbo-Paket
+ HD-Inhalte
+ Originalversionen
+ Offlinemodus
– Probleme bei der Streaming-Qualität

Maxdome ist die Online-Videothek von ProSiebenSat1., bietet auf Abruf aber sehr viel mehr als nur das digitalisierte TV-Programm der Sendergruppe. Serien, Filme und Dokumentationen gibt es zum monatlichen Abo-Preis von 7,99 Euro. Daneben stehen Titel bei Maxdome auch zum Einzelverleih und -verkauf. Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten sind zugleich Stärke und Schwäche des Angebots. Kunden, die nur selten Filme ausleihen, werden nicht durch ein Abo geschröpft. Vielschauer kommen ebenfalls auf ihre Kosten – allerdings mit Einschränkungen. Für die meisten Neuheiten –aktuell etwa „Gravity“ oder „Die Tribute von Panem“ fallen für Abokunden zusätzliche Leihgebühren an. Beim monatlichen Fixpreis bleibt also nur, wer sich mit dem Standardprogramm zufrieden gibt. Nach Maxdome-Angaben besteht das aber immerhin noch aus rund 3700 Spielfilmen, 200 Serien und 500 Fernsehshows. Besonders im Serienbereich ist Maxdome stark aufgestellt: Breaking Bad, Sherlock, Greys Anatomy und The Big Bang Theory sind nur einige der aktuellen Highlights. Für den Offline-Modus muss bei Maxdome für sämtliche Geräte ein eigener Download-Manager installiert werden – ein etwas umständliches Verfahren. Nutzerfreundlich ist hingegen das Angebot an Originalversionen. Zahlreiche Titel gibt es in HD-Qualität.
+ Vielfältiges Angebot
+ Abo-Paket und Einzelerwerb
+ Viele Filme in HD
+ Zahlreiche Originalversionen
– Aufwendiger Offline-Modus
– Zusatzkosten bei Neuheiten

Mit Amazon Instant Video hat der US-amerikanische Versandriese in Deutschland seine ehemalige Online-Videothek „Lovefilm“ mit dem Premiumversand-Angebot „Amazon Prime“ verschmolzen. Das Ergebnis ist ein ähnlicher Shop-Videothek-Zwitter wie Maxedome, der zunächst vor allem ehemalige Prime-Kunden verärgert hat. Ihr Mitgliedsbeitrag erhöht sich von vormals 29 Euro auf 49 Euro im Jahr. Dafür können sie nun unbegrenzt auf eine Auswahl von aktuell rund 12.000 Filmen und Serienfolgen zugreifen. Der Preis pro Monat ist im Vergleich zu anderen Anbietern also günstiger – die Kündigungsfrist aber deutlich unflexibler. Für 7,99 Euro erhalten Kunden die monatlich kündbare Abovariante.

Amazon-Kunden, die einzelne Filme oder Serienstaffeln leihen oder kaufen wollen, können aus rund 25.000 Titeln auswählen. Ein gewichtiger Kritikpunkt: Ihnen sind die Blockbuster-Neuheiten vorbehalten. Abokunden werden mit weniger aktuellen Filmen abgespeist. Deren Qualität wiederum ist ein Argument für Amazon: In den gängigsten Genres kann die Auswahl überzeugen. Nur ein Bruchteil der internationalen Filme und Serien ist allerdings in Originalton verfügbar. Cineasten, die Wert darauf legen, werden bei Amazon im Moment noch nicht glücklich.

Weitere potenzielle Kunden verprellt der Anbieter mit einer unverständlichen Lücke bei der App-Abdeckung: Auf Android- und Windows-Tablets sowie -Smartphones ist Amazon Instant Video offiziell bisher nicht nutzbar – es gibt schlicht keine App.
+ Überzeugende Filmauswahl
+ Günstiger Jahrespreis
+ Abo-Paket und Einzelerwerb
– Keine Neuheiten im Abo
– Kaum Originalversionen
– Keine Apps für Android und Windows

Mubi ist ein Geheimtipp für Filmliebhaber, die abseits von Blockbustern und Serien-Highlights auf der Suche nach anspruchsvollen Stoffen sind. Ins Programm der Online-Videothek schaffen es Klassiker, Independent-, Kult- und Festivalfilme – gleichzeitig allerdings immer nur 30 an der Zahl. Das Konzept von Mubi ist denkbar einfach: Jeden Tag wird ein neuer Streifen ins Programm genommen, 30 Tage lang haben Nutzer Zeit ihn sich anzuschauen. 4,99 zahlen sie dafür monatlich. Gleichzeitig verschwindet jeden Tag der älteste Film aus dem Angebot. Lohnen wird sich Mubi für Neugierige, die sich bei der Filmauswahl gerne in die Hände von ausgewiesenen Filmkennern begeben. Allen anderen wird das Portfolio zu eingeschränkt sein.

Sind Filme und Dokumentationen in HD auf dem Markt, bietet Mubi sie als solche an. Nutzer können zwischen deutscher Synchronisation und dem Originalton wählen. Dazu gibt es oftmals deutsche Untertitel.

Als junges Angebot ist Mubi noch nicht auf sämtlichen mobilen Endgeräten verfügbar. Apps gibt es für iPads und iPhones. Android- und Kindle-Nutzer müssen sich noch gedulden.
+ Kuratierte Filmauswahl
+ Originalton und HD-Versionen
+ Günstiger Preis
– Sehr limitiertes Angebot
– Keine Android- und Kindle-Version

*In einer ersten Version des Artikels berichteten wir, der Preis für den Amazon Premiumversand habe sich durch Integration des Video-Streaming-Angebots von 20 auf 49 Euro erhöht. Das ist falsch. Amazon Prime kostete zuvor 29 Euro.


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